Gesellschaft

Bericht vorgestellt: Keine Trendwende bei antisemitischen VorfÀllen

17.06.2026 - 10:46:21 | dts-nachrichtenagentur.de

Die Zahl der antisemitischen VorfÀlle in Deutschland bewegt sich weiter auf einem hohen Niveau.

Bericht vorgestellt: Keine Trendwende bei antisemitischen VorfÀllen
Gesellschaft - Vorstellung Jahresbericht Antisemitische VorfÀlle in Deutschland 2025 am 17.06.2026 17.06.2026 - Bild: via dts Nachrichtenagentur
2024 dokumentierte der Bundesverband der Recherche- und Informationsstellen Antisemitismus (Rias) 8.725 antisemitische VorfÀlle, wie aus dem am Mittwoch in Berlin vorgestellten Jahresbericht hervorgeht. Damit bewegte sich das Vorfallgeschehen weiter auf dem hohen Niveau von 2024. Im Vergleich zu 2022 ist das eine Verdreifachung der FÀlle. Rechnerisch ereigneten sich 2025 knapp 24 antisemitische VorfÀlle pro Tag.

JĂŒdisches Leben in Deutschland war im Jahr 2025 wiederholt Ziel von Bedrohungen und Angriffen. Rias zĂ€hlte 178 Angriffe und 257 Bedrohungen, die oft an alltĂ€glichen Orten stattfanden. In Kehl wurden vier Gemeindemitglieder vor einem jĂŒdischen Gebetsraum beleidigt und bespuckt, wĂ€hrend in Hessen ein Rabbiner in einem Supermarkt angegriffen wurde. Bei diesen VorfĂ€llen wurden die Betroffenen hĂ€ufig fĂŒr israelisches Handeln verantwortlich gemacht. Zudem gab es vier FĂ€lle extremer Gewalt, darunter einen terroristischen Anschlag am Denkmal fĂŒr die ermordeten Juden Europas in Berlin.

Auch im digitalen Raum nahmen antisemitische Bedrohungen zu. Mehr als ein Viertel aller VorfÀlle ereignete sich online, wobei fast 43 Prozent der dokumentierten Bedrohungen im Internet stattfanden. Rechtsextreme antisemitische VorfÀlle erreichten mit 807 FÀllen den höchsten Stand seit Beginn der Erhebungen im Jahr 2020. Insgesamt spielte auch das Feindbild "Zionismus" in vielen VorfÀllen eine zentrale Rolle.

Benjamin Steinitz, geschĂ€ftsfĂŒhrender Vorstand des Bundesverbands Rias, sagte der dts Nachrichtenagentur zu den Zahlen, dass Online-RĂ€ume keine "rechtsfreien RĂ€ume" sein dĂŒrften. "Unsere Wahrnehmung ist, dass viele der antisemitischen VorfĂ€lle im Netz ungehemmter erfolgen." Die Plattformen mĂŒssten deshalb in die Verantwortung genommen werden.

"Ein weiterer wichtiger Punkt aus meiner Sicht ist etwas, was wir seit vielen Jahren fordern, nĂ€mlich dass Strafverfolgungsbehörden und zivilgesellschaftliche Experten und Organisationen, die antisemitische, rechtsextreme und rassistische VorfĂ€lle dokumentieren, in einen Austausch gebracht werden können", fĂŒgte Steinitz hinzu. Es sei wichtig, dass diese Informationen untereinander ausgetauscht und ausgewertet werden.

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