Gesellschaft, Psychologie

MDR-Y-Kollektiv: „Wegen Handy in die Klinik!?“ – wenn Mediennutzung zur Sucht wird

Veröffentlicht: 06.07.2026 um 09:54 Uhr, presseportal.de

Leipzig - „Ja, ich war sehr lange einsam – will man natĂŒrlich nicht fĂŒhlen. Dann macht man den Computer an und plötzlich ist es gar nicht mehr so schlimm“, gesteht Eddy aus Leipzig. Und dieser Dopamin-Kick macht sĂŒchtig. Wo aber hört eine gesunde Mediennutzung auf? Die MDR-Reportage „Y-Kollektiv: Wegen Handy in die Klinik!?“ hinterfragt die weit verbreitete exzessive Mediennutzung gerade junger Menschen. Ab sofort ist der Film in der ARD Mediathek.

MDR-Y-Kollektiv: „Wegen Handy in die Klinik!?“ – wenn Mediennutzung zur Sucht wird - Bild: presseportal.de
MDR-Y-Kollektiv: „Wegen Handy in die Klinik!?“ – wenn Mediennutzung zur Sucht wird - Bild: presseportal.de

Der letzte Blick vor dem Einschlafen, der erste Griff nach dem Aufwachen: Das Smartphone ist fĂŒr die meisten heute unverzichtbar. Und wenn es nicht das Smartphone ist, sitzen viele vorm Rechner. Doch wo endet die Gewohnheit und wo beginnt eine Sucht? In der Y-Kollektiv-Reportage des MDR „Wegen Handy in die Klinik!?“ begibt sich Reporterin Helena Brinkmann in eine Welt zwischen Dauer-Online-Sein und radikalem Verzicht. Sie wirft einen ungeschönten Blick auf das PhĂ€nomen der Mediensucht, eine „Epidemie“, deren Fallzahlen seit der Corona-Pandemie drastisch gestiegen sind. Dennoch haben es Betroffene oft nicht leicht, Anerkennung und Hilfe zu bekommen. Da Mediensucht im aktuellen Diagnosesystem der Krankenkassen noch nicht vollumfĂ€nglich als eigenstĂ€ndiges Krankheitsbild verankert ist, fehlen vielerorts TherapieplĂ€tze, wĂ€hrend die Gesellschaft das Problem hĂ€ufig noch als bloßes „Lifestyle-PhĂ€nomen“ belĂ€chelt.

Die neue MDR-Reportage rĂ€umt mit diesem Vorurteil auf und zeigt: Mediensucht ist kein Mangel an Disziplin, sondern eine ernsthafte psychische Störung. Ob Gaming, Social Media oder Streaming – moderne Algorithmen sind darauf programmiert, das Belohnungssystem zu kapern und die AbhĂ€ngigen in einer digitalen Endlosschleife festzuhalten. In den USA laufen erste Klagen gegen Tech-Konzerne wie Meta, weil gerade Social Media-Algorithmen sĂŒchtig machen.

Robert Schöneck, Direktor der Saluskliniken Lindow, beschreibt mögliche Folgen der Sucht: „Wenn jemand im realen Leben Schwierigkeiten hat, soziale Kontakte zu knĂŒpfen, fĂ€llt es in der virtuellen Welt oft leichter. Dabei gehen jedoch wichtige Erfahrungen verloren, etwa dass zum Beispiel in einem jugendlichen Alter auch mal ein GefĂŒhl entsteht: ‚Ich werde nicht gemocht – aber ich ĂŒberwinde es und suche mir andere Kontakte.‘“ Das seien wichtige Erfahrungen im echten Leben. Fehlten sie, wĂŒrde „dieses GefĂŒhl von Großartigkeit im Virtuellen immer grĂ¶ĂŸer“, wĂ€hrend sich im realen Leben zugleich „das GefĂŒhl: ‚Ich tauge nichts im Realen‘“ verstĂ€rke. Die Folge sei noch mehr Vereinsamung – und eine Gesellschaft, die immer weiter auseinanderdrifte.

Genau diese Erfahrung hat Eddy aus Leipzig gemacht: „VerdrĂ€ngung und Vermeidung von Konflikten und negativen GefĂŒhlen sind auf jeden Fall ein Thema bei mir. Das fing an, als ich schon im Kindergarten gemobbt wurde 
 Anschluss habe ich dann ĂŒber Gaming gefunden. Mit 14 gab‘s auch Streitereien in der Familie 
 ich habe nicht viel davon mitbekommen, weil ich immer gut abgelenkt war mit meinem Nintendo.“ Eddy tauchte immer mehr in seine eigene Welt ab, wenn es schwierig wurde.

Im Zentrum des Films stehen Betroffene wie Eddy, deren Alltag ĂŒberwiegend vor dem Bildschirm stattfindet oder stattfand, und die essenzielle Frage: Wie kommt man aus dieser AbhĂ€ngigkeit wieder raus? Die Reportage verzichtet dabei auf die klassische Distanz reiner ExpertengesprĂ€che und setzt stattdessen auf authentische Begegnungen und hautnahe Einblicke. Helena Brinkmann begleitet die verschiedenen Protagonisten auf ihrem Weg. Die Zuschauerinnen und Zuschauer erleben, was es bedeutet, wenn sich ein junger Mensch fĂŒr einen radikalen Schritt entscheidet: den stationĂ€ren Entzug in einer Fachklinik. Wie entkommt man in einer durchdigitalisierten Welt dem stĂ€ndigen Mediankonsum, der bisher den gesamten Takt vorgegeben hat? Und wie findet man wieder zurĂŒck ins Leben?

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