Anwohnerin nach Tiger-Drama: «Idylle war erschĂŒttert»
18.05.2026 - 12:55:41 | dpa.deEinen Tag nach dem Ausbruch eines Tigers in Schkeuditz bei Leipzig herrscht bei den Anwohnern Erleichterung. «Unsere Idylle war gestern erschĂŒttert», sagt Silvia Kaempf. Sie hat eine Laube in dem angrenzenden Kleingartenverein und war gerade mit ihrem Ehemann angekommen, als sie von Polizisten ĂŒber den Ausbruch des Raubtieres informiert wurde.
«Wir sollten sofort ins Auto und abschlieĂen», erzĂ€hlt die 68-JĂ€hrige. Dann habe sie gesehen, wie Polizisten auf ein Autodach gestiegen waren und dreimal auf den Tiger geschossen hatten. Das Tier habe nur wenige Meter von einem kleinen Zaun zur Kleingartenanlage gelegen. Danach habe es Entwarnung gegeben und sie hĂ€tten ihr Auto verlassen. «In der Situation waren wir schon aufgeregt und es gab eine innere Anspannung.» Jetzt hoffe sie, dass die restlichen Tiere in gute HĂ€nde kommen.
Unklar, wie viele Tiere sich dort noch aufhalten
Am Sonntag war ein ausgewachsener Tiger aus der privaten Anlage einer ehemaligen Zirkus-Artistin in einem Gewerbegebiet entkommen. Ein 72-JĂ€hriger wurde schwer verletzt. Die Polizei erschoss das Tier spĂ€ter im Bereich einer Gartenanlage. FĂŒr die Bevölkerung bestand laut Polizei keine Gefahr mehr. Weitere Tiere seien nicht entkommen.
Am Tag danach streifen weitere ausgewachsene Tiger durch ihren Zirkuswagen. Das ist ein Lastwagenaufleger, der an der gesamten Breite von einem mit einem Gitter gesicherten Zaun umgeben ist. So können die Tiere an die frische Luft. Wie viele sich dort noch aufhalten, ist unklar. Die Besitzerin ist nicht zu sprechen.
Rettung des verletzten Pflegers unter Polizeischutz
Unter Polizeischutz seien die RettungskrĂ€fte in das Gehege gegangen und hĂ€tten den 72-JĂ€hrigen gerettet, schildert der Einsatzleiter der Feuerwehr Dölzig, Patrick Siebeck. «Wir wussten zu diesem Zeitpunkt ja nicht, ob noch weitere Tiere frei herumlaufen.» Der Verletzte habe mehrere Biss- und Kratzverletzungen erlitten und wurde sofort in ein Krankenhaus gebracht. Neben mehreren GroĂfahrzeugen der Feuerwehr kam auch eine Drohne zum Einsatz, um die Lage aus der Luft zu ĂŒberwachen.
Die Anwohner und Nachbarn sind unterdessen heilfroh, dass die Behörden nun gezwungen sind, etwas gegen die private Tigerhaltung zu unternehmen. «Meine Mitarbeiter haben jeden Morgen vom Auto aus erst einmal geschaut, ob alles sicher ist, ehe sie ausgestiegen sind», sagt ein Gewerbetreibender in unmittelbarer Nachbarschaft. Er selbst habe jahrelang AlbtrÀume gehabt.
Die Staatsanwaltschaft Leipzig hat in dem Fall inzwischen Ermittlungen wegen des Verdachts der fahrlÀssigen Körperverletzung durch Unterlassen aufgenommen. Was mit den anderen Tieren passieren soll, ist derzeit noch unklar.
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