Sabotage in Deutschland / Russischer Geheimdienst soll hinter BrandsÀtzen in Luftfracht stecken
23.04.2025 - 06:00:03 | presseportal.de
Den neuen Informationen zufolge werden offenbar mehrere ranghohe GRU-Angehörige in Verbindung mit den SabotageplĂ€nen gebracht. Dazu soll unter anderem ein GRU-Oberst gehören, der seit Dezember 2024 von der EuropĂ€ischen Union sanktioniert ist. In der veröffentlichten SanktionsbegrĂŒndung heiĂt es, der GRU-Oberst habe ĂŒber soziale Medien âAgenten fĂŒr Sabotageakte in der Unionâ rekrutiert.
Im Juli des vergangenen Jahres waren an den FlughĂ€fen Leipzig/Halle und Birmingham sowie in einem Warschauer Vorort Versandpakete in Flammen aufgegangen. Die BrandsĂ€tze sollen in Massagekissen versteckt gewesen sein, die sich zusammen mit Kosmetika und Sex-Spielzeug in den Paketen befanden. Sicherheitsbehörden zufolge sei es nur ein glĂŒcklicher Zufall gewesen, dass die Pakete nicht wĂ€hrend des Fluges Feuer gefangen hĂ€tten. Als Teil der Operation sollen auch Flugrouten nach Nordamerika ausgekundschaftet worden sein.
WDR, NDR und SĂŒddeutsche Zeitung können jetzt erstmals Fotos des Leipziger Brandsatzes veröffentlichen und den genauen Ablauf der mutmaĂlich russischen Geheimdienstoperation rekonstruieren. Die Aufnahmen zeigen das AusmaĂ des Brandes und belegen, wie gefĂ€hrlich es gewesen wĂ€re, wenn das Feuer im Frachtraum wĂ€hrend des Fluges ausgebrochen wĂ€re.
In Litauen, Polen, Bosnien-Herzegowina und GroĂbritannien haben die Ermittler bereits VerdĂ€chtige festgenommen. Es handelt sich bei den mutmaĂlichen TĂ€tern vor allem um sogenannte Wegwerf-Agenten, in Sicherheitskreisen âLow-Level-Agentenâ genannt. Damit sind keine offiziellen Mitarbeiter von Nachrichtendiensten gemeint, sondern Personen, die etwa ĂŒber Messengerdienste wie Telegram angeworben werden, um bestimmte Aufgaben zu ĂŒbernehmen, ohne die genauen HintergrĂŒnde der gesamten Operation zu kennen.
Den Recherchen zufolge gehen europĂ€ische Sicherheitsbehörden davon aus, dass in die Aktion ein Netzwerk von rund zehn Personen involviert gewesen sein soll,. Eine Spur fĂŒhrte die Ermittler den Recherchen zufolge auch in eine ostdeutsche GroĂstadt. Dort wurde im Februar die Wohnung eines Ukrainers durchsucht. Er soll mit einem weiteren Mann Kontakt gehabt haben, der die Pakete mit den BrandsĂ€tzen aufgegeben haben soll. Der Ukrainer in Ostdeutschland gilt nicht als Beschuldigter.
Mehrere Behördenvertreter warnen vor der Gefahr durch russische Sabotageversuche: âLeben von Menschen interessieren sie nichtâ, sagt Darius JauniĆĄkis, langjĂ€hriger Chef des litauischen Geheimdienstes VSD. âEin Flugzeug runterzuholen ist akzeptabel fĂŒr sie.â Bruno Kahl, PrĂ€sident des Bundesnachrichtendienstes, beklagte im Zusammenhang mit den Sabotageaktionen, dass ganz konkret inzwischen auch die Scheu nicht mehr gemacht wird, Menschenleben zu gefĂ€hrden oder ganz gezielt auch aufs Spiel zu setzen.
James Appathurai, der bei der Nato unter anderem fĂŒr Strategien zur Abwehr hybrider Angriffe zustĂ€ndig ist, erklĂ€rt weiter: âEin Flugzeug kann Feuer fangen und alle an Bord töten. Es kann auf einen Wohnort fallen und die Menschen, die dort leben, töten. Und genau aus diesen GrĂŒnden halten wir das fĂŒr eine Eskalation.â Die russische Botschaft in Berlin bestritt auf Anfrage, dass Moskau hinter den VorfĂ€llen stecke und sprach von âParanoiaâ und âVerschwörungstheorienâ.
WDR, NDR und SZ veröffentlichen am 23.04. (ab 5:30 Uhr) die Ergebnisse einer langfristigen Recherche zu russischen Sabotage-Aktionen in Deutschland. Die Recherchen zeigen, dass Deutschland und Europa lĂ€ngst Schauplatz eines hybriden Krieges sind. Auch mit Hilfe so genannter Wegwerf-Agenten ( âLow-Level-Agentenâ) versucht Russland Deutschland zu destabilisieren.
In der ARD-Story im Ersten âSabotage â Deutschland in Putins Visierâ (am heutigen Mittwoch, 23.4.2025, ab 6 Uhr in der ARD-Mediathek unter https://1.ard.de/Russlands_Sabotage und nach den Tagesthemen um 22.50 Uhr im ARD-Programm/Das Erste) werden die Ergebnisse der Recherchen prĂ€sentiert. Berichtet wird auĂerdem in den aktuellen ARD-Programmen und in mehreren Folgen des Tagesschau-Podcasts 11km.
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