Turn-WM: Drei Russinnen um Melnikowa erhalten kein Visum
Veröffentlicht am: 13.10.2026 um 18:43 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Visaentscheidungen vor Rotterdam
- Angelina Melnikowa, Anna Kalmykowa und Viktoria Listunowa erhielten keine Visa für die Niederlande.
- Die Turn-WM beginnt am Samstag in Rotterdam und zählt zur Olympia-Qualifikation für Los Angeles 2028.
- Weitere russische Sportlerinnen und Sportler warten laut russischem Verband noch auf Visaentscheidungen.
Kurz vor Beginn der Turn-Weltmeisterschaften in Rotterdam sind drei aussichtsreiche russische Turnerinnen ohne Einreisegenehmigung für die Niederlande.
Melnikowa gehört zum betroffenen Trio
Neben Mehrkampf-Weltmeisterin Angelina Melnikowa erhielten auch die Vize-Europameisterin im Mehrkampf, Anna Kalmykowa, und Viktoria Listunowa kein Visum.
Melnikowa und Listunowa waren vor fünf Jahren in Tokio gemeinsam Team-Olympiasiegerinnen. In der Mitteilung des russischen Turnverbands heißt es zur Ablehnung, einer oder mehrere Staaten des Schengen-Raums hielten die Sportlerinnen für eine Bedrohung ihrer internationalen Beziehungen.
Verband will IOC einschalten
Der russische Turnverband kündigte an, sich zur Bewertung des Vorgangs an das Internationale Olympische Komitee und den Weltverband zu wenden. Die Turn-WM beginnt am Samstag.
Die Wettkämpfe sollen zugleich als erste Etappe der Olympia-Qualifikation für die Spiele 2028 in Los Angeles dienen. Weitere russische Athletinnen und Athleten warten nach Angaben des Verbands noch auf eine Entscheidung über ihre Visa.
Bereits in Zagreb gab es Probleme
Schon vor den Europameisterschaften im August in Zagreb hatte es Schwierigkeiten bei der Visavergabe gegeben. Melnikowa und Kalmykowa konnten letztlich teilnehmen und Medaillen gewinnen.
Im Mai hatte der Weltverband russische und belarussische Sportler wieder zu internationalen Wettbewerben zugelassen. Die Europäische Turnunion folgte wenig später.
Rückkehr unter russischer Flagge
Seitdem dürfen die Turnerinnen und Turner wieder unter russischer Flagge antreten. Bei Siegen können sie zudem mit der russischen Hymne geehrt werden.
Die Beschränkungen gegen Sportlerinnen und Sportler aus Russland und Belarus waren nach Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine im Februar 2022 eingeführt worden. Belarus unterstützt Russland in diesem Krieg.
Visa bleiben ein politischer Zugang
Die Rückkehr russischer und belarussischer Turner zu internationalen Wettbewerben beendet nicht automatisch alle praktischen Hürden. Eine sportrechtliche Zulassung und die Einreise in ein europäisches Land sind getrennte Verfahren. Visaentscheidungen treffen die zuständigen Staaten beziehungsweise deren Behörden.
Für Rotterdam erhält der Vorgang zusätzliche Bedeutung, weil die Weltmeisterschaften zugleich als erste Etappe der Olympia-Qualifikation für Los Angeles 2028 dienen sollen. Der Ausschluss dreier prominenter Turnerinnen kann deshalb sportliche Auswirkungen haben, auch wenn weitere russische Athletinnen auf Entscheidungen warten.
Der Fall knüpft an die seit 2022 bestehenden Spannungen zwischen internationalem Sport und europäischer Sanktionspolitik an. Verbände können Startrechte neu ordnen und nationale Symbole wieder zulassen; dadurch entsteht jedoch kein Anspruch auf ein Visum. Für die betroffenen Sportlerinnen hängt die Teilnahme damit nicht allein von sportlichen Regeln ab.
Der russische Turnverband kündigte eine Bewertung durch das Internationale Olympische Komitee und den Weltverband an. Im Mittelpunkt dürfte dabei stehen, wie Visaentscheidungen mit den inzwischen aufgehobenen sportlichen Beschränkungen und den Anforderungen an faire Olympia-Qualifikationswettbewerbe zusammenpassen.
