Nichts als die Wahrheit - der «Tatort» zum Odenthal-JubilÀum
26.10.2024 - 05:23:35 | dpa.deDer Satz «Gleiches Recht fĂŒr alle» gilt nicht fĂŒr alle. Das ist in der bitteren JubilĂ€umsfolge der dienstĂ€ltesten «Tatort»-Kommissarin Lena Odenthal (Ulrike Folkerts) frĂŒh klar. Ist Wahrheit nur, was man durchsetzen kann? Diese Frage ist in einer zunehmend zersplitterten Gesellschaft hochaktuell. «Dein gutes Recht» heiĂt der 80. Odenthal-«Tatort», den das Erste am Sonntag (27. Oktober) um 20.15 Uhr zeigt. Darin lotet Deutschlands TV-Dauerbrenner das Rechtssystem als RĂŒckgrat einer Gesellschaft kompromisslos aus.
Der Sonntagskrimi beginnt mit einem dramatischen Notruf. Schon nach einer Minute muss Odenthal ihre Dienstwaffe ziehen, die noch wichtig werden wird im Verlauf dieses Films. Die Ermittlerin stöĂt auf eine AnwĂ€ltin, die sich zitternd unter einem Schreibtisch versteckt, und findet deren offenbar von einem Einbrecher erschossenen Mann. Doch - hatte das Paar Streit? Oder ist es ein Routinefall? Sandra Borgmann als abgebrĂŒhte Juristin Patricia Prinz lĂ€sst das Publikum mit doppelbödigem Spiel lange im Unklaren. Es lohnt, dranzubleiben.
Verschiedene Zeiten und Perspektiven
«Dein gutes Recht» ist ein auĂergewöhnlicher «Tatort». Zum einen feiert Schauspielerin Lisa Bitter ebenfalls JubilĂ€um, sie ist als Odenthals Kollegin Johanna Stern nun zehn Jahre dabei. Auch in diesem Krimi aus Ludwigshafen bilden beide ein stimmiges Team. Zum zweiten entrollt Regisseur Martin Eigler diese Geschichte spektakulĂ€r aus verschiedenen Zeiten und Perspektiven, die die Spannung steigern.
Odenthal muss einem Beamten der Abteilung Interne Ermittlungen Auskunft geben. Sie soll ihre Dienstwaffe vorschnell eingesetzt haben - wo und wann, erfĂ€hrt der Zuschauer noch nicht. Die Ermittlerin, vom Einsatz gezeichnet mit Pflaster am Kopf und verbundener Hand, wehrt sich gegen die VorwĂŒrfe des Kollegen (wunderbar selbstgefĂ€llig: Bernd Hoelscher). Auch hier: Geht es um Wahrheitsfindung, oder ist es eine Kraftprobe? Wie sehr prĂ€gen Hierarchien, Geschlechter und Machtpositionen ein Urteil?
«Es ist natĂŒrlich reizvoll, die Kommissarinnen in einer Vernehmungssituation zu erleben, die sie sonst von der anderen Seite des Tisches kennen und beherrschen», sagt Regisseur Eigler. «Hier werden sie mit Tricks und Manipulationsversuchen ihres Kollegen konfrontiert.»
Hochexplosive Mischung
Schlussendlich verknĂŒpft ein zentraler Strang alle FĂ€den - und der stilsicher erzĂ€hlte «Tatort» neigt sich im letzten Drittel einem blutigen Showdown zu. SchlĂŒsselfigur ist AnwĂ€ltin Prinz, die den Chef eines Callcenters (Matthias Lier) verteidigt - er soll Mitarbeiterin Marie Polat (Emma Nova) sexuell bedrĂ€ngt haben. Die desillusionierte Polat ist der Skrupellosigkeit von Prinz vor Gericht nicht gewachsen. Es entwickelt sich eine hochexplosive Mischung aus Verzweiflung und Selbstjustiz.
Polat flieht mit ihrer LebensgefĂ€hrtin Luisa Berger (Samia Chancrin), und es kommt zu einem Finale im Feld. Unter enormer Anspannung muss Odenthal eine Entscheidung treffen, fĂŒr die man sie spĂ€ter zur Rechenschaft ziehen wird. Eingefangen wird diese hitzige Jagd von einer starken Kamera (Andreas SchĂ€fauer).
Eigler hat als Drehbuchautor ein Drama ohne erhobenen Zeigefinger geschrieben, das wohl deswegen besonders wirksam ist. Eine feine Spitze erlaubt sich der Regisseur gegen Bewerberinnen auf die Assistenzstelle der Polizei. Ein vergnĂŒgliches «Work And Travel» scheint diesen jungen Menschen wichtiger zu sein als Karriere - ihr gutes Recht.
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