Ein Land steht zusammen: DÀnen feiern «magische» EM-Nacht
22.06.2021 - 18:52:23 | dpa.deAm Tag nach dem groĂen dĂ€nischen Triumph blickte Kasper Hjulmand schon wieder völlig entspannt und ohne erkennbare Zeichen der MĂŒdigkeit in die Kameras.
Ganz so, als habe es diese lange «magische Nacht», den ganzen Jubel und die Ekstase ĂŒber DĂ€nemarks Weiterkommen bei der FuĂball-EM gar nicht gegeben.
Dabei wurde direkt nach dem 4:1 (1:0)-Sieg gegen Russland niemandem mehr gehuldigt als dem dĂ€nischen Trainer. Irgendwann riefen die besonders lautstarken AnhĂ€nger auf der SĂŒdtribĂŒne am Montagabend nur noch seinen Namen - und Hjulmand stand im völlig ĂŒberschĂ€umenden Parken Stadion von Kopenhagen auf einmal ganz allein vor tausenden Fans. Tief bewegt bedankte er sich zunĂ€chst direkt beim Publikum, dann in der Kabine bei seiner Mannschaft - und am Tag danach sogar noch ein weiteres Mal beim ganzen Land.
«Die UnterstĂŒtzung und die Liebe, die wir von der gesamten Bevölkerung erfahren haben, ist groĂartig», sagte der Trainer. «Die DĂ€nen haben uns FlĂŒgel verliehen. Ohne sie wĂ€re das alles nicht möglich gewesen. Ich hatte wirklich gehofft, dass wir eine magische Nacht erleben.» Und die bekam er dann auch.
«Volksfest im Parken»
Wenn das Parken Stadion so etwas wie der Ort dieser EM ist, dann ist Kasper Hjulmand bislang der bemerkenswerteste Trainer dieses Turnier. Denn in nur zehn Tagen haben er, seine Spieler und die Zuschauer in Kopenhagen nacheinander erlebt: Den Zusammenbruch von Christian Eriksen beim 0:1 gegen Finnland. Die emotionale RĂŒckkehr beim 1:2 gegen Belgien, als lĂ€ngst feststand, dass es dem 29-jĂ€hrigen Spielmacher wieder besser geht. Und jetzt dieses «Volksfest im Parken» (dĂ€nisches TV), das den DĂ€nen ein Achtelfinal-Match am nĂ€chsten Samstag in Amsterdam gegen Wales bescherte. «Alle Emotionen des Lebens wurden in zehn Tagen komprimiert», sagte Hjulmand.
Der 49-JĂ€hrige scheiterte noch 2015 in der Bundesliga daran, dass er seinen Stil nicht den Vorstellungen seines Clubs Mainz 05 anpassen wollte. Doch bei dieser EM nimmt er jeden mit. Hjulmand hat seine Spieler durch die hochsensible Zeit nach dem Eriksen-Drama gefĂŒhrt. Er hat seine Mannschaft auch taktisch so umgestellt, dass sie den Verlust ihres besten Spielers rein sportlich kompensierte. «Kasper ist auĂergewöhnlich», sagte KapitĂ€n Simon Kjaer. «Er ist schon als Trainer groĂartig, weil er an sieben Tagen in der Woche 24 Stunden an FuĂball denkt. Aber als Mensch ist er noch viel mehr als das.»
Den Zusammenhalt mit den Fans hat Hjulmand immer hervorgehoben. Es hatte schon gegen Belgien und jetzt erst recht gegen Russland den Eindruck, als feuerten im Stadion nicht bloĂ 25 000 Zuschauer elf FuĂballer auf dem Rasen an. Sondern als stĂŒnde in diesen Tagen ein ganzes Land zusammen. Noch Stunden nach dem Spiel feierten Tausende in Kopenhagen den Erfolg mit Autokorsos und mehreren Freiluft-Partys auf zentralen PlĂ€tzen der Stadt. Als die Mannschaft mitten in der Nacht in ihrem EM-Quartier in Helsingör ankam, warteten auch dort noch zahlreiche Fans vor dem Mannschaftshotel.
«In die Herzen der DÀnen gespielt»
«Diese FuĂballer haben sich in die Herzen der DĂ€nen gespielt. Sie haben den MĂ€dchen und Jungen zu Hause einige Idole gegeben», sagte Hjulmand. Die PopularitĂ€t der aktuellen dĂ€nischen Mannschaft erinnert bereits an die Sensations-Europameister von 1992. Nur dass es in jenem Sommer keine Pandemie gab, die Kneipen und Bars auch in Kopenhagen frĂŒhere SchlieĂzeiten aufzwingt und die noch viel gröĂere Fanfeste in den dĂ€nischen StĂ€dten in diesem Jahr verhindert.
Trotzdem: Die Geschichte dieser dĂ€nischen Mannschaft hĂ€tte sich kein Drehbuchautor je ausdenken können. Denn sie wird immer noch gröĂer und gröĂer. Der 20 Jahre alte Mikkel Damsgaard zum Beispiel ist als FlĂŒgelstĂŒrmer zwar kein positionsgetreuer Eriksen-Ersatz, aber er steht in der Startelf, seit der groĂe Star nicht mehr spielen kann. Und er war gegen Russland der erste und wichtigste TorschĂŒtze (38. Minute), bevor auch Yussuf Poulsen (59.), Andreas Christensen (80.) und Joakim Maehle (82.) noch trafen. «Ich hĂ€tte mir nie ertrĂ€umen können, ein Teil von etwas so GroĂem zu sein», sagte Damsgaard.
Das Achtelfinale gegen Wales findet auch nicht in Bukarest oder Glasgow statt, sondern in Amsterdam, wo Eriksen einst drei Jahre fĂŒr Ajax spielte und viele Fans hat. Hjulmand erwartet dort einen «harten Gegner». Aber die vergangenen Tage haben bei den DĂ€nen so viel Energie freigesetzt, dass sie nun auf einmal als Favorit in eine Partie dieser EM gehen. Auch Eriksen gibt ihnen Kraft. «Christian schrieb uns sofort nach dem Spiel in unsere WhatsApp-Gruppe», verriet der Verteidiger Jens Stryger Larsen. «Es war toll, von ihm zu hören.»
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