Habermas, StÀrkung

Habermas rÀt zu militÀrischer StÀrkung der EU

21.03.2025 - 18:02:36 | dts-nachrichtenagentur.de

Der Philosoph JĂŒrgen Habermas hat der europĂ€ischen Union geraten, sich militĂ€risch zu rĂŒsten.

Bundeswehr Drohne (Archiv) - Foto: ĂŒber dts Nachrichtenagentur
Eine StĂ€rkung der StreitkrĂ€fte sei nicht nur zur kurzfristigen UnterstĂŒtzung der Ukraine geboten, schrieb Habermas in einem Gastbeitrag fĂŒr die "SĂŒddeutschen Zeitung" (Samstagausgabe). Die MitgliedslĂ€nder der EuropĂ€ischen Union mĂŒssten auch "ihre militĂ€rischen KrĂ€fte stĂ€rken und bĂŒndeln, weil sie sonst in einer geopolitisch in Bewegung geratenen und auseinanderbrechenden Welt politisch nicht mehr zĂ€hlen" und in den "Strudel der absteigenden Supermacht" USA geraten wĂŒrden. Der 1929 in DĂŒsseldorf geborene Habermas, der ab 1964 in Frankfurt lehrte und weltweit zitierte Grundlagenwerke der Philosophie und Soziologie verfasst hat, warnt zugleich vor den Gefahren eines ungezĂŒgelten Militarismus in Deutschland.

Dass der "weltgeschichtliche Lernprozess", den er in der Abschaffung der Wehrpflicht sieht, umgekehrt werden könnte, mache ihm Sorgen. "Mich erschreckt, von welchen Seiten die deutsche Regierung, die sich nun zu einer beispiellosen AufrĂŒstung des Landes anschickt, gedankenlos oder gar ausdrĂŒcklich mit dem Ziel der Wiederbelebung einer zurecht ĂŒberwunden geglaubten militĂ€rischen MentalitĂ€t unterstĂŒtzt wird". Eine StĂ€rkung der Armeen könne er nur "unter dem Vorbehalt eines entsprechend weiteren Schrittes in der europĂ€ischen Integration" unterstĂŒtzen. Habermas kritisierte, Europa habe sich "ohne eigene Zielsetzung und ohne eigene Orientierung" auf die UnterstĂŒtzung der ukrainischen KriegsfĂŒhrung eingelassen. Dem von Russland angegriffenen Land habe Europa zwingend helfen mĂŒssen, der "kritische Blick fĂŒr die Gefahr eines Bruchs mit dem bisherigen Weltwirtschaftssystem und einer bis dahin noch mehr oder weniger ausbalancierten Weltgesellschaft" habe aber gefehlt. Dies bringe die EU nun in eine prekĂ€re Situation, da die USA eine Kehrtwende vollziehen - die laut Habermas ebenfalls vorauszusehen gewesen sei. Seit der Regierungszeit von George W. Bush hĂ€tten die USA von ihrer Position als Garant des freien Westens StĂŒck fĂŒr StĂŒck verabschiedet. Der nun wiedergewĂ€hlte US-PrĂ€sident Donald Trump "scheine mit seiner Hinwendung zu Putin" nun lediglich "anzuerkennen, dass die USA trotz ihres wirtschaftlichen Übergewichts die weltweite Vorherrschaft einer Supermacht verloren, jedenfalls den politischen Anspruch eines Hegemons aufgegeben" habe. An eine RĂŒckkehr zu frĂŒheren VerhĂ€ltnissen glaubt Habermas nicht, weder innenpolitisch in den USA, wo Trump auf eine "eine digital gesteuerte Technokratie" hinarbeite, noch auf der Ebene der Internationalen Ordnung. "LĂ€ngerfristig zerfallende Institutionen" ließen sich "nicht innerhalb des Zeitraums einer Wahlperiode, selbst wenn Trumps System noch einmal abgewĂ€hlt wĂŒrde, reparieren".

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