Eishockey-WM 2027: DEB fordert Klarheit über Russlands Teilnahme
Veröffentlicht am: 07.11.2026 um 20:07 Uhr | dpa, AD HOC NEWSFolgen für die Heim-WM 2027
- Der DEB plant die Weltmeisterschaft im Mai 2027 in Gelsenkirchen, Düsseldorf und Mannheim.
- Frank Lutz hält eine Visa-Verweigerung durch die Bundesregierung für möglich, bezeichnet sie aber als Ultima Ratio.
- Die IIHF will Russland diplomatisch zu einem Verzicht bewegen und prüft zugleich alle verfügbaren Optionen.
DEB verlangt Klarheit vor Heim-WM 2027
Der Deutsche Eishockey-Bund drängt auf eine schnelle Entscheidung über eine mögliche Teilnahme Russlands an der Weltmeisterschaft im Mai 2027 in Deutschland. DEB-Vorstandschef Frank Lutz sagte am Samstag am Rande des Deutschland Cups in Düsseldorf, der Verband brauche wegen des laufenden Kartenverkaufs möglichst noch in diesem Jahr Klarheit.
Bund hält Visa-Verweigerung für möglich
Die Bundesregierung hält eine WM mit russischer Beteiligung in Deutschland nicht für möglich, will aber zunächst nicht selbst eingreifen. Regierungssprecher Stefan Kornelius hatte erklärt, die WM solle in Deutschland stattfinden, falls die IIHF Russland von einer Teilnahme abbringen könne.
Der Bund könnte russischen Spielern die Einreise über fehlende Visa verwehren. Lutz bezeichnete diesen Schritt jedoch als „Ultima Ratio“. Die Bundesregierung hatte dem DEB und der IIHF Unterstützung bei diplomatischen Gesprächen zugesichert.
IIHF prüft mehrere Optionen
Der Weltverband IIHF erklärte nach tagelangen Beratungen über die Folgen eines Sportgerichtsurteils, alle verfügbaren Optionen für das weitere Vorgehen zu prüfen. Dabei müssten die finanzielle Stabilität und die langfristige Zukunft des internationalen Eishockeys gesichert werden.
Der Internationale Sportgerichtshof CAS hatte die Grundlage für eine Wiederzulassung russischer Teams geschaffen. Die IIHF bekräftigte ihre Ablehnung der Entscheidung, kündigte aber zugleich an, die vom Gericht geforderten Schritte für eine Rückkehr Russlands einzuleiten.
Boykott und Sponsorendruck
Mehrere Nationen um Weltmeister Finnland kündigten an, nicht gegen Russland anzutreten. Zudem drohten mehrere Sponsoren damit, ihre Zahlungen an die IIHF und die WM-Ausrichter einzustellen, falls Russland an der Weltmeisterschaft teilnimmt.
Die IIHF will auf diplomatischem Weg versuchen, den russischen Verband selbst zu einem Verzicht zu bewegen. Lutz forderte den Weltverband zugleich auf, neue Argumente für einen Ausschluss zu finden.
Belarus bleibt ausgeschlossen
Eine Entscheidung gibt es bereits für Belarus. Die Männerauswahl und die U20 des Landes, das Russland im Angriffskrieg gegen die Ukraine unterstützt, dürfen nicht an den kommenden Weltmeisterschaften teilnehmen.
Der IIHF-Disziplinarausschuss erklärte, es gebe keine rechtliche Grundlage für eine sofortige Wiederaufnahme. Damit behandelt der Weltverband die Fälle Russlands und Belarus’ unterschiedlich.
Der Konflikt verbindet sportrechtliche Vorgaben mit politischen und wirtschaftlichen Risiken für das Turnier. Der Internationale Sportgerichtshof CAS hat Ende Oktober die Grundlage für eine Rückkehr russischer Nationalmannschaften zu internationalen Eishockey-Wettbewerben geschaffen. Die IIHF muss deshalb ihre bisherige Ausschlusspraxis rechtlich neu begründen oder einen anderen Umgang mit dem Urteil finden.
Für die WM 2027 in Deutschland geht es nicht nur um die Teilnahme einer Mannschaft. Mehrere Verbände haben angekündigt, nicht gegen Russland anzutreten; zudem stehen Sponsorengelder und die organisatorische Planung unter Druck. Der DEB muss gleichzeitig den Kartenverkauf und die Vorbereitung in Gelsenkirchen, Düsseldorf und Mannheim fortsetzen.
Rechtlicher Spielraum und politischer Druck
Der Fall Belarus zeigt, dass die IIHF zwischen einzelnen Verbänden unterscheidet: Die Männerauswahl und die U20 von Belarus bleiben von den kommenden WM-Turnieren ausgeschlossen. Beim russischen Verband versucht der Weltverband dagegen, eine diplomatische Lösung zu erreichen und zugleich die vom CAS geforderten Schritte einzuleiten.
Für Zuschauer und Ausrichter bleibt damit vor allem der Zeitplan entscheidend. Eine schnelle Entscheidung würde Planungssicherheit für Tickets, Spielorte und Sicherheitskonzepte schaffen. Bleibt die Frage länger offen, kann das die Vorbereitung und die wirtschaftliche Kalkulation der Heim-WM erschweren.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
Deutschlandfunk: „Nach CAS-Urteil - Eishockey-WM in Deutschland mit Russland? Weltverband IIHF spielt auf Zeit“ (07.11.2026)
Der Beitrag schildere, dass die IIHF nach dem CAS-Urteil alle verfügbaren Optionen prüfen wolle und Gespräche mit betroffenen Verbänden anstrebe. Anders als die dpa-Meldung ordne er zusätzlich die rechtlichen Versäumnisse des Weltverbands und den möglichen Spielraum für eine erneute Ausschlussbegründung ein.
Gemeinsam ist beiden Darstellungen, dass die WM in Deutschland, Boykottankündigungen und der diplomatische Weg im Mittelpunkt stehen. Offen bleibt, ob die IIHF eine rechtssichere Lösung findet und Russland auf eine Teilnahme verzichtet.
