Umweltschutz, Energie

BUND: Erneuerbare Energien glÀtten Strompreisspitzen

Veröffentlicht am: 04.08.2026 um 16:10 Uhr | dts-nachrichtenagentur.de

Laut einer Kurzstudie, die der Bund fĂŒr Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) bei Montel Analytics in Auftrag gegeben hat, hĂ€lt ein hoher Anteil an Wind- und Solarkraft im Netz den Strompreis in Energiekrisen stabil und glĂ€ttet extreme Spitzen.

BUND: Erneuerbare Energien glÀtten Strompreisspitzen
WindrÀder (Archiv) - Bild: via dts Nachrichtenagentur
Das teilten die UmweltschĂŒtzer am Dienstag mit.

Im Mittelpunkt der Analyse steht der Vergleich von drei Szenarien mit den Preisbedingungen der Energiekrise des Jahres 2022: ein stark fossil geprĂ€gtes Stromsystem aus dem Jahr 2011, das Referenzszenario des Jahres 2022 sowie ein Zukunftsszenario mit einem Anteil von 80 Prozent erneuerbaren Energien, wie es die Bundesregierung fĂŒr 2030 vorsieht. Der Vergleich stelle die Überlegenheit eines Stromsystems mit einem hohen Anteil an erneuerbaren Energien in Krisenzeiten deutlich heraus, hieß es.

So sinkt der durchschnittliche Preis im 2030er-Szenario gegenĂŒber 2011 um 64 Prozent. WĂ€hrend der Durchschnittspreis im 2011er-Modell unter den Preisbedingungen der Energiekrise bei 382,90 Euro pro Megawattstunde (MWh) liegt, betrĂ€gt er 2030 im Krisenmodus nur noch 137,27 Euro/MWh. GegenĂŒber dem durchschnittlichen Strompreis des Krisenjahres 2022 in Höhe von 235,44 Euro/MWh ist das eine Einsparung von fast 100 Euro pro Megawattstunde.

Ein weiteres Ergebnis der Analyse ist, dass erneuerbare Energien Preisspitzen glĂ€tten. Im konkreten Beispiel liegt der Preis pro Megawattstunde bei einem Anteil von 80 Prozent Erneuerbaren insgesamt nur 41 Stunden oberhalb der Marke von 500 Euro. Im Vergleich dazu reißt das 2011er-Modell die Preismarke fĂŒr 785 Stunden, wĂ€hrend es 2022 immerhin noch 499 Stunden sind.

Die Studie zeigt außerdem, dass in einem stark von erneuerbaren Energien geprĂ€gten System FlexibilitĂ€ten eine entscheidende Rolle spielen. In Zeiten mit einer hohen Stromerzeugung aus Solar- und Windkraft und somit niedrigen Preisen können etwa WĂ€rmepumpen, Elektrolyseure oder E-Fahrzeuge diesen gĂŒnstigen Strom verstĂ€rkt beziehen. In Stunden mit einem knappen Stromangebot und hohen Preisen kann ihr Verbrauch dadurch weitgehend reduziert oder zeitlich verschoben werden. Batteriespeicher verstĂ€rken diesen Effekt. Das erleichtert die Integration von Wind- und Solarstrom und dĂ€mpft Hochpreisstunden durch ein zusĂ€tzliches Angebot.

"Die Studie zeigt, dass der konsequente Umstieg auf erneuerbare Energien weit mehr als eine klimapolitische Pflicht ist", erklĂ€rte BUND-Vorsitzender Olaf Bandt. "Erneuerbare hĂ€tten uns schon glimpflicher durch vergangene Krisen gefĂŒhrt, jetzt mĂŒssen sie konsequent ausgebaut werden. Nur so stoppen wir die fossile AbhĂ€ngigkeit, die unsere Lebenshaltungskosten hochtreibt", sagte er.

Bandt forderte die Bundesregierung auf, alle Hebel in Bewegung zu setzen, um das Potenzial von Solar- und Windkraft auszuschöpfen. "Stattdessen hat sie mit den EntwĂŒrfen fĂŒr die Novelle des Erneuerbare-Energien-Gesetzes und das Netzanschlusspaket vergangene Woche im Kabinett sogar neue Hemmnisse fĂŒr ihren Ausbau beschlossen. Es braucht jetzt dringend eine deutliche Nachbesserung der beiden Gesetze im parlamentarischen Verfahren", so Bandt.

"Die Lösung gegen Energiepreiskrisen liegt auf der Hand: Eine konsequente Abkehr von fossilen Energien und ein zĂŒgiger Ausbau der Erneuerbaren", erklĂ€rte er. "Instrumente wie der Industriestrompreis oder der Tankrabatt sind teure staatliche Eingriffe. Sie entlasten bestimmte Gruppen temporĂ€r, sie lösen jedoch das Problem nicht. Ein steigender Anteil an erneuerbaren Energien im Stromsystem bewirkt hingegen, dass zukĂŒnftige Preiskrisen deutlich abgemildert werden. Vor dem Hintergrund geopolitischer Konflikte und steigender Preise fĂŒr Öl und Gas wird dieser zusĂ€tzliche Nutzen der Energiewende relevanter denn je."

Am 17. Juli wurde vom Bundeswirtschaftsministerium die VerbĂ€ndeanhörung zur Novelle des Erneuerbaren-Energien-Gesetzes sowie des Netzanschlusspakets gestartet. Das parlamentarische Verfahren soll im September beginnen. Beide EntwĂŒrfe schaffen neue HĂŒrden fĂŒr den Ausbau erneuerbarer Energien, kritisiert der BUND.

So treffe der EEG-Entwurf etwa kleine Photovoltaik-Dachanlagen besonders hart. ZusĂ€tzlich bremse der Redispatch-Vorbehalt sowohl die Windenergie als auch FreiflĂ€chen-PV empfindlich aus. Das gefĂ€hrdee nicht nur das Erreichen der Klimaschutzziele, sondern auch hunderttausende ArbeitsplĂ€tze, warnen die UmweltschĂŒtzer.

Beide GesetzesentwĂŒrfe machten den Investitionsrahmen deutlich bĂŒrokratischer, was zusĂ€tzlich zu Verunsicherung fĂŒhre. Das von der Bundesregierung eigens erklĂ€rte Ziel eines ambitionierten Ausbaus zu möglichst geringen Kosten sei so nicht erreichbar, erklĂ€rte der BUND.

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