Deutschland, Schleswig-Holstein

Hilfskonzept für Wal soll überarbeitet werden – vieles offen

22.04.2026 - 19:42:54 | dpa.de

Nach der erneuten Strandung des Buckelwals vor Poel ist das bisherige Rettungskonzept überholt. Wie es weitergeht, bleibt offen.

Helfer schütten Wasser auf den Rücken des Tieres. - Foto: Jens Büttner/dpa
Helfer schütten Wasser auf den Rücken des Tieres. - Foto: Jens Büttner/dpa

Eine Woche nach dem Start eines privat organisierten Rettungsversuchs für den vor Poel gestrandeten Buckelwal ist unklar, wie das Tier aus seiner misslichen Lage befreit werden soll. Das ursprünglich vorgeschlagene Konzept, es mit Luftkissen anzuheben und mit Pontons und einer Plane abzutransportieren, sei überholt, sagte Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus (SPD) bei einer Pressekonferenz auf der Ostsee-Insel Poel. «Wir müssen das Konzept überarbeiten.»

«Das ist nun mal ein lebender Organismus und er hat gezeigt, dass er schwimmen will», betonte Backhaus. Wie ein überarbeitetes Konzept aussehen könnte, blieb dennoch weitgehend unklar. Eigentlich war laut Backhaus geplant, dass sich die Privatinitiative hinter dem Rettungsversuch ebenfalls bei dem Pressetermin äußert. Dazu kam es nicht. Diese habe aber erklärt, man arbeite mit Hochdruck an der weiteren Ausarbeitung des Konzeptes. Danach werde sie sich öffentlich zum Vorgehen äußern, sagte Backhaus.

Wal liegt «in einer Badewanne»

Nach rund drei Wochen an derselben Stelle in der Kirchsee - einem Teil der Wismarbucht - war der Wal Anfang der Woche nach einem Anstieg des Wasserpegels freigekommen und losgeschwommen. Wenig später saß er wieder fest am Übergang der Kirchsee zum Rest der Wismarbucht, durch die der Weg in die Ostsee führen würde. Inzwischen strandete das Tier fünf- bis sechsmal, wenn man seine Bewegungen am Montag berücksichtige, sagte Backhaus.

Die Rettungsbemühungen konzentrieren sich nach Angaben der Initiative aktuell darauf, dem Tier mehr Platz zu verschaffen. Schon am Dienstag hatten Helfer mit Saug- und Spültechnik den Untergrund bearbeitet, so dass der Wal inzwischen tiefer im Wasser liegt und möglichst wenig Eigengewicht auf ihm lastet. Laut Backhaus liege das Tier «in einer Badewanne, bildlich gesprochen».

Wegen der Sonneneinstrahlung sei der Meeressäuger zudem wieder mit Tüchern abgedeckt worden, hieß es von der Initiative. Demnach bot man dem rund zwölf Tonnen schweren Tier am Dienstag auch zweieinhalb Kilogramm Fisch an. Es habe aber nicht gefressen.

Backhaus rechtfertigt Hilfsaktion

Backhaus verteidigte die Rettungsaktionen. «Wer nichts macht, macht auch keine Fehler», sagte er auf Poel. Er analysiere sich «selbstverständlich» jeden Tag, so Backhaus. «Aber wir können gemeinsam sagen: Wir haben es versucht. Und der Versuch macht klug.» Am Umgang mit dem Tier gab es immer wieder von verschiedenen Seiten Kritik. Das Land duldet und überwacht aktuell die Maßnahmen der Privatinitiative.

Backhaus sieht die aktuelle Einschätzung durch die Internationale Walfangkommission (IWC) bestätigt, die am Dienstag ein Statement veröffentlicht hatte. Die wiederholten Eingriffe beim Wal hätten weder zu seiner nachhaltigen Genesung noch zu seiner Rückkehr in sichere Gewässer geführt. «Stattdessen strandete der Wal immer wieder und sein Zustand verschlechterte sich weiter», hieß es. Weitere aktive Versuche könnten nur zusätzliches Leid verursachen.

Das Gremium bekräftigte, dass jeder weitere Rettungsversuch vor allem unter dem Gesichtspunkt des Tierschutzes bewertet werden müsse. Eine ruhige und palliative Versorgung bleibe unter den gegebenen Umständen der verantwortungsvolle, humane und pragmatische Weg. «Diese Einschätzung deckt sich mit der wissenschaftlichen Bewertung, die von Anfang an Grundlage unseres Handelns war», sagte Backhaus.

Nabu äußert sich besorgt

Der Naturschutzbund (Nabu) verfolgt die Aktionen der Privatinitiative am Wal derweil mit Sorge. «Zu geschwächt und krank scheint der Buckelwal, zu lang sein Leiden, zu auffällig die wiederholten Strandungen», heißt es in einer Mitteilung. Die Naturschutzorganisation forderte, für die Zukunft Lehren zu ziehen: «Nur wenn wir gemeinsam Meeresschutzgebiete wirksam machen, die Fischerei nachhaltiger und die Nährstoffeinträge aus der Landwirtschaft abstellen, hat die Ostsee eine Zukunft, und mit ihr die Wale, Robben und Seevögel an unseren Küsten.»

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