2. Bundesliga, Hertha BSC

Fall Gersbeck: Herthas schwere Suche nach dem ruhigen Weg

Veröffentlicht am: 18.07.2023 um 07:12 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Mit dem Hertha-Weg wollte Berlins Krisenclub endlich wieder ruhige Pfade beschreiten. Eine mögliche Hauptfigur sorgt mit einer Aktion aber nun fĂŒr neue Wirrungen.
Unter Auflagen erhÀlt Keeper Marius Gersbeck bei Hertha BSC eine zweite Chance. - Bild: Soeren Stache/dpa

Ausgerechnet Marius Gersbeck. Fan-Liebling und KapitĂ€nskandidat. Die Saisonvorbereitung lĂ€uft fĂŒr Hertha BSC durch den nĂ€chtlichen Zwischenfall im Trainingslager in Zell am See nicht nach Plan.

Bei Berlins Fußball-Zweitligisten sorgt der durch Österreichs Polizei gegen den Torwart geĂ€ußerte Verdacht der Körperverletzung eines 22-JĂ€hrigen auf mehreren Ebenen fĂŒr Komplikationen. Wie geht es weiter nach der vorlĂ€ufigen Suspendierung Gersbecks (28) durch die Hertha-FĂŒhrung?

Die sportlichen Aspekte

Chefcoach Pal Dardai wird sich mit Torwart-Trainer Andreas Menger besprechen. Sechs TorhĂŒter hatten die Berliner beim Trainingsauftakt. Gersbeck ist erstmal aussortiert. Alexander Schwolow (31) soll nach seiner Leihe zu Schalke 04 den Verein endgĂŒltig verlassen, daran Ă€ndert sich nichts. Auch Oliver Christensen (24) ist ein Verkaufskandidat, weil die Hertha Geld braucht. Gut möglich, dass er nun bleiben muss. Denn sonst ist da nur noch Tjark Ernst (20). Ihm traut Dardai die Rolle als Nummer eins zwar zu, aber ohne ein erfahrenes Backup wĂ€re das Risiko groß. Robert Gwasigroch (19) und Tim Goller (18) sind nur fĂŒr die U23 in der Regionalliga eingeplant. 

Die moralischen Aspekte

Rot glĂ€nzte die KapitĂ€nsbinde zuletzt an Gersbecks Arm. Die Berliner holten ihren Jugendspieler per Option vom Karlsruher SC zurĂŒck. Er passte als ehemaliger KurvengĂ€nger perfekt zum proklamierten Hertha-Weg. Die Parallelen zur Biografie von PrĂ€sident Kay Bernstein waren ein Schmankerl, auch wenn die Bande zwischen Club-Chef und Torwart wohl nicht so eng waren, wie zuletzt medial stilisiert. Man kennt sich halt von frĂŒher aus der Ostkurve. 

Dass einer der Ihren sich nun womöglich einen schlimmen Fehltritt leistete, beschÀdigt die Hertha-Strategie umso mehr. Fast schon tragikomisch klingt Gersbecks Angebot aus einer Medienrunde wenige Stunden vor den nÀchtlichen Ereignissen in Zell am See. Er könne, sollte es zwischen Fans und Verein mal zu einer Konfrontation kommen, «leicht vermitteln».

Die juristischen und ökonomischen Aspekte

Die gerade gezahlten 300.000 Euro Transfersumme fĂŒr Gersbeck kann Hertha vielleicht noch verschmerzen. Doch die drohenden wirtschaftlichen Konsequenzen des Skandals sind fĂŒr den hoch verschuldeten Club nicht zu unterschĂ€tzen. Sollte Torwart Christensen nun nicht wie geplant verkauft werden können, entgeht der Hertha möglicherweise ein Millionen-Betrag. Zudem stĂŒnde der DĂ€ne weiter auf der Gehaltsliste.

Nicht zu vernachlĂ€ssigen ist von Club-Seite, dass auch andere juristische FĂ€lle anhĂ€ngig sind. Ex-TorhĂŒter Rune Jarstein klagt gegen eine fristlose KĂŒndigung, die wegen einer Beleidigung von Menger ausgesprochen wurde. In der Auseinandersetzung mit Fredi Bobic geht es sogar um Millionen. Dem Ex-GeschĂ€ftsfĂŒhrer wird auch zur Last gelegt, dass er einem Reporter - mehr oder weniger scherzhaft - eine Ohrfeige androhte. Die VorwĂŒrfe gegen Gersbeck durch Österreichs Polizei wiegen noch schwerer.

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