Behandlungsfehler: Zahl der VerdachtsfÀlle erreicht Rekordwert
30.05.2026 - 11:32:51 | dts-nachrichtenagentur.deTK-Vorstandsvorsitzender Jens Baas fordert angesichts der Zahlen eine offene Fehlerkultur im Gesundheitswesen. "Wir mĂŒssen dringend die Weichen dafĂŒr stellen, dass die unentdeckten Behandlungsfehler besser ermittelt werden können", sagt Baas. Fehler wĂŒrden "bisher noch viel zu oft verschwiegen oder bagatellisiert, statt sie als Chance fĂŒr Verbesserungen zu nutzen", so Baas.
Mit 29 Prozent entfiel 2025 der gröĂte Anteil der gemeldeten VerdachtsfĂ€lle auf chirurgische Eingriffe, gefolgt von Zahnmedizin und KieferorthopĂ€die mit 17 Prozent sowie Geburtshilfe und GynĂ€kologie mit elf Prozent. Diese drei Fachrichtungen decken zusammen mehr als die HĂ€lfte aller gemeldeten FĂ€lle ab.
Baas spricht sich zudem fĂŒr ein zentrales Melderegister aus. "Derzeit fĂŒhren Ărztekammern, Medizinischer Dienst und die Krankenkasse jeweils eigene Register, in denen die FĂ€lle erfasst werden. Dadurch fehlt der Ăberblick ĂŒber die Gesamtlage", so Baas. Nötig sei auĂerdem eine Meldepflicht fĂŒr alle Gesundheitseinrichtungen.
TK-Behandlungsfehler-Experte Jonas Petersen verweist auf eine weitere strukturelle SchwĂ€che: "Selbst wenn wir in den Abrechnungsdaten klare Hinweise auf Behandlungsfehler sehen, dĂŒrfen wir die Versicherten aufgrund der aktuellen Gesetze nicht darauf hinweisen." Versicherte sollten dennoch keine Scheu haben, ihrer Krankenkasse einen Verdacht zu melden, so Petersen: "Je nach Verlauf des Verfahrens lassen sich die Erfolgsaussichten und das Risiko einer Klage wesentlich besser einschĂ€tzen."
