Alice Schwarzer, Emma-Magazin

Emma-Magazin: Alice Schwarzer stellt Heft nach 50 Jahren ein

Veröffentlicht am: 21.10.2026 um 13:25 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Die letzte Ausgabe des feministischen Magazins soll am 8. Dezember erscheinen. Schwarzer begründet das Ende nicht mit finanziellen Problemen, sondern mit Erschöpfung nach drei Generationen publizistischer Arbeit.

Schwarzers Archiv bleibt zugänglich

  • Alice Schwarzer gründete «Emma» am 26. Januar 1977 in Köln.
  • Die Ausgabe vom 27. Oktober erscheint als vorletztes Heft.
  • Das Archiv wird in den Bestand des Deutschen Literaturarchivs Marbach aufgenommen.
  • Nach 50 Jahren stellt Alice Schwarzer ihr feministisches Magazin «Emma» ein. (Archivbild) - Bild: Rolf Vennenbernd/dpa
  • Nach 50 Jahren gibt Alice Schwarzer ihre feministische Zeitschrift «Emma» auf. (Archivbild) - Bild: picture alliance / EMMA/dpa
  • Alice Schwarzer posiert 2002 zum 25-jährigen Bestehen von «Emma» vor Titelbildern. (Archivbild) - Bild: picture-alliance / dpa/dpaweb
  • Mit Graffiti am Bayenturm mit der «Emma»-Redaktion protestieren Unbekannte gegen Alice Schwarzers Haltung zu Transmenschen. (Archivbild) - Bild: Christoph Driessen/dpa
  • «Bleibt mutig!» - Bild: Sina Schuldt/dpa
  • Eine aktuelle «Emma»-Ausgabe wird hier zwischen anderen Zeitschriften verkauft. - Bild: Sina Schuldt/dpa
Nach 50 Jahren stellt Alice Schwarzer ihr feministisches Magazin «Emma» ein. (Archivbild) - Bild: Rolf Vennenbernd/dpa Nach 50 Jahren gibt Alice Schwarzer ihre feministische Zeitschrift «Emma» auf. (Archivbild) - Bild: picture alliance / EMMA/dpa Alice Schwarzer posiert 2002 zum 25-jährigen Bestehen von «Emma» vor Titelbildern. (Archivbild) - Bild: picture-alliance / dpa/dpaweb Mit Graffiti am Bayenturm mit der «Emma»-Redaktion protestieren Unbekannte gegen Alice Schwarzers Haltung zu Transmenschen. (Archivbild) - Bild: Christoph Driessen/dpa «Bleibt mutig!» - Bild: Sina Schuldt/dpa Eine aktuelle «Emma»-Ausgabe wird hier zwischen anderen Zeitschriften verkauft. - Bild: Sina Schuldt/dpa

Das Ende des Magazins «Emma»

Alice Schwarzer stellt nach 50 Jahren ihr feministisches Magazin «Emma» ein. Die Ausgabe vom 8. Dezember werde die letzte sein, teilte die 83-Jährige der Deutschen Presse-Agentur in Köln mit.

Wirtschaftliche Gründe nicht ausschlaggebend

Schwarzer erklärte, die sinkende Auflage sei nicht entscheidend, weil die Einnahmen weiterhin die Ausgaben deckten. «Nein, wir gehen, weil wir meinen: Es reicht!», schrieb sie in einer Erklärung.

«Emma» habe über drei Generationen hinweg die Stellung gehalten und gegen manchen Unsinn im Namen des Feminismus Position bezogen. Nun seien die Verantwortlichen ermattet, erklärte Schwarzer.

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Ein Gegengewicht zu «Männermedien»

Schwarzer gründete «Emma» am 26. Januar 1977. Sie wollte Journalistinnen eine eigene Stimme geben und ein Gegengewicht zu den von Feministinnen kritisierten «Männermedien» schaffen.

Schwarzer gilt als Deutschlands bekannteste Feministin. Die Redaktion arbeitete zunächst am Kölner Kolpingplatz und später im mittelalterlichen Bayenturm im Rheinauhafen.

Politische Positionen sorgen für Streit

Seit Beginn des Ukraine-Kriegs 2022 sprach sich Schwarzer wiederholt für schnelle Friedensverhandlungen mit Russland aus, teils gemeinsam mit Sahra Wagenknecht. Kritiker warfen ihr vor, dabei die Rolle des Aggressors und des angegriffenen Landes aus dem Blick zu verlieren.

2024 sagte Schwarzer, jede fünfte Leserin habe aus Protest gegen den Friedenskurs ihr Abonnement gekündigt. Auch ihre Positionen zu Transpersonen führten zu Protesten und Vorwürfen, die Schwarzer zurückwies.

Chefredaktion blieb eng mit Schwarzer verbunden

2008 übernahm Lisa Ortgies die Chefredaktion, doch das Arbeitsverhältnis zerbrach nach kurzer Zeit. Schwarzer nahm das Heft wieder selbst in die Hand.

In der vorletzten Ausgabe erklärt sie, sie habe wiederholt nach Kolleginnen gesucht, die «Emma» in ihrem Sinne weiterführen könnten. Viele potenzielle Nachfolgerinnen hätten sich jedoch für andere Medien entschieden.

Archiv geht nach Marbach

«Emma» griff nach Schwarzers Darstellung früh Themen wie sexuellen Missbrauch von Kindern, Islamismus, Ehegattensplitting, Brustkrebs und Genitalverstümmelung auf. Das Magazin habe dadurch öffentliche Debatten mitgeprägt.

Das vollständige Archiv mit Korrespondenzen, Kampagnen und weiteren Unterlagen wird in den Bestand des Deutschen Literaturarchivs Marbach aufgenommen. Dort soll es für Interessierte erschlossen werden.

Mit der letzten Ausgabe endet damit die regelmäßige Veröffentlichung des Magazins, während sein Archiv dauerhaft erhalten bleibt.

Das Ende von «Emma» fällt in eine Phase, in der klassische Printmagazine mit sinkenden Auflagen, veränderten Mediengewohnheiten und einer stärkeren Verlagerung öffentlicher Debatten ins Internet umgehen müssen. Für «Emma» kommt hinzu, dass das Magazin über Jahrzehnte eng mit der Person Alice Schwarzer und ihrer publizistischen Linie verbunden war.

Die Zeitschrift prägte seit 1977 Debatten über Frauenrechte und gesellschaftliche Machtverhältnisse. Themen wie sexueller Missbrauch, Genitalverstümmelung und das Ehegattensplitting gehörten zu den Feldern, die «Emma» früh aufgriff. Damit war das Magazin nicht nur ein periodisches Printprodukt, sondern auch ein dauerhaftes Forum für politische Kampagnen und feministische Kontroversen.

Kontroversen und Generationenwechsel

In den vergangenen Jahren geriet Schwarzers Position zum russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine ebenso in die Kritik wie ihre Haltung zu transgeschlechtlichen Menschen. Die dpa-Meldung verweist darauf, dass diese Auseinandersetzungen Folgen für die Abonnentinnenzahl hatten. Zugleich blieb ein dauerhafter Wechsel an der Spitze aus: Der Versuch mit Lisa Ortgies als Chefredakteurin endete 2008 nach kurzer Zeit.

Für Leserinnen und Leser bedeutet das Aus nicht, dass die publizistische Hinterlassenschaft verschwindet. Das vollständige Archiv soll in den Bestand des Deutschen Literaturarchivs Marbach aufgenommen und dort erschlossen werden. So bleibt das Material für Forschung und Öffentlichkeit zugänglich, während das gedruckte Magazin nach der Ausgabe vom 8. Dezember endet.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

Deutschlandfunk: „Alice Schwarzer stellt Magazin "Emma" ein“ (21.10.2026)

Der Deutschlandfunk bestätige das Ende mit der Ausgabe vom 8. Dezember und ordne «Emma» als über Jahrzehnte prägendes Sprachrohr des Feminismus ein. Anders als der ausführliche dpa-Hintergrund konzentriere sich der Beitrag auf die Gründung, die gesellschaftliche Wirkung und die Kritik an Schwarzers Russland-Position.

Frankfurter Rundschau: „'Emma'-Magazin eingestellt: Alice Schwarzer kündigt Datum für letzte Ausgabe an“ (21.10.2026)

Die Frankfurter Rundschau bestätige ebenfalls das Datum der letzten Ausgabe und stelle die wirtschaftliche Begründung in den Mittelpunkt. Zusätzlich betone der Artikel die Kontroversen der vergangenen Jahre, den gescheiterten Wechsel in der Chefredaktion und die Übernahme des Archivs durch das Deutsche Literaturarchiv Marbach.

Beide Beiträge seien sich beim Ende des Magazins und beim Termin der letzten Ausgabe einig. Unterschiede lägen vor allem in der Gewichtung von gesellschaftlicher Wirkung, politischen Konflikten und der Frage, wie das Erbe von «Emma» künftig bewahrt werde.

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