FIFA, Gianni Infantino

FIFA öffnet Dokumente zu geplatztem Vier-Milliarden-Deal

Veröffentlicht am: 03.11.2026 um 06:53 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Mitglieder des FIFA-Councils sollen in Zürich Unterlagen zum gescheiterten Investorenvorhaben einsehen können. Die FIFA will zugleich noch offene Fragen der UEFA beantworten, darunter zu Verbandskommissionen und politischen Kontakten.

FIFA-Council prüft Unterlagen in Zürich

  • Generalsekretär Mattias Grafström kündigte den Dokumentenzugang in einem Brief an die Mitglieder des FIFA-Councils an.
  • Die Einsicht soll am FIFA-Sitz in Zürich in den kommenden zwei Wochen möglich sein.
  • Der geplante Verkauf von 20 Prozent der kommerziellen Rechte sollte mehr als vier Milliarden Dollar einbringen.
Generalsekretär Mattias Grafström (r) soll einen Brief an die Mitglieder des FIFA-Councils geschrieben haben. (Archivbild) - Bild: Darryl Dyck/The Canadian Press/AP/dpa

FIFA öffnet Council-Mitgliedern Unterlagen zum Investorenvorhaben

Drei Monate nach dem gescheiterten Plan für künftige Weltmeisterschaften will der Fußball-Weltverband FIFA Medienberichten zufolge wichtigen Dokumenten Zugang gewähren. Generalsekretär Mattias Grafström soll dies am Montag in einem Brief an die Mitglieder des FIFA-Councils angekündigt haben.

Einsicht am Sitz in Zürich

Interessierte Council-Mitglieder könnten sich demnach anmelden, um die Unterlagen in den kommenden zwei Wochen am FIFA-Sitz in Zürich einzusehen. Eine Bestätigung des Weltverbands lag zunächst nicht vor.

Nach dem angekündigten Verfahren sollen die Dokumente vor allem den geplatzten Investorendeal betreffen. FIFA-Präsident Gianni Infantino hatte den Plan nach breitem Widerstand aufgegeben, 20 Prozent der kommerziellen Rechte an Weltmeisterschaften und weiteren Wettbewerben für mehr als vier Milliarden Dollar zu verkaufen.

UEFA verlangt Antworten auf 42 Fragen

Die UEFA hatte der FIFA in einem Brief vom 19. Oktober einen Fragenkatalog mit 42 Punkten übermittelt und eine Frist bis zum 2. November gesetzt. Grafström soll in seinem Schreiben eingeräumt haben, dass nicht alle Fragen innerhalb dieser Frist beantwortet werden konnten; eine Antwort solle aber in angemessener Zeit folgen.

Zu den Themen gehören das Disziplinarverfahren gegen den US-Stürmer Folarin Balogun sowie geschäftliche und politische Beziehungen zu US-Präsident Donald Trump und dessen Familie. Außerdem verlangt die UEFA Auskunft über die operative Unabhängigkeit der Rechts-, Wahl- und Ethikkommissionen der FIFA.

Infantino strebt vierte Amtszeit an

Infantino hatte am 24. Oktober erklärt: «Wir arbeiten daran und werden natürlich alle gestellten Fragen beantworten, soweit es das Verfahren zulässt und soweit wir dazu in der Lage sind».

Der 56 Jahre alte Schweizer will im kommenden März für eine vierte Amtszeit als FIFA-Präsident kandidieren. Die UEFA hat bislang keinen Gegenkandidaten benannt; die Frist für Bewerbungen endet am 18. November. Auf einer Council-Sitzung am 15. Oktober hatte Infantino aus Sicht seiner Kritiker viele Fragen nicht zufriedenstellend beantwortet.

Der angekündigte Zugang zu den Unterlagen betrifft einen Vorgang, der die Vermarktung künftiger Weltmeisterschaften und damit zentrale Geschäftsinteressen des Weltverbands berührt. Der geplante Verkauf von 20 Prozent kommerzieller Rechte für mehr als vier Milliarden Dollar war nach breitem Widerstand aufgegeben worden.

Die Dokumenteneinsicht steht zugleich im Zusammenhang mit dem Fragenkatalog der UEFA. Das europäische Dach des Fußballs verlangt neben Informationen zum Investorenvorhaben auch Auskünfte zum Umgang mit dem Disziplinarverfahren gegen Folarin Balogun sowie zu geschäftlichen und politischen Beziehungen von FIFA-Präsident Gianni Infantino und seiner Familie zu Donald Trump. Hinzu kommen Fragen zur Unabhängigkeit mehrerer FIFA-Kommissionen.

Transparenz vor der Präsidentenwahl

Für die FIFA kommt die Debatte zu einem politisch sensiblen Zeitpunkt. Infantino strebt im März eine vierte Amtszeit an; die Frist für Gegenkandidaturen endet am 18. November. Eine Einsicht in Unterlagen kann deshalb nicht nur die Bewertung des gescheiterten Geschäftsmodells beeinflussen, sondern auch die Diskussion über Führungsstil, Kontrolle und institutionelle Unabhängigkeit verschärfen.

Für Council-Mitglieder ist zunächst entscheidend, welche Dokumente tatsächlich zugänglich werden und ob die offenen Fragen der UEFA anschließend vollständig beantwortet werden. Die angekündigte Prüfung schafft damit einen begrenzten Einblick in den Investorenvorgang, ersetzt aber nicht die umfassende politische und organisatorische Aufarbeitung, die der Fragenkatalog verlangt.

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