Landtagswahl Mecklenburg-Vorpommern, Manuela Schwesig

Landtagswahl Mecklenburg-Vorpommern: AfD knapp vor SPD – Schwesig hofft auf neue Koalition

Veröffentlicht am: 20.09.2026 um 22:17 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Bei der Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern liefern sich SPD und AfD ein Kopf-an-Kopf-Rennen, die Rechtspopulisten liegen in den Hochrechnungen knapp vorn. Ministerpräsidentin Manuela Schwesig hofft dennoch auf eine neue Koalition und die Fortsetzung ihrer Regierung.

  • Die amtierende Ministerpräsidentin Schwesig gibt ihre Stimme ab.   - Bild: Jens Büttner/dpa
    Die amtierende Ministerpräsidentin Schwesig gibt ihre Stimme ab. - Bild: Jens Büttner/dpa
  • Der AfD-Kandidat für das Ministerpräsidentenamt Leif-Erik Holm bei der Stimmabgabe.  - Bild: Jens Büttner/dpa
    Der AfD-Kandidat für das Ministerpräsidentenamt Leif-Erik Holm bei der Stimmabgabe. - Bild: Jens Büttner/dpa
  • Schwesig präsentierte sich im Wahlkampf als Frau gegen Blau.  - Bild: Jens Büttner/dpa
    Schwesig präsentierte sich im Wahlkampf als Frau gegen Blau. - Bild: Jens Büttner/dpa
  • Schwesigs SPD hat Platz knapp verpasst.  - Bild: Bernd Wüstneck/dpa
    Schwesigs SPD hat Platz knapp verpasst. - Bild: Bernd Wüstneck/dpa
Die amtierende Ministerpräsidentin Schwesig gibt ihre Stimme ab.   - Bild: Jens Büttner/dpa Der AfD-Kandidat für das Ministerpräsidentenamt Leif-Erik Holm bei der Stimmabgabe.  - Bild: Jens Büttner/dpa Schwesig präsentierte sich im Wahlkampf als Frau gegen Blau.  - Bild: Jens Büttner/dpa Schwesigs SPD hat Platz knapp verpasst.  - Bild: Bernd Wüstneck/dpa

Bei der Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern liegen AfD und SPD in den Hochrechnungen dicht beieinander, mit einem knappen Vorsprung für die AfD, während Ministerpräsidentin Manuela Schwesig dennoch auf eine Fortsetzung ihrer Regierung mit neuen Koalitionspartnern hofft.

SPD und AfD im engen Rennen um Platz eins

Hochrechnungen von ARD und ZDF zufolge erreicht die AfD zwischen 38,1 und 38,3 Prozent der Stimmen und liegt damit knapp vor der SPD, die auf 35,4 bis 35,5 Prozent kommt. Neben diesen beiden Parteien zieht demnach noch die Linke mit 6,5 Prozent sicher in den Landtag ein. Grüne mit 5,6 Prozent sowie CDU und BSW mit jeweils 4,9 Prozent müssen dagegen ernsthaft um den Einzug in das Schweriner Parlament bangen. Für die CDU wäre ein Verfehlen der Fünf-Prozent-Hürde gleichbedeutend mit dem erstmaligen Ausscheiden aus einem Landesparlament in Deutschland.

Schwesigs Kampagne als „Frau gegen Blau“

Die SPD hat ihre Aufholjagd maßgeblich Schwesig zu verdanken, die die Wahl zur Richtungsentscheidung machte und sich als „Frau gegen Blau“ inszenierte. Noch vor einem Jahr lag die SPD in einer Umfrage bei rund 19 Prozent, während die AfD doppelt so stark war. Selbst zu Beginn des Sommers rangierte die SPD deutlich unter 30 Prozent und hinter der AfD. Im Verlauf des Wahlkampfs gelang es der Amtsinhaberin jedoch, den Rückstand kontinuierlich zu verkleinern und die SPD wieder an die AfD heranzuführen.

Wahlkampf mit Nähe zu Bürgern und Distanz nach Berlin

Neben ihren Aufgaben als Regierungschefin tourte Schwesig nach Angaben aus der Partei unermüdlich durch das flächenmäßig sechstgrößte Bundesland. Sie setzte weniger auf große Reden, sondern auf persönliche Gespräche und den Auftritt als Kümmerin, die Sorgen anhört und konkrete Hilfe verspricht. Inhaltlich grenzte sich Schwesig bei umstrittenen Themen wie Rentenreform oder Spritpreisen sichtbar von der in Mecklenburg-Vorpommern wenig beliebten Bundesregierung ab und präsentierte sich als Garantin für Stabilität und Demokratie. Unterstützend wirkten mehrere milliardenschwere Verträge mit Unternehmen, etwa für ein großes Rechenzentrum bei Rostock und einen Großauftrag für Konverterplatten an die Rostocker Werft, die in die Wahlkampfzeit fielen.

Verluste für kleinere Parteien

Der Rostocker Politikwissenschaftler Jan Müller sieht die Aufholjagd der SPD zulasten der Linken und der CDU. Die Christdemokraten fahren den Hochrechnungen zufolge ihr historisch schlechtestes Ergebnis bei einer Landtagswahl in der Bundesrepublik ein. Parteien wie Linke, Grünen, CDU und BSW fühlen sich im Lagerwahlkampf zwischen SPD und AfD zerrieben. Dass am Wahlabend gleich mehrere kleinere Parteien um das Überspringen der Fünf-Prozent-Hürde bangen müssen, ist nach Müllers Einschätzung eine direkte Folge dieser Polarisierung.

AfD mit Rekordergebnis und Sperrminorität

Die AfD kann ihr Ergebnis im Nordosten statistisch als weiteren Erfolg nach dem Sieg in Sachsen-Anhalt verbuchen. Im Vergleich zur Landtagswahl vor fünf Jahren, als sie 16,7 Prozent holte, hat sie ihr Ergebnis mehr als verdoppelt. Im Wahlkampf setzte die Partei vor allem auf Migrationsängste und Themen der inneren Sicherheit sowie der sozialen Sicherung. Dennoch erreicht sie nicht den Durchbruch wie in Sachsen-Anhalt. Politologe Müller betont, die AfD werde zwar voraussichtlich nicht die Regierung anführen, habe aber deutlich an Macht gewonnen. Mit einer Sperrminorität im Landtag könne sie etwa die Ernennung von Verfassungsrichtern blockieren, die ihr nicht genehm seien.

Doppelspitze kostet die AfD Stimmen

Als mögliche Schwäche der AfD gilt das Konstrukt einer Doppelspitze mit Leif-Erik Holm und Enrico Schult. Holm trat als Kandidat für das Ministerpräsidentenamt auf, während Schult Spitzenkandidat auf der Landesliste war. Dies erweckte den Eindruck, Holm habe sich für den Fall abgesichert, dass es mit dem Regierungsamt in Schwerin nicht klappt. Statt als möglicher Oppositionsführer im Landtag zu agieren, bliebe er in diesem Szenario Bundestagsabgeordneter in Berlin.

Schwierige Koalitionssuche für Schwesig

Im Wahlkampf hatte die AfD der CDU mehrfach Koalitionsangebote gemacht, doch die Christdemokraten schlossen eine Zusammenarbeit mit AfD und Linken grundsätzlich aus. Das erschwert auch Schwesig die Regierungsbildung, sofern die CDU den Einzug in den Landtag schafft. Eine Fortsetzung der bisherigen rot-roten Koalition reicht den Hochrechnungen zufolge nicht für eine Mehrheit. Als mögliche Option gilt daher eine Ausweitung auf Rot-Rot-Grün. Sollten BSW und CDU ins Parlament einziehen, könnte jedoch auch dieses Bündnis knapp werden.

Mögliche Bündnisse ohne BSW

Ohne ein Mandat des BSW verbleibt als weitere Konstellation die Bildung einer rot-schwarz-grünen Koalition, sofern CDU und Grüne im Landtag vertreten sind. Fest steht nach dem Wahlabend, dass keine Partei allein regieren kann und die Regierungsbildung in Schwerin zu einer komplizierten Suche nach tragfähigen Mehrheiten werden dürfte.

Historische Verschiebungen im Parteiensystem

Die Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern markiert eine deutliche Verschiebung im politischen Kräfteverhältnis des Landes. Die AfD erzielt ein historisch hohes Ergebnis und wird stärkste Kraft, während die SPD nach einem langen Tief wieder kräftig zulegt und knapp dahinter landet. Bemerkenswert ist, dass erstmals gleich mehrere etablierte Parteien – CDU, BSW und Grüne – gleichzeitig um den Einzug in den Landtag bangen. Das unterstreicht die Zuspitzung auf einen Lagerwahlkampf zwischen SPD und AfD, in dem kleinere Parteien deutlich an Boden verlieren.

Konsequenzen für Regierungsbildung und Institutionen

Für die Regierungsbildung entsteht eine komplexe Lage. Da die AfD keine Koalitionspartner hat und die CDU eine Zusammenarbeit mit AfD und Linken ausgeschlossen hat, konzentriert sich die Suche nach Mehrheiten auf Konstellationen unter Führung der SPD. Rot-Rot erhält nach den Hochrechnungen keine eigene Mehrheit, Rot-Rot-Grün hängt davon ab, ob BSW und CDU ins Parlament einziehen. Ohne BSW käme auch eine rot-schwarz-grüne Koalition infrage, sofern CDU und Grüne die Fünf-Prozent-Hürde überwinden. Parallel dazu gewinnt die AfD mit einer Sperrminorität erheblichen Einfluss auf institutionelle Entscheidungen, etwa bei der Wahl von Verfassungsrichtern, was die Machtbalance im Landtag dauerhaft verändern kann.

Bundespolitischer Kontext und Signalwirkung

Die SPD in Mecklenburg-Vorpommern setzt sich damit gegen den negativen Bundestrend ihrer Partei durch. Ministerpräsidentin Manuela Schwesig gelingt es, die Wahl zur Richtungsentscheidung „Frau gegen Blau“ zu stilisieren, sich von der unpopulären Bundesregierung zu distanzieren und gleichzeitg wirtschaftliche Großprojekte im Land zu präsentieren. Dass die AfD trotz Rekordergebnis den „Durchbruch“ wie in Sachsen-Anhalt verfehlt, zeigt zugleich Grenzen ihres Wachstums, wenn eine populäre Amtsinhaberin mobilisieren kann. Für andere Bundesländer liefert die Wahl Hinweise, wie stark regionale Führungspersonen und lokale Themen die bundespolitische Stimmung überlagern können und welche Risiken ein radikalisierter Lagerwahlkampf für die kleineren Parteien birgt.

Disclaimer...

de | unterhaltung | 70140131 |