Angela Winkler kritisiert Rollenmangel ab 50 für Schauspielerinnen
Veröffentlicht am: 24.09.2026 um 13:32 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWSAngela Winkler kritisiert den Umgang der deutschen Filmbranche mit älteren Schauspielerinnen. Ab einem Alter von 50 Jahren höre es bei weiblichen Rollen eigentlich auf, sagte sie der „Zeit“.
Winkler spricht über Alter und Scham
Als Grund vermutet die Schauspielerin, dass Frauen in diesem Alter für die Männerwelt nicht mehr als attraktiv wahrgenommen würden. Das Alter sei für Schauspielerinnen ein besonderes Thema, weil damit auch Scham über körperliche Veränderungen und nachlassende Merkfähigkeit verbunden sei.
Hauptrolle in Dörrie-Film
Glücklich zeigte sich Winkler über den neuen Film von Doris Dörrie, den die Regisseurin ihr gewidmet habe. In „Frau Winkler verlässt das Haus“ spielt sie eine alte Schauspielerin, die nach einem Unfall von einem Pflegeroboter betreut wird.
Regisseurin wird zur Freundin
Winkler schilderte die Zusammenarbeit mit Dörrie als persönliche Verbindung, die zunächst über gegenseitige Briefe entstanden sei. Es habe ihr geholfen, dass eine Frau den Film gemacht habe und sie die Themen mit der Regisseurin habe besprechen können.
Angela Winklers Kritik verweist auf ein strukturelles Problem der Filmbranche: Schauspielerinnen verlieren häufig früher als ihre männlichen Kollegen Haupt- und tragende Rollen. Mit zunehmendem Alter werden Frauen zudem nicht nur seltener besetzt, sondern oft auch auf familiäre oder unterstützende Nebenfiguren reduziert.
Mehr Sichtbarkeit für ältere Frauen
Der von Doris Dörrie inszenierte Film setzt diesem Muster eine ältere Schauspielerin als zentrale Figur entgegen. Dass die Hauptrolle nicht um eine jüngere Perspektive herum erzählt wird, verschiebt den Blick auf Alter, Verletzlichkeit und Selbstständigkeit. Der Pflegeroboter bildet dabei einen zeitgenössischen Rahmen für Fragen nach Betreuung, Technik und menschlicher Nähe.
Bedeutung für die Branche
Die Debatte betrifft nicht nur die Besetzung einzelner Filme. Sichtbarkeit im Kino und Fernsehen prägt auch, welche Lebensphasen als erzählenswert gelten und welche Erfahrungen ein breites Publikum wiedererkennt. Mehr Rollen für ältere Schauspielerinnen könnten deshalb sowohl die Vielfalt vor der Kamera als auch die Themenpalette deutschsprachiger Produktionen erweitern.
Winklers Hinweis auf Scham und körperliche Veränderungen macht zugleich deutlich, dass es nicht allein um die Zahl der Rollen geht. Entscheidend ist, ob ältere Frauen als komplexe Hauptfiguren erscheinen, deren Alter Bestandteil ihrer Biografie ist, aber nicht ihre gesamte Identität bestimmt.
