Valeska Grisebach, Das getrÀumte Abenteuer

Das getrÀumte Abenteuer: Valeska Grisebachs Cannes-Film startet im Kino

Veröffentlicht am: 23.09.2026 um 07:30 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Valeska Grisebachs Cannes-prÀmierter Film «Das getrÀumte Abenteuer» startet am 24. September in den deutschen Kinos. Im Mittelpunkt steht eine ArchÀologin, die in der bulgarischen Grenzstadt Swilengrad in ein Milieu aus Schmuggel, Korruption und KriminalitÀt gerÀt.

Hauptdarstellerin Jana Radewa (l) und die Regisseurin Valeska Grisebach in Cannes. (Archivbild) - Bild: John Locher/Invision/AP/dpa
Hauptdarstellerin Jana Radewa (l) und die Regisseurin Valeska Grisebach in Cannes. (Archivbild) - Bild: John Locher/Invision/AP/dpa

Valeska Grisebachs mit dem Preis der Jury in Cannes ausgezeichnetes Drama «Das getrÀumte Abenteuer» startet am 24. September in den deutschen Kinos.

Worum es in dem Film geht

Die Regisseurin («Western») erzĂ€hlt die Geschichte der ArchĂ€ologin Veska, gespielt von Jana Radewa, die in der bulgarischen Grenzstadt Swilengrad an einer AusgrabungsstĂ€tte arbeitet. Als sie ihrem alten Bekannten Said, dargestellt von SĂŒleyman Alilow Letifow, nach dem Diebstahl seines Autos helfen will, gerĂ€t sie zunehmend in ein Umfeld aus Schmuggel, Korruption und KriminalitĂ€t.

Nach Saids plötzlichem Verschwinden wird Veska mit mafiösen Strukturen und ihrer eigenen Vergangenheit konfrontiert. Grisebach verbindet die fiktionale Handlung mit einer beinahe dokumentarischen Beobachtung des Lebens in der bulgarischen Grenzregion.

Erinnerungen an die 1990er Jahre

Der Film rĂŒckt die UmbrĂŒche der 1990er Jahre und MachtverhĂ€ltnisse zwischen den Geschlechtern in den Blick. Diese Themen entfalten sich in einer Laufzeit von fast drei Stunden auch ĂŒber beilĂ€ufige GesprĂ€che der Figuren.

«Das getrĂ€umte Abenteuer» erhielt zahlreiche positive Kritiken. Grisebach arbeitet wie in frĂŒheren Filmen vielfach mit nicht-professionellen Darstellern und setzt auf ein entschleunigtes ErzĂ€hltempo. Ihr VorgĂ€nger «Western» spielte ebenfalls in Bulgarien und lief 2017 in der Cannes-Reihe «Un Certain Regard».

Die Grenze als zentrales Motiv

Grisebach sagte der Deutschen Presse-Agentur, sie habe sich beim Sprechen ĂŒber Europa ihren «blinden Flecken» stellen wollen. Sie sei in West-Berlin aufgewachsen und habe erkannt, dass ihre Erfahrungen in Europa durch eine einseitige Reiserichtung geprĂ€gt gewesen seien.

FĂŒr das Abenteuer-Genre sei die Grenzregion das passende Setting gewesen, erklĂ€rte die Regisseurin. Die Grenze sei einerseits ein konkreter Ort, an dem viel geschehe, andererseits aber auch ein ĂŒberhöhter, abenteuerlicher Raum, der mit Vorstellungen von Schmuggel und Flucht verbunden werde.

Grenzraum als europÀische ProjektionsflÀche

Der Film verlegt seine Handlung nach Swilengrad, in eine bulgarische Stadt am DreilĂ€ndereck von Bulgarien, Griechenland und der TĂŒrkei. Diese Lage macht die Grenze nicht nur zum Schauplatz, sondern zum verbindenden Motiv: Hier treffen unterschiedliche politische, wirtschaftliche und historische Erfahrungen Europas unmittelbar aufeinander.

Die Verweise auf die 1990er Jahre markieren eine Phase tiefgreifender UmbrĂŒche in Bulgarien und anderen Staaten SĂŒdosteuropas. Der Film verbindet diese Erinnerung mit heutigen Formen von Schmuggel, Korruption und informellen GeschĂ€ften. Dadurch entsteht ein Bild davon, wie historische Erfahrungen und gegenwĂ€rtige MachtverhĂ€ltnisse im Alltag fortwirken können.

Eine ungewöhnliche Perspektive

Mit Veska rĂŒckt Grisebach eine Frau ins Zentrum eines Milieus, das von MĂ€nnern und hierarchischen Beziehungen geprĂ€gt ist. Die ArchĂ€ologin bewegt sich zwischen wissenschaftlicher Arbeit, persönlicher Vergangenheit und einer zunehmend bedrohlichen Gegenwart. Dass die Regisseurin erneut mit Laiendarstellern arbeitet, verstĂ€rkt den beobachtenden Charakter des Films.

FĂŒr das deutsche Kinopublikum bietet der Film damit mehr als einen Kriminalplot. Die fast dreistĂŒndige Laufzeit und das entschleunigte ErzĂ€hltempo legen den Schwerpunkt auf AtmosphĂ€re, GesprĂ€che und soziale Beobachtung. Der Cannes-Preis erhöht die Aufmerksamkeit, richtet sich aber vor allem an Zuschauer, die europĂ€isches Autorenkino und offene Genreformen suchen.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

NDR: „Das getrĂ€umte Abenteuer": Die Schatten der wilden 90er (22.09.2026)

Der Bericht hebe ebenfalls den Cannes-Jury-Preis, den Kinostart und die Arbeit mit Laiendarstellern hervor. Er setze einen stÀrkeren Akzent auf die Verweise auf die bulgarischen 1990er Jahre sowie auf die Verbindung von Western-, Mafia- und Liebesfilm; zugleich beschreibe er Veska als ungewöhnliche weibliche Hauptfigur in einer mÀnnerdominierten Grenzwelt.

Der Artikel bestÀtige damit den zentralen Handlungsrahmen der Meldung, lege den Schwerpunkt aber stÀrker auf die filmische Form und die Entwicklung der Hauptfigur. Offen bleibe auch dort weniger die Handlung als die Frage, wie Veska ihre persönliche Vergangenheit und die Gefahren des Grenzmilieus miteinander verarbeitet.

MedienĂŒbergreifend werde der Film als Cannes-ausgezeichnetes Drama ĂŒber eine bulgarische Grenzregion, die Nachwirkungen der 1990er Jahre und eine ArchĂ€ologin im Umfeld von KriminalitĂ€t eingeordnet. Der NDR-Bericht betone dabei besonders den Genrebruch und die weibliche Perspektive.

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