Rad-WM Zeitfahren: Evenepoel holt vierten Titel und stellt Martin-Rekord ein
Veröffentlicht am: 20.09.2026 um 22:41 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Remco Evenepoel hat bei der StraĂenrad-WM in Montreal seinen vierten Titel im Einzelzeitfahren gewonnen und damit den Rekord des Deutschen Tony Martin eingestellt.
Ăberlegener Sieg in Montreal
Der belgische Ausnahmefahrer siegte auf dem 39,2 Kilometer langen Kurs mit einem deutlichen Vorsprung. Evenepoel setzte sich mit 57 Sekunden Abstand vor dem Italiener Filippo Ganna durch. Bronze sicherte sich der 19 Jahre alte Franzose Paul Seixas, dem 1:13 Minuten auf den neuen Weltmeister fehlten.
Evenepoel sprach nach dem Rennen von einem "wahnsinnigen" GefĂŒhl und betonte, er sei mit dem klaren Ziel nach Montreal gereist, den vierten Titel in Serie zu holen. Der Olympiasieger kĂŒndigte an, sich nun zunĂ€chst erholen und den besonderen Erfolg genieĂen zu wollen.
Rekord eingestellt â Statistik der Zeitfahr-Asse
Mit dem erneuten Triumph ist Evenepoel nun wie Tony Martin und der Schweizer Fabian Cancellara vierfacher Weltmeister im Einzelzeitfahren. Anders als Martin, der 2011 bis 2013 sowie 2016 gewann, und Cancellara, der 2006, 2007, 2009 und 2010 siegte, holte der 26-jÀhrige Belgier seine Titel direkt nacheinander.
In der WM-Wertung des Weltverbandes UCI steht Evenepoel mit Martin gleichauf: Beide weisen vier Goldmedaillen, einmal Silber und zweimal Bronze im Zeitfahren auf. Cancellara kommt zusÀtzlich zu seinen vier Titeln auf drei Bronzemedaillen.
Deutsche Fahrer auĂerhalb der Top Ten
Die deutschen Starter Jasha SĂŒtterlin und Maximilian Walscheid verpassten in Montreal ein Spitzenresultat. SĂŒtterlin belegte Rang 14 und erfĂŒllte damit seine eigene Zielsetzung. Walscheid erreichte Platz 27 und zeigte sich im Ziel deutlich enttĂ€uscht.
Er erklĂ€rte im Fernsehen, er habe sich im Vorfeld weiter vorne erwartet und blieb zunĂ€chst ratlos, warum er seine AnsprĂŒche nicht erfĂŒllen konnte. An der Spitze des Klassements war Evenepoel zu keiner Zeit gefĂ€hrdet.
Rennverlauf mit Sturz und Aufholjagd
Der belgische Weltmeister fĂŒhrte das Klassement bei allen drei Zwischenzeiten an. Bereits zur HĂ€lfte der Distanz hatte er sich mehr als eine halbe Minute Vorsprung erarbeitet. Zu diesem Zeitpunkt lag der junge Schwede Jakob Söderqvist noch auf Rang zwei.
Der U23-Weltmeister des Vorjahres fuhr lange klar auf Medaillenkurs, stĂŒrzte jedoch rund 2,5 Kilometer vor dem Ziel. Nach dem RĂŒckschlag fiel er im Klassement zurĂŒck und beendete das Rennen auf Platz fĂŒnf.
Ganna mit starker Schlussphase
Filippo Ganna profitierte von einer kontrollierten Renneinteilung. Der Weltmeister der Jahre 2020 und 2021 lag bei der ersten Zwischenzeit lediglich auf Rang zehn, konnte seine StÀrke vor allem im zweiten Streckenabschnitt aber voll ausspielen.
Die Strecke fĂŒhrte unter anderem ĂŒber den Formel-1-Kurs von Montreal, auf dem Ganna im Finale mit hohem Tempo unterwegs war. Mit seiner Aufholjagd sicherte sich der 30-JĂ€hrige zum dritten Mal nach 2023 und 2024 die Silbermedaille im WM-Zeitfahren.
Dominanz eines Allrounders im modernen Radsport
Der vierte WM-Titel im Einzelzeitfahren unterstreicht Remco Evenepoels Status als prĂ€gende Figur einer neuen Fahrer-Generation. Der Belgier ĂŒberzeugt nicht nur in der klassischen Spezialdisziplin gegen die Uhr, sondern hat sich mit Erfolgen bei groĂen Rundfahrten und Eintagesrennen als kompletter Fahrer etabliert. Dass ihm die vier Chrono-Titel in Serie gelingen, hebt ihn statistisch ĂŒber frĂŒhere Spezialisten hinaus und zeigt, wie stark seine Entwicklung im Hochleistungsbereich verlaufen ist.
Historische Dimension des Rekords
Der Gleichstand mit Tony Martin und Fabian Cancellara bei der Anzahl der WM-Zeitfahr-Titel erhĂ€lt durch die Serien-Triumphe eine besondere Bedeutung. WĂ€hrend Martin und Cancellara ihre Erfolge ĂŒber mehrere Jahre verteilten, bĂŒndelt Evenepoel die vier Titel direkt hintereinander. FĂŒr die Geschichte des Zeitfahrens bedeutet dies eine Verschiebung der MaĂstĂ€be: Die bisherige Ăra der klassischen Spezialisten wird nun von einem Fahrer geprĂ€gt, der zusĂ€tzlich im StraĂenrennen und bei Rundfahrten zu den Favoriten zĂ€hlt. FĂŒr den Weltverband UCI ist diese Konstanz zugleich ein starkes AushĂ€ngeschild fĂŒr die Disziplin.
Folgen fĂŒr Konkurrenz und deutsche Fahrer
FĂŒr die internationale Konkurrenz verdeutlicht das Ergebnis in Montreal, wie hoch die Latte derzeit liegt. Fahrer wie Filippo Ganna, die selbst mehrfach Titel gewonnen haben, mĂŒssen sich mit Silber begnĂŒgen. Das Pech von Jakob Söderqvist zeigt, wie schmal der Grat zwischen Medaillenerfolg und RĂŒckschlag im Zeitfahren ist. Aus deutscher Sicht macht das Resultat von Jasha SĂŒtterlin und Maximilian Walscheid deutlich, dass der Anschluss an die absolute Weltspitze im Kampf gegen die Uhr aktuell schwer zu erreichen ist. Die Erinnerung an Martins Dominanz bleibt prĂ€sent, zugleich markiert Evenepoels Serie den Ăbergang zu einer neuen Referenzfigur.
