Israel, Justiz

Israel: Gericht erlaubt Rotem Kreuz Zugang zu SicherheitshÀftlingen

04.06.2026 - 13:01:44 | dts-nachrichtenagentur.de

Der Oberste Gerichtshof Israels hat das umfassende Verbot von Besuchen des Roten Kreuzes bei palĂ€stinensischen SicherheitshĂ€ftlingen fĂŒr rechtswidrig erklĂ€rt.

Internationales Rotes Kreuz in Genf (Archiv) - Bild: via dts Nachrichtenagentur
Internationales Rotes Kreuz in Genf (Archiv) - Bild: via dts Nachrichtenagentur
Die Richter gaben einer entsprechenden Klage von BĂŒrgerrechtsorganisationen statt und ordneten die Aufhebung der seit Oktober 2023 geltenden Regelung an.

Die Klage richtete sich sowohl gegen das Besuchsverbot als auch gegen die Weigerung des Staates, dem Roten Kreuz AuskĂŒnfte ĂŒber die inhaftierten Personen zu erteilen. Die Maßnahmen waren nach dem Hamas-Überfall vom 7. Oktober 2023 und dem Beginn des Gaza-Krieges verhĂ€ngt worden.

Das Gericht stellte fest, dass der Staat trotz der SensibilitĂ€t des Themas und des Kriegskontextes keine schlĂŒssige rechtliche Grundlage fĂŒr das Verbot vorlegen konnte. Das Gericht bezeichnete das Verfahren als "außergewöhnlich", da die Regierung wiederholt FristverlĂ€ngerungen beantragt und letztlich eine unzureichende Stellungnahme eingereicht habe. Der Staat habe "unzĂ€hlige Gelegenheiten" erhalten, eine fundierte Position darzulegen, sei aber letztlich gescheitert. Vor dem Krieg war der Zugang des Roten Kreuzes zu Sicherheitsgefangenen jahrzehntelang Teil der israelischen Inhaftierungspolitik. Das Gericht verwies auf Regelungen aus der Zeit nach dem Sechstagekrieg und Verfahrensanweisungen des GefĂ€ngnisdienstes aus dem Jahr 2002.

Konkret ging es in dem Verfahren um HĂ€ftlinge aus dem Westjordanland und dem Gazastreifen, die sich in Strafhaft, Verwaltungshaft oder als illegale Kombattanten in israelischer Gewalt befanden. Der Staat hatte sich laut Urteil vor allem auf eine politisch-militĂ€rische Direktive gestĂŒtzt, nicht auf eine klare Rechtsnorm.

Das Rote Kreuz kĂŒndigte an, seine Besuche wieder aufnehmen zu wollen, und bekrĂ€ftigte, dass es wichtig sei "sicherzustellen, dass die Haftbedingungen und die Behandlung der Inhaftierten" den Standards des humanitĂ€ren Völkerrechts entsprechen. "Wir setzen unseren Dialog mit den israelischen Behörden fort, um unsere Arbeit in den Haftanstalten so bald wie möglich wieder aufzunehmen", so die Hilfsorganisation.

Israels Sicherheitsminister Itamar Ben-Gvir kritisierte das Urteil unterdessen scharf. Er sprach von einer "beschĂ€menden Entscheidung abgehobener Richter", die sich um Terroristen kĂŒmmerten, wĂ€hrend israelische BĂŒrger den Preis des Terrors zahlten. Er forderte erneut eine tiefgreifende Justizreform.

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