Coco Gauff prangert nach Kontroverse in Peking Rassismus an
Veröffentlicht am: 06.10.2026 um 07:36 Uhr | dpa, AD HOC NEWSUS-Tennisstar Coco Gauff hat sich nach einer Kontroverse um eine umstrittene Videoüberprüfung beim Turnier in Peking öffentlich gegen rassistische Kommentare gewehrt und dabei Unterstützung unter anderem von Boris Becker erhalten.
Gauff weist Vorwürfe zurück
„Ihr könnt mich nicht mögen oder anderer Meinung darüber sein, was passiert ist, ohne dabei rassistisch zu sein“, schrieb die 22-Jährige bei X als Antwort auf einen rassistischen Kommentar. Sie berichtete von einer „wahnsinnigen“ Menge rassistischer Kommentare und Direktnachrichten und betonte erneut, sie sei weder eine Betrügerin noch eine Diebin.
Gauff wehrte sich damit auch gegen den Vorwurf, sich bei der Szene einen Vorteil erschlichen zu haben. Bei Instagram schrieb die zweimalige Grand-Slam-Turniergewinnerin, sie habe regelkonform gehandelt und die Entscheidung letztlich bei der Schiedsrichterin gelegen. Die Situation sei bedauerlich, zugleich sei es seltsam, dass sie Hass dafür ernte, die Regeln befolgt zu haben.
Becker spricht Gauff Mut zu
Becker repostete Gauffs Kommentar und richtete aufbauende Worte an die US-Amerikanerin. Er schrieb, sie sei eine stolze schwarze Frau, die geliebt werde, und solle sich nicht um die Kommentare „ignorant(er), dummer Leute“ kümmern. Gauff solle mit erhobenem Kopf weitermachen, schrieb der dreimalige Wimbledongewinner.
Umstrittene Szene gegen 16-Jährige
Vorausgegangen war eine im Internet heftig geführte Diskussion über Gauffs Drittrundenmatch gegen die erst 16-jährige Chinesin Sun Xinran. Beim Stand von 4:5 und 15:15 im ersten Satz war Gauff ans Netz gegangen. Nach einem schwachen Volley hob sie die Hand, um der Schiedsrichterin zu signalisieren, dass sie von wechselnden LED-Anzeigetafeln an den Seiten des Platzes irritiert worden sei.
Nach einem Videobeweis gab die Schiedsrichterin Gauff recht. Der Punkt wurde wiederholt. Gauff brachte ihr Aufschlagspiel durch, gewann den ersten Satz und entschied das Match schließlich mit 7:5 und 6:1 für sich.
Sun Xinran sichtlich bewegt
Bei einem Seitenwechsel war zu sehen, wie Sun mit den Tränen kämpfte. Gauff hatte bereits in früheren Jahren öffentlich Rassismus kritisiert und auf Missstände insbesondere in ihrer Heimat USA hingewiesen.
Videobeweis als Streitpunkt
Die Szene in Peking berührt eine zentrale Frage des modernen Tennissports: Wann beeinträchtigt ein äußerer Reiz den Ablauf eines Ballwechsels so stark, dass ein Punkt wiederholt werden muss? Bewegte LED-Banden gehören inzwischen zur Turnierkulisse, können für Spielerinnen und Spieler aber unmittelbar im Sichtfeld liegen. Der Videobeweis soll dabei nicht nachträglich sportliche Vorteile schaffen, sondern klären, ob eine Behinderung tatsächlich vorlag.
Für Gauff hatte die Entscheidung eine doppelte Wirkung. Sie erhielt die Möglichkeit, den Punkt zu wiederholen, gewann anschließend ihr Aufschlagspiel und setzte sich klar gegen Sun Xinran durch. Zugleich wurde aus einer regeltechnischen Entscheidung ein öffentliches Deutungsthema: In sozialen Netzwerken wurde der Vorgang nicht nur sportlich bewertet, sondern mit Betrugs- und Diebstahlsvorwürfen verbunden.
Rassismus im digitalen Raum
Die Reaktionen zeigen, wie schnell Kritik an einer prominenten schwarzen Sportlerin in rassistische Beschimpfungen umschlagen kann. Gauff hat sich bereits früher gegen Rassismus und gegen Benachteiligungen in den USA geäußert. Ihre öffentliche Antwort macht den Vorfall deshalb auch über das Turnier hinaus relevant: Sie trennt ausdrücklich zwischen zulässiger Kritik an einer Szene und rassistischen Angriffen.
Bedeutung für den Sport
Für Veranstalter und Verbände wächst damit der Druck, Videoregeln, technische Abläufe und den Schutz vor digitaler Hetze zusammenzudenken. Klare Kommunikation über Schiedsrichterentscheidungen kann Spekulationen begrenzen; sie verhindert jedoch nicht automatisch beleidigende Kampagnen. Der Fall betrifft daher sowohl die Fairness auf dem Platz als auch die Verantwortung von Plattformen, Turnieren und dem Umfeld prominenter Athletinnen.
