StehplĂ€tze zurĂŒck bei LĂ€nderspielen: Was Fans wissen mĂŒssen
Veröffentlicht am: 18.08.2026 um 05:35 Uhr | dpa.de
Als Fans der deutschen FuĂball-Nationalmannschaft bei einem LĂ€nderspiel zuletzt auf StehplĂ€tzen ihren Stars zujubelten, erzielten Oliver Bierhoff (2) und Andreas Möller die Tore. Am 30. Mai 1998 im Frankfurter Waldstadion beim 3:1 gegen Kolumbien war das.
Mit dem heutigen Beginn der öffentlichen TicketverkĂ€ufe fĂŒr die ersten beiden Partien des neuen Bundestrainers JĂŒrgen Klopp in der Nations League - gegen Griechenland am 27. September in Augsburg (Verkaufsstart ab 10.00 Uhr) und am 1. Oktober in MĂŒnchen gegen Serbien (Verkaufsstart ab 14.00 Uhr) - gibt es jetzt erstmals wieder Stehplatz-Tickets. Die Antworten auf die wichtigsten Fragen:Â
Warum gab es so lange nur SitzplÀtze?
Nach Stadionkatastrophen wie Hillsborough 1989, bei der 97 Menschen ums Leben kamen, setzte sich international zunehmend das Prinzip reiner Sitzplatzstadien durch. FIFA und UEFA lieĂen bei internationalen Pflicht- und LĂ€nderspielen schlieĂlich keine klassischen StehplĂ€tze mehr zu. Anders als bei internationalen Spielen blieben StehplĂ€tze in der 1. und 2. Bundesliga erhalten. Seit 2022 dĂŒrfen englische Premier-League-Clubs wieder eine begrenzte Anzahl an StehplĂ€tzen anbieten. SitzplĂ€tze gelten als sicherer und besser zu kontrollieren.
Warum Ă€ndert sich das fĂŒr LĂ€nderspiele der DFB-Auswahl nun?Â
Grundlage der Freigabe ist eine Entscheidung des UEFA-Exekutivkomitees. Das seit der Saison 2022/23 laufende Beobachtungsprogramm fĂŒr StehplĂ€tze wurde fĂŒr die Saison 2026/27 verlĂ€ngert und auf weitere Wettbewerbe ausgeweitet.
Laut DFB-PrĂ€sident Bernd Neuendorf ist der Wunsch nach StehplĂ€tzen bei LĂ€nderspielen groĂ gewesen. «Deshalb haben wir uns in den vergangenen Jahren innerhalb der UEFA fĂŒr die WiedereinfĂŒhrung von StehplĂ€tzen bei LĂ€nderspielen und Turnieren starkgemacht», sagte er.Â
Sie seien ein wichtiger Bestandteil der Fankultur und des Stadionerlebnisses in Deutschland. Mit einem entsprechenden Beschluss machten Aufsichtsrat und Gesellschafterversammlung der DFB GmbH und Co. KG nun den Weg frei.
Was kosten die Stehplatz-Tickets und wie viele gibt es?
Mit der WiedereinfĂŒhrung der Stehplatzangebote werde zugleich ein weiteres preisgĂŒnstiges Angebot fĂŒr die Fans geschaffen. Stehplatzkarten sind fĂŒr 18 Euro erhĂ€ltlich, 15 Euro zahlen Mitglieder des Fanclubs Nationalmannschaft. Eintrittskarten gibt es auf dem DFB-Ticket-Portal.Â
Dieses ist fĂŒr das Griechenland-Spiel in Augsburg ab 10.00 Uhr freigeschaltet, ab 14.00 Uhr fĂŒr die Serbien-Partie in MĂŒnchen. Fanclub-Mitglieder können bereits seit dem 13. August Tickets kaufen.
In Augsburg gibt es inklusive des GĂ€stebereichs knapp 10.000 StehplĂ€tze im Stadion, in MĂŒnchen 8.000 fĂŒr deutsche Fans. Serbische AnhĂ€nger erhalten aufgrund eines UEFA-Banns keine Eintrittskarten fĂŒr diesen Bereich.
Was ist mit Frauen- und U21-LĂ€nderspielen?Â
StehplĂ€tze werden auch bei LĂ€nderspielen der A-Nationalmannschaften der Frauen sowie der U21-Auswahl angeboten. Die Frauen-Auswahl von Bundestrainer Christian WĂŒck bestreitet ihre beiden nĂ€chsten Testspiele am 9. Oktober in Karlsruhe gegen Australien und am 13. Oktober in Bremen gegen Japan. In Karlsruhe, wo insgesamt bereits 14.400 Tickets verkauft sind, gibt es knapp 9.800 Stehplatzkarten, in Bremen etwas mehr als 6.000.Â
Wie bewerten Fanvertreter die RĂŒckkehr der «Steher»?
«Sitzen is fĂŒr'n Arsch», hatten schon vor ĂŒber 20 Jahren Schalker Fans auf ein Bettlaken gepinselt - eine Meinung, die vor allem die organisierten Fanszenen in den Vereinen bis heute teilen. Auch das FanbĂŒndnis «Unsere Kurve» begrĂŒĂt die WiedereinfĂŒhrung der StehplĂ€tze bei der DFB-Elf. «Stehplatzbereiche bieten den Raum, den es fĂŒr lebendige Fankultur braucht und gleichzeitig machen sie den FuĂball auch Fans mit kleinerem Geldbeutel zugĂ€nglich», teilte Sprecher Thomas Kessen auf dpa-Anfrage mit.
Wird das Stadion bei LĂ€nderspielen nun zum Hexenkessel?
Kessen warnt vor ĂŒberzogenen Erwartungen, dass die oft nur maue Stimmung bei LĂ€nderspielen durch stehende Fans schlagartig besser wird. «Kurvenstimmung als Ausdruck von Fankultur fĂ€llt nicht ĂŒber Nacht vom Himmel, sondern entwickelt sich ĂŒber Jahre. Ăberdauert dafĂŒr dann aber auch Generationen», sagte Kessen. «Unsere Kurve» hofft zudem, dass auch bei anderen DFB-Veranstaltungen die Steher zurĂŒckkehren - allen voran beim Pokalfinale.
Was Ă€ndert sich bei LĂ€nderspielen fĂŒr die Polizei?
Erst mal wenig, zumal die Behörden bei Vereinsspielen ohnehin mit dem Thema vertraut sind. Aber: «Durch die WiedereinfĂŒhrung von StehplĂ€tzen könnten kĂŒnftig auch Stadien fĂŒr LĂ€nderspiele berĂŒcksichtigt werden, die bislang aufgrund entsprechender Vorgaben nicht infrage kamen», sagte Heiko Teggatz, Bundesvorsitzender der Deutschen Polizeigewerkschaft, auf Anfrage.
FĂŒr ihn sei moderne Videotechnik weiter ein «unverzichtbares Instrument zur Identifizierung von StraftĂ€tern und zur wirksamen Gefahrenabwehr». Ob Stehen oder Sitzen - entscheidend sei, «ob die Sicherheit aller Stadionbesucher jederzeit gewĂ€hrleistet ist».
