Gesundheit, Justiz

Behandlungsfehler: Zahl der VerdachtsfÀlle erreicht Rekordwert

30.05.2026 - 11:32:51 | dts-nachrichtenagentur.de

Die Techniker Krankenkasse (TK) hat im vergangenen Jahr so viele VerdachtsfÀlle auf Behandlungsfehler registriert wie noch nie.Das teilte die Versicherung den Zeitungen der Funke-Mediengruppe mit.

Krankenhausbett (Archiv) - Foto: via dts Nachrichtenagentur
Krankenhausbett (Archiv) - Foto: via dts Nachrichtenagentur
7.540 Versicherte meldeten sich 2025 bei der Kasse mit dem Verdacht auf einen Behandlungsfehler - 14 Prozent mehr als im Vorjahr. Etwa jeder dritte Fall erhĂ€rtete sich laut TK im Rahmen der ÜberprĂŒfung so weit, dass Medizinrechts-Spezialisten ein Verfahren einleiten konnten. Die TK geht zudem von einer massiven Dunkelziffer unentdeckter FĂ€lle aus.

TK-Vorstandsvorsitzender Jens Baas fordert angesichts der Zahlen eine offene Fehlerkultur im Gesundheitswesen. "Wir mĂŒssen dringend die Weichen dafĂŒr stellen, dass die unentdeckten Behandlungsfehler besser ermittelt werden können", sagt Baas. Fehler wĂŒrden "bisher noch viel zu oft verschwiegen oder bagatellisiert, statt sie als Chance fĂŒr Verbesserungen zu nutzen", so Baas.

Mit 29 Prozent entfiel 2025 der grĂ¶ĂŸte Anteil der gemeldeten VerdachtsfĂ€lle auf chirurgische Eingriffe, gefolgt von Zahnmedizin und KieferorthopĂ€die mit 17 Prozent sowie Geburtshilfe und GynĂ€kologie mit elf Prozent. Diese drei Fachrichtungen decken zusammen mehr als die HĂ€lfte aller gemeldeten FĂ€lle ab.

Baas spricht sich zudem fĂŒr ein zentrales Melderegister aus. "Derzeit fĂŒhren Ärztekammern, Medizinischer Dienst und die Krankenkasse jeweils eigene Register, in denen die FĂ€lle erfasst werden. Dadurch fehlt der Überblick ĂŒber die Gesamtlage", so Baas. Nötig sei außerdem eine Meldepflicht fĂŒr alle Gesundheitseinrichtungen.

TK-Behandlungsfehler-Experte Jonas Petersen verweist auf eine weitere strukturelle SchwĂ€che: "Selbst wenn wir in den Abrechnungsdaten klare Hinweise auf Behandlungsfehler sehen, dĂŒrfen wir die Versicherten aufgrund der aktuellen Gesetze nicht darauf hinweisen." Versicherte sollten dennoch keine Scheu haben, ihrer Krankenkasse einen Verdacht zu melden, so Petersen: "Je nach Verlauf des Verfahrens lassen sich die Erfolgsaussichten und das Risiko einer Klage wesentlich besser einschĂ€tzen."

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