Internet, Gesellschaft

Innenministerium offen fĂŒr Abschaffung der AnonymitĂ€t im Internet

24.03.2026 - 16:24:36 | dts-nachrichtenagentur.de

Das Bundesinnenministerium hat sich offen fĂŒr eine Pflicht zur IdentitĂ€tsfeststellung im Netz gezeigt.

Instagram-Logo auf einem Smartphone (Archiv) - Foto: via dts Nachrichtenagentur
"Die Forderung nach einer Klarnamenpflicht ist angesichts zunehmender HasskriminalitÀt im Internet grundsÀtzlich nachvollziehbar", sagte ein Sprecher von Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) der "Welt" (Mittwochausgabe). Man werde die weitere Diskussion "konstruktiv begleiten".

Der stellvertretende Vorsitzende der Unionsfraktion im Bundestag, GĂŒnter Krings (CDU), sprach sich dafĂŒr aus, Internetprovider zu ermutigen, fĂŒr ihre Dienste Klarnamen einzufordern. "Wenn Internetnutzer mit offenem Visier auftreten, ist das die wirksamste Möglichkeit, Hass und Hetze einzudĂ€mmen und zugleich die Meinungsfreiheit ohne Abstriche zu erhalten", sagte Krings der Zeitung.

Ein Sprecher des Bundesjustizministeriums erklĂ€rte hingegen auf Nachfrage, dass frĂŒhere Äußerungen von Ministerin Stefanie Hubig (SPD) gegen eine "Klarnamenpflicht" weiter aktuell seien. Hubig hatte im vergangenen Dezember dem "Tagesspiegel" gesagt: "Eine staatlich verordnete Klarnamenpflicht im Internet lehne ich ab. Wer eigene Meinungen oder Erfahrungen anonym oder unter Pseudonym Ă€ußern möchte, ist dafĂŒr keine Rechenschaft schuldig."

Auch AfD, GrĂŒne und Linke sprechen sich gegen etwaige VerschĂ€rfungen aus. Der digitalpolitische Sprecher der AfD-Bundestagsfraktion, Ruben Rupp, kĂŒndigte Widerstand "mit allen der Opposition zur VerfĂŒgung stehenden Mitteln" an. AnonymitĂ€t sei "ein zentraler Bestandteil eines freien und offenen digitalen Diskurses", sagte Rupp der "Welt".

Auch die GrĂŒnen lehnen den Vorstoß ab. "AnonymitĂ€t und PseudonymitĂ€t im Netz sind kein Luxus, sondern ein Grundpfeiler fĂŒr Meinungsfreiheit, Pressefreiheit und informationelle Selbstbestimmung", sagte die digitalpolitische Sprecherin, Rebecca Lenhard. Eine "Klarnamenpflicht" trĂ€fe vor allem "Minderheiten, Whistleblower und Menschen, die sich aus beruflichen oder privaten GrĂŒnden nicht unter vollem Namen Ă€ußern können".

"Wir sind gegen eine Klarnamenpflicht", sagte die digitalpolitische Sprecherin der Linksfraktion, Donata Vogtschmidt. Viele TĂ€ter handelten bereits unter Klarnamen, ein Verbot, anonym zu posten, sei hier keine Lösung. Gleichzeitig sei AnonymitĂ€t im Netz gerade fĂŒr Angehörige diskriminierter Gruppen notwendig.

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