Blitz, Donner

Mit Blitz und Donner: Siegemund setzt Wimbledon-MĂ€rchen fort

06.07.2025 - 18:03:34 | dpa.de

Laura Siegemund ist in Wimbledon auf ihrem sensationellen Lauf nicht zu stoppen. Die 37-JĂ€hrige steht erstmals unter den besten Acht. Dabei trotzt sie auch dem Londoner Wetter.

Zweimal muss der Platz wÀhrend der Partie von Laura Siegemund abgedeckt werden. - Foto: Kirsty Wigglesworth/AP/dpa

Laura Siegemund warf ihren SchlĂ€ger in die Luft, schĂŒttelte unglĂ€ubig den Kopf und formte mit den HĂ€nden ein Herz fĂŒr die Zuschauer. Die 37-JĂ€hrige hat bei ihrem mĂ€rchenhaften Lauf in Wimbledon auch den Wetterkapriolen mit Gewitter und Regen getrotzt und erstmals in ihrer Karriere das Einzel-Viertelfinale beim Rasen-Klassiker erreicht. Dank einer abgeklĂ€rten Leistung setzte sich die SchwĂ€bin in der Runde der besten 16 gegen die Außenseiterin Solana Sierra aus Argentinien mit 6:3, 6:2 durch.

«Das war mein schwierigstes Match. Ich bin einfach super happy», schwÀrmte Siegemund in ihrem Interview auf dem Platz. Im Viertelfinale trifft die Doppelspezialistin nun auf die Weltranglistenerste Aryna Sabalenka aus Belarus, die gegen Elise Mertens aus Belgien mit 6:4, 7:6 (7:4) gewann.

Freund und Trainer: «Sie soll es nun einfach genießen»

Bei der ErwĂ€hnung ihres Alters als Ă€lteste verbliebene Spielerin spendete das Publikum einen Extra-Applaus fĂŒr Siegemund. «Das ist nicht oft, dass man so ein Kompliment dafĂŒr bekommt, dass du alt bist», sagte sie lachend. Siegemund ist die Ă€lteste Spielerin, die in der Geschichte des Profitennis ihr erstes Wimbledon-Viertelfinale erreichte.

Nach ihrem Triumph herzte sie ihren Freund und Trainer Antonio Zucca, der auf der TribĂŒne saß. «Wir haben das ĂŒberhaupt nicht erwartet, als wir hierhergekommen sind», sagte der Italiener der Deutschen Presse-Agentur. «Sie soll es nun einfach genießen.» Dabei ließ sich Siegemund auch von zwei lĂ€ngeren Regen-Unterbrechungen nicht aus dem Konzept bringen.

Sie ist nun Mitglied im elitĂ€ren Last-8-Club von Wimbledon, der allen Viertelfinalteilnehmern unter anderem lebenslang Tickets garantiert. Die SchwĂ€bin kassiert zudem ein Preisgeld von 400.000 britischen Pfund (464.000 Euro). «Sensationell», sagte Rainer SchĂŒttler, Auswahlcoach der deutschen Tennis-Damen. «Wohlverdient, unglaublich gespielt, gemixt mit Slice, Topspin, Stop, sie hat der Gegnerin keinen Rhythmus gegeben, sensationell und perfekt.»

Zweites Viertelfinale bei einem Grand Slam

Nur einmal stand Siegemund zuvor im Einzel unter den besten Acht bei einem Grand-Slam-Turnier: 2020 bei den French Open verlor sie ebenfalls als ungesetzte Spielerin gegen die Tschechin Petra Kvitova. «Das ist absolut einer der grĂ¶ĂŸten Erfolge meiner Karriere, und dann auch noch auf Rasen», hatte sie schon vor dem Achtelfinale gesagt.

Die 21 Jahre alte Sierra war eigentlich bereits in der Qualifikation gescheitert, rĂŒckte aber wegen des RĂŒckzugs einer Spielerin doch ins Hauptfeld. Sie wĂ€re die erste Lucky Loserin der Profi-Geschichte im Damentennis gewesen, die bei einem Grand Slam das Viertelfinale erreicht hĂ€tte.

Blitz und Donner ĂŒber London

Beim ersten Aufschlag von Sierra grollte schon der Donner ĂŒber die Anlage des All England Clubs. Die Partie fand auf Court No. 2 statt, dem grĂ¶ĂŸten Platz in Wimbledon ohne Dach. Nach nur vier gespielten Punkten regnete es immer stĂ€rker, kurz harrten die Spielerinnen noch auf dem Platz aus, bis es nach dem nĂ€chsten heftigen Blitz in die Kabine ging.

77 Minuten spĂ€ter ging es weiter. Siegemund nahm ihrer 16 Jahre jĂŒngeren Kontrahentin direkt den Aufschlag ab, kassierte jedoch ebenfalls sofort das erste Break. Es entwickelte sich eine nervös gefĂŒhrte Partie mit reichlich Fehlern auf beiden Seiten, den Spielerinnen war die Bedeutung des Spiels deutlich anzumerken.

«Ganz stark»: Siegemund feuert sich selbst an

Siegemund prÀsentierte sich stabiler, setzte Sierra mit einem Wechsel von schnellen und unterschnittenen BÀllen unter Druck. Das entscheidende Break gelang ihr zum 4:3, nach 48 Minuten segelte ein Ball der Argentinierin zum Ende des ersten Satzes ins Aus. Insgesamt 21 unerzwungene Fehler von Sierra waren deutlich zu viel.

Siegemund glĂŒckte auch der Start in den zweiten Durchgang. «Ganz stark», feuerte sie sich nach einem gelungenen Ball selber an. Wenige Sekunden spĂ€ter folgte der nĂ€chste Donner - und die nĂ€chste Zwangspause.

Titelchance auch im Doppel

Dieses Mal dauerte es eine knappe Stunde, bei Wiederbeginn schien die Sonne. Siegemund fand sofort wieder ins Spiel zurĂŒck, fĂŒhrte schnell 3:0. Zwar stemmte sich Sierra noch einmal gegen die Niederlage, nach 1:19 Stunden durfte Siegemund aber jubeln.

ZusĂ€tzlich bietet sich ihr auch im Doppel noch eine Titelchance, mit der Brasilianerin Beatriz Haddad Maia spielt sie im Achtelfinale. Wegen der Dreifachbelastung hatte sie aus dem Mixed zurĂŒckgezogen. In ihrer Karriere hat Siegemund bislang drei Grand-Slam-Titel gewonnen: Zwei im Mixed und einen im Doppel.

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