EU, Umweltschutz

EU will bei Lederproduktion nicht mehr gegen Waldrodungen vorgehen

04.05.2026 - 16:24:54 | dts-nachrichtenagentur.de

Die EuropĂ€ische Kommission will die EU-Entwaldungsrichtlinie, mit der die Abholzung von WĂ€ldern verhindert werden soll, ĂŒberarbeiten.

Brasilianischer Regenwald (Archiv) - Foto: via dts Nachrichtenagentur
Brasilianischer Regenwald (Archiv) - Foto: via dts Nachrichtenagentur
ErklĂ€rtes Ziel ist, die damit verbundene BĂŒrokratie um 75 Prozent zu senken, Kritiker sehen in den VorschlĂ€gen eine AbschwĂ€chung des Rechtsakts.

Zum einen will die EU das IT-System, mit dem die Einhaltung der Richtlinie dokumentiert wird, so ĂŒberarbeiten, dass mit einer Sorgfaltspflichten-ErklĂ€rung mehrere Lieferungen abgedeckt werden können. Außerdem soll aktiver darĂŒber aufgeklĂ€rt werden, dass sich die Rolle nachgelagerter Unternehmen in einer Lieferkette auf die passive Erfassung und Speicherung relevanter Informationen beschrĂ€nkt. Leder soll kĂŒnftig nicht mehr unter die Verordnung fallen.

"Die Lederindustrie hat sich mit ihrer aggressiven Lobbyarbeit durchgesetzt", kommentierte Sascha MĂŒller-Kraenner, BundesgeschĂ€ftsfĂŒhrer der Deutschen Umwelthilfe (DUH). "Rindsleder aus illegal gerodeten Gebieten etwa im Amazonas-Regenwald soll weiter fĂŒr europĂ€ische Modeprodukte oder Autositze verarbeitet werden. Das reiht sich ein in eine Serie von RĂŒckschlĂ€gen fĂŒr den internationalen Waldschutz, darunter die mehrmalige Verschiebung des Geltungsbeginns der Verordnung sowie erleichterte Anforderungen an europĂ€ische Produzenten und HĂ€ndler."

MĂŒller-Kraenner bezeichnete die EU-Entwaldungsverordnung als ein zentrales Instrument des "Green Deals". Sie habe bereits vor ihrer offiziellen Anwendung bei Unternehmen und in den ProduktionslĂ€ndern positive Wirkung gezeigt. "Lieferketten werden transparenter, Unternehmen investieren in entwaldungsfreie Praktiken und die BekĂ€mpfung von Landraub und Zwangsarbeit. Das darf die EU-Kommission jetzt nicht aufs Spiel setzen", so der DUH-GeschĂ€ftsfĂŒhrer. "Wir fordern die entschlossene Durchsetzung der EU-Entwaldungsverordnung - ohne weitere SchwĂ€chungen und Verzögerungen."

Die ErnĂ€hrungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) schĂ€tzt, dass zwischen 1990 und 2020 rund 420 Millionen Hektar Wald - eine FlĂ€che grĂ¶ĂŸer als die EU - durch Entwaldung verloren gegangen sind. Der Verbrauch in der EU ist fĂŒr etwa 10 Prozent der weltweiten Entwaldung verantwortlich. Soja, das vor allem als Tierfutter genutzt wird, und Palmöl machen mehr als zwei Drittel davon aus. Entwaldung verursacht SchĂ€tzungen zufolge etwa zehn bis 15 Prozent der weltweiten Treibhausgasemissionen.

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