Emma feiert 50 Jahre mit prägenden feministischen Kampagnen
Veröffentlicht am: 21.10.2026 um 12:52 Uhr | dpa, AD HOC NEWSSchwarzers Magazin prägte Debatten
- Alice Schwarzer gründete «Emma» 1977 und machte feministische Anliegen bundesweit sichtbar.
- 1978 veröffentlichte das Magazin ein Dossier über sexuellen Kindesmissbrauch.
- 1988 startete «Emma» die Kampagne «PorNO!» gegen pornografische Darstellungen.
«Emma» prägte feministische Debatten seit 1977
Als Alice Schwarzer 1977 die Zeitschrift «Emma» gründete, galt Feminismus in Deutschland vielfach als Angriff auf Ehe und Familie. Das Magazin brach Tabus, griff sexistische Strukturen an und verankerte feministische Anliegen in breiten gesellschaftlichen Debatten.
Schon früh widmete sich «Emma» Themen, die damals kaum öffentlich diskutiert wurden. In den 50 Jahren ihres Bestehens entwickelte sich das Blatt zu einem streitbaren Sprachrohr der Frauenbewegung.
Früher Fokus auf sexuellen Kindesmissbrauch
1978 veröffentlichte «Emma» das Dossier «Das Verbrechen, über das niemand spricht» über sexuellen Missbrauch von Kindern. Damals blieb die Veröffentlichung zunächst ohne öffentliche Reaktion, doch das Magazin griff das Thema in weiteren Beiträgen erneut auf.
1979 berichtete «Emma» anlässlich der Machtübernahme Ajatollah Chomeinis im Iran erstmals über Islamisten. 1993 folgte das Dossier «Mitten unter uns» über die Agitation islamischer Fanatiker in Deutschland.
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«PorNO!» löste Streit über Pornografie aus
1988 veröffentlichte «Emma» unter dem Titel «PorNO!» einen Entwurf für ein Anti-Porno-Gesetz. Das Vorhaben wurde nicht umgesetzt, brachte die Frage nach Macht, Erniedrigung und sexueller Selbstbestimmung aber in die breite Debatte.
Schwarzers ablehnende Haltung gegenüber Pornografie stieß später besonders bei jüngeren Feministinnen auf Widerspruch. Sie argumentierten, Pornografie könne unter selbstbestimmten und nicht erzwungenen Bedingungen auch von Frauen produziert und konsumiert werden.
Islamismus blieb ein kontroverses Thema
«Emma» prangerte wiederholt patriarchalische und frauenfeindliche Praktiken im Islam an. Islamwissenschaftler kritisierten einzelne Darstellungen als zu undifferenziert und pauschalisierend.
Auch Schwarzers Einordnung der sexuellen Übergriffe in der Kölner Silvesternacht löste Gegenstimmen aus. Kritiker bestritten, dass die Taten maßgeblich mit islamischer Ideologie erklärt werden könnten.
Kampagne für Brustkrebs-Früherkennung
1996 startete «Emma» nach einem von Schwarzer geschilderten Gespräch mit einem Arzt eine Kampagne für bessere Brustkrebsforschung, Früherkennung und Behandlung. Nach Darstellung der Meldung trug die Initiative dazu bei, dass 2005 ein flächendeckendes Mammografie-Screening initiiert wurde.
Die Einstellung von «Emma» beendet ein über Jahrzehnte prägendes Kapitel der deutschen Medien- und Feminismusgeschichte. Das Magazin entstand 1977 in einer Zeit, in der feministische Forderungen vielfach als Angriff auf traditionelle Familienbilder galten. Mit eigenen Dossiers und Kampagnen brachte «Emma» Themen in die Öffentlichkeit, die lange wenig Beachtung fanden.
Zu den frühen Schwerpunkten gehörte der sexuelle Missbrauch von Kindern. 1978 veröffentlichte das Magazin dazu ein Dossier. 1988 folgte die «PorNO!»-Kampagne, die Pornografie als Ausdruck von Macht und Erniedrigung kritisierte. Diese Position blieb umstritten, besonders unter jüngeren Feministinnen, die selbstbestimmte Pornografie anders bewerteten.
Streitbare Positionen bis zuletzt
Auch bei Islamismus, Geschlechterpolitik und dem Krieg gegen die Ukraine vertrat «Emma» klare, häufig polarisierende Positionen. Das verschaffte dem Magazin Aufmerksamkeit, führte aber ebenso zu Widerspruch und politischen Kontroversen. Die Debatten zeigen, wie stark das Blatt nicht nur feministische Themen setzte, sondern auch über deren Deutung stritt.
Für Leserinnen und Leser bedeutet das Ende einen Einschnitt in einer Medienlandschaft, in der gedruckte Spezialpublikationen unter Druck stehen. Das Archiv soll vollständig in den Bestand des Deutschen Literaturarchivs Marbach aufgenommen werden. Damit bleiben die Kampagnen, Debatten und redaktionellen Auseinandersetzungen als zeitgeschichtliche Quelle zugänglich.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
Deutschlandfunk: „Alice Schwarzer stellt Magazin "Emma" ein“ (21.10.2026)
Der Beitrag bestätigt, dass die Ausgabe vom 8. Dezember die letzte sein werde und hebt die historische Rolle des Magazins sowie Kampagnen gegen Pornografie hervor. Anders als die dpa-Meldung richtet er den Blick zusätzlich auf die Kritik an Schwarzers Forderungen nach schnellen Friedensverhandlungen mit Russland.
taz: „Bedeutendes und umstrittenes Magazin : Ciao, „Emma“!“ (21.10.2026)
Die taz bestätigt das Ende zum 8. Dezember und ordnet die Kontroversen um Schwarzer ausführlicher ein. Der Schwerpunkt liegt auf ihrer Haltung zum Ukrainekrieg, ihrer Kritik an einer möglichen Nachfolge und der Aufnahme des Archivs in das Deutsche Literaturarchiv Marbach.
Beide Beiträge stellen die historische Bedeutung und das bevorstehende Ende heraus. Unterschiede bestehen vor allem in der Gewichtung aktueller politischer Kontroversen und der Frage, wie eng die Zukunft des Magazins mit Alice Schwarzer verbunden war.

