80 Jahre CARE-Paket: Menschlichkeit und verlĂ€ssliche humanitĂ€re UnterstĂŒtzung heute wichtiger denn je
Veröffentlicht: 10.07.2026 um 10:40 Uhr, presseportal.de
"Ich habe als kleiner Junge Bomben erlebt, Krieg und Hunger. Es war eine verdammt harte Zeit und der Hunger spielte eine groĂe Rolle. Irgendwann im Herbst 1946 kam ich nach Hause, und es war ein CARE-Paket da. Darin waren Tee und Kaffee, aber das GröĂte war das Fleisch in Dosen. Davon haben wir tagelang gelebt", erinnert sich Franz MĂŒntefering, Bundesminister und Vizekanzler a. D.
22 WohlfahrtsverbĂ€nde in den USA hatten sich zusammengeschlossen, um notleidende Menschen in Europa zu unterstĂŒtzen. Daraus wurde eine der weltweit gröĂten Hilfsaktionen und schlieĂlich die internationale Hilfsorganisation CARE. Insgesamt 100 Millionen CARE-Pakete wurden verschickt, davon zehn Millionen nach Deutschland. Eine besondere Rolle spielten die Pakete auch wĂ€hrend der Berliner LuftbrĂŒcke: CARE leistete rund 60 Prozent der privaten Hilfe. TĂ€glich gelangten etwa 1.000 CARE-Pakete in die abgeriegelte Stadt - gefĂŒllt mit Kleidung, Werkzeugen und Lebensmitteln.
Anita Stapel aus Berlin erhielt 1949 ein CARE-Paket und erinnert sich: "Ich war so dankbar, als ich fast verhungert war, dass wir dieses Paket bekamen. Ich trug das Paket durch die ganze Stadt. Es war ja fast so schwer, wie ich selbst. Es zu öffnen, war wie Ostern, Pfingsten und Weihnachten auf einem Tag. Und dass Menschen, die noch vor kurzem unsere Feinde waren, fĂŒr uns spendeten und so ein Paket schickten, das fand ich unglaublich."
Es gibt nur noch wenige Zeitzeug:innen, die sich an die UnterstĂŒtzung erinnern, die Deutschland in den Not- und Krisenzeiten nach dem Zweiten Weltkrieg erhalten hat. Dabei ist es heute wichtiger denn je, den humanitĂ€ren Gedanken von damals fortzutragen. Konflikte, Hunger, Armut und Vertreibung bringen immer mehr Menschen in Not; ĂŒber 117 Millionen sind weltweit auf der Flucht. Der globale humanitĂ€re Bedarf steigt, gleichzeitig geraten viele Krisen aus dem öffentlichen Blickfeld - und SolidaritĂ€t sowie Finanzierung von Hilfe und UnterstĂŒtzung nehmen massiv ab.
"Die weltweiten KĂŒrzungen in der Entwicklungszusammenarbeit und humanitĂ€ren Hilfe verĂ€ndern die Arbeit von Hilfsorganisationen grundlegend", sagt Prof. Dr. Claudia Warning, PrĂ€sidentin von CARE Deutschland. "Nicht nur die USA, sondern auch zahlreiche andere groĂe Geber, darunter Deutschland, reduzieren ihre Mittel massiv. Seit 2022 wurde der Etat des Bundesministeriums fĂŒr wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung um 27 Prozent gekĂŒrzt, die Mittel fĂŒr humanitĂ€re Hilfe sogar um 70 Prozent."
FĂŒr Hilfsorganisationen wie CARE und ihre Partnerorganisationen in ĂŒber 100 LĂ€ndern bedeutet das: Programme mĂŒssen gekĂŒrzt oder ganz eingestellt werden.
Karl-Otto Zentel, GeneralsekretĂ€r von CARE Deutschland, erklĂ€rt: "Besonders dramatisch ist die Lage fĂŒr lokale Partnerorganisationen, die wegen ausbleibender Finanzierung schlieĂen mĂŒssen. Damit bricht ein zentraler Teil des Hilfssystems weg. Wie gefĂ€hrlich das ist, zeigt der jĂŒngste Ebola-Ausbruch in der Demokratischen Republik Kongo: Wenn Gesundheitsstationen fehlen, werden AusbrĂŒche spĂ€ter erkannt und Risiken fĂŒr ganze Regionen steigen. Frauen und MĂ€dchen zahlen dabei oft den höchsten Preis. Schutz vor Gewalt, Versorgung wĂ€hrend Schwangerschaft und Geburt, Bildung und UnterstĂŒtzung in Krisen sind lebenswichtig - werden aber hĂ€ufig als Erstes gestrichen. So gefĂ€hrden die KĂŒrzungen nicht nur Leben, Gesundheit und Zukunftschancen heute, sondern schaffen gerade in der Gesundheitsversorgung die Krisen von morgen."
AnlĂ€sslich des 80-jĂ€hrigen Geburtstags des CARE-Pakets fordert CARE: Es braucht eine Erneuerung der weltweiten SolidaritĂ€t und Menschlichkeit sowie verlĂ€ssliche UnterstĂŒtzung fĂŒr Menschen in Not.
Hinweis fĂŒr Redaktionen: Historisches und aktuelles Bildmaterial sowie Informationen rund um die CARE-Pakete finden Sie hier(Verwendung mit Copyright: CARE Deutschland). Auf Anfrage vermitteln wir Interviews mit CARE-Paket-EmpfĂ€nger:innen sowie Zeitzeug:innen.
CARE wurde 1945 gegrĂŒndet, um Not und Hunger im Nachkriegseuropa zu lindern mit mehr als 100 Millionen CARE-Paketen. Heute ist die Organisation in ĂŒber 100 LĂ€ndern aktiv und unterstĂŒtzt Menschen weltweit im Kampf gegen Armut mit dem Schwerpunkt auf humanitĂ€rer Nothilfe, Geschlechter- und Klimagerechtigkeit. Seit 1980 ist CARE Deutschland e.V. mit Hauptsitz in Bonn - und einem BĂŒro in Berlin - Teil des internationalen CARE-Netzwerks.
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