Kap Verde, Argentinien

Hantavirus: Auch Deutsche von Kreuzfahrtschiff geholt

06.05.2026 - 15:35:36 | dpa.de

Nachdem es mehrere Hantavirus-FÀlle und in der Folge drei Todesopfer gab, soll das Kreuzfahrtschiff «Hondius» Kurs auf die Kanaren nehmen. Mehrere VerdachtsfÀlle werden in die Niederlande gebracht.

  • Gesundheitspersonal verlĂ€sst die unter niederlĂ€ndischer Flagge fahrende «Hondius». (Archivbild) - Foto: Qasem Elhato/AP/dpa
    Gesundheitspersonal verlÀsst die unter niederlÀndischer Flagge fahrende «Hondius». (Archivbild) - Foto: Qasem Elhato/AP/dpa
  • Ein Ambulanzflugzeug startet in Kap Verde mit evakuierten Patienten vom Kreuzfahrtschiff «Hondius» vom Flughafen.  - Foto: Misper Apawu/AP/dpa
    Ein Ambulanzflugzeug startet in Kap Verde mit evakuierten Patienten vom Kreuzfahrtschiff «Hondius» vom Flughafen. - Foto: Misper Apawu/AP/dpa
  • Auf einer Sonderisolierstation können hochinfektiöse Patienten behandelt werden. (Archivbild) - Foto: Thomas Banneyer/dpa
    Auf einer Sonderisolierstation können hochinfektiöse Patienten behandelt werden. (Archivbild) - Foto: Thomas Banneyer/dpa
  • Das Schiff lag zuletzt unweit von Praia, Kap Verde. (Archivbild) - Foto: Arilson Almeida/AP/dpa
    Das Schiff lag zuletzt unweit von Praia, Kap Verde. (Archivbild) - Foto: Arilson Almeida/AP/dpa
  • Drei infizierte Passagiere wurden mit zwei Spezialflugzeugen evakuiert. - Foto: Peter Dejong/AP/dpa
    Drei infizierte Passagiere wurden mit zwei Spezialflugzeugen evakuiert. - Foto: Peter Dejong/AP/dpa
Gesundheitspersonal verlÀsst die unter niederlÀndischer Flagge fahrende «Hondius». (Archivbild) - Foto: Qasem Elhato/AP/dpa Ein Ambulanzflugzeug startet in Kap Verde mit evakuierten Patienten vom Kreuzfahrtschiff «Hondius» vom Flughafen.  - Foto: Misper Apawu/AP/dpa Auf einer Sonderisolierstation können hochinfektiöse Patienten behandelt werden. (Archivbild) - Foto: Thomas Banneyer/dpa Das Schiff lag zuletzt unweit von Praia, Kap Verde. (Archivbild) - Foto: Arilson Almeida/AP/dpa Drei infizierte Passagiere wurden mit zwei Spezialflugzeugen evakuiert. - Foto: Peter Dejong/AP/dpa

Nach tagelanger Unsicherheit auf dem vom Ausbruch des Hantavirus getroffenen Kreuzfahrtschiff «Hondius» gibt es endlich Aussicht fĂŒr die knapp 150 Menschen an Bord. Spanien erteilte dem unter niederlĂ€ndischer Flagge fahrenden Schiff die Erlaubnis, einen Hafen auf den Kanarischen Inseln anzulaufen, und zwar auf der Urlaubsinsel Teneriffa.

Drei Menschen wurden inzwischen unter medizinischer Begleitung von Bord des Schiffes geholt, wie die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und das niederlĂ€ndische Außenministerium mitteilten. Sie seien mit zwei Spezialflugzeugen unterwegs in die Niederlande, hieß es. Eines der beiden Flugzeuge landete am Abend auf dem Flughafen Schiphol in Amsterdam.

Der zweite Flieger mit zwei Patienten an Bord musste aber einen technischen Zwischenstopp auf Gran Canaria einlegen. Grund sei ein Defekt an einer Isolationskapsel, berichtete der TV-Sender RTVE am Abend unter Berufung auf die Delegation der spanischen Zentralregierung auf den Kanaren. Die Insassen sollen an Bord bleiben, der Flug werde bald fortgesetzt. Marokko habe zuvor eine Landung auf seinem Staatsgebiet verweigert, hieß.

 

Zu den drei Personen, die zunĂ€chst in die Niederlande geflogen werden, gehört laut Ministerium eine 65 Jahre alte Deutsche, die in engem Kontakt mit der deutschen Frau stand, die an Bord gestorben war. Die 65-JĂ€hrige solle in einer Klinik in DĂŒsseldorf untersucht werden. Sie habe bisher keine Symptome. Nach der Landung des Flugzeugs waren EinsatzkrĂ€fte aus DĂŒsseldorf auf dem Rollfeld zu sehen.

«Rein vorsorglich zur medizinischen AbklÀrung»

Die Feuerwehr DĂŒsseldorf und das UniversitĂ€tsklinikum DĂŒsseldorf (UKD) ĂŒbernehmen gemeinsam den Transport nach Deutschland und die vorsorgliche medizinische AbklĂ€rung, berichtete das Klinikum. Man gehe davon aus, dass die betreffende Person nicht infiziert sei. «Es handelt sich um eine Kontaktperson ohne bestĂ€tigten Nachweis einer Hantavirus-Infektion. Die Aufnahme erfolgt rein vorsorglich zur medizinischen AbklĂ€rung», betonte das Klinikum. Zur betroffenen Person machte die Klinik keine Angaben. 

Die beiden anderen Personen sind Crew-Mitglieder. Ein Brite (56) und ein NiederlÀnder (41) sind nach Angaben der Reederei krank und brauchen dringend medizinische Hilfe. 

Seit Tagen liegt das kleine Kreuzfahrtschiff vor Kap Verde vor Anker, nachdem es vom seltenen Hantavirus getroffen worden war. Drei Menschen sind bisher gestorben, darunter auch eine deutsche Frau. Mehrere Menschen sind erkrankt. 

Spezialklinik auf Teneriffa – Proteste auf den Kanaren

Die ĂŒbrigen Passagiere werden nach Angaben der spanischen Gesundheitsministerin MĂłnica GarcĂ­a auf dem Kreuzfahrtschiff zur Kanaren-Insel Teneriffa fahren, wo sie voraussichtlich innerhalb von drei bis vier Tagen im Nebenhafen Granadilla de Abona im SĂŒden der Insel anlegen werden. Auf Teneriffa gibt es eine auf Epidemien spezialisierte Klinik. Dort sollen Besatzung und Passagiere untersucht und gegebenenfalls medizinisch versorgt werden. SpĂ€ter könnten sie in ihre jeweiligen HeimatlĂ€nder zurĂŒckkehren. 

Spanien hatte nach eigenen Angaben in Abstimmung mit der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und der EU gemĂ€ĂŸ internationalem Recht und humanitĂ€ren Prinzipien entschieden, dem Schiff die Erlaubnis zum Anlegen zu erteilen. 

Streit in Spanien um Hantavirus-Schiff

Doch auf den Kanarischen Inseln sorgte die geplante Ankunft des Schiffes fĂŒr Aufregung. Der PrĂ€sident der Kanaren, Fernando Clavijo, protestierte gegen das Vorhaben der spanischen Zentralregierung und der WHO. Er beklagt «fehlende Transparenz» und fordert ein «dringendes Treffen» mit Spaniens Regierungschef Pedro SĂĄnchez. Ministerin GarcĂ­a wies aber alle BefĂŒrchtungen zurĂŒck und versicherte, die Aktion berge kein Risiko fĂŒr die Kanaren. Alle verbleibenden Personen an Bord seien asymptomatisch.

Spanien werde alle auslĂ€ndischen Betroffenen ĂŒber einen europĂ€ischen Katastrophenschutzmechanismus in die jeweiligen HeimatlĂ€nder zurĂŒckfĂŒhren, erklĂ€rte GarcĂ­a. Die Spanier sollen zunĂ€chst in ein MilitĂ€rkrankenhaus in Madrid gebracht werden. Dort sollen sie medizinisch betreut werden und falls nötig auch einige Zeit in QuarantĂ€ne bleiben.

«Gesundheitsrisiko klein»

Die WHO bekrÀftigte erneut, dass die Gefahr der Infizierung klein sei. «In dieser Phase bleibt das gesamte öffentliche Gesundheitsrisiko niedrig», so der WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus auf X. 

Was die Ursache der Infizierung war und wie sich das Virus weiter verbreiten konnte, ist unklar. Die WHO vermutet, dass sich zunÀchst das inzwischen gestorbene niederlÀndischen Ehepaar bereits an Land infiziert habe, bevor es in Argentinien an Bord ging. Inzwischen ist nachgewiesen, dass es sich in mindestens zwei FÀllen um die Andes-Variante des Virus handelt. Und bei dieser Variante sind auch Infektionen von Mensch zu Mensch bei langem, direktem Kontakt möglich. 

NiederlÀndisches Opfer war noch im Flugzeug

Die infizierte niederlĂ€ndische Frau war kurz vor ihrem Tod noch in Johannesburg an Bord eines Flugzeuges gewesen und sollte damit zurĂŒck nach Amsterdam fliegen. Doch die Frau sei so krank gewesen, dass die Crew beschlossen habe, sie nicht mitzunehmen, teilte die Fluggesellschaft KLM in Amsterdam mit. Die Frau musste demnach das Flugzeug verlassen. Einen Tag spĂ€ter starb sie im Krankenhaus von Johannesburg. 

KLM war eigenen Angaben nach erst am Dienstagabend von den niederlĂ€ndischen Gesundheitsbehörden ĂŒber den Tod der Frau informiert worden. Alle Passagiere des Fluges werden nun von den Behörden vorsorglich informiert. 

Neuer Fall in der Schweiz

Inzwischen gibt es einen weiteren Infektionsfall. Ein Passagier des Kreuzfahrtschiffes «Hondius» wurde nach seiner RĂŒckkehr in die Schweiz positiv auf das Hantavirus getestet. Er wird nach Angaben der Behörden im UniversitĂ€tsspital ZĂŒrich behandelt. 

Der Mann war mit seiner Ehefrau Ende April aus SĂŒdamerika zurĂŒckgekehrt. Die Ehefrau habe keine Symptome. Auch die Schweizer Behörden schĂ€tzen das Risiko fĂŒr die Bevölkerung gering ein. 

Stimmung an Bord gut

Die Reise der «Hondius» hatte vor gut sieben Wochen an der SĂŒdspitze Argentiniens begonnen - fĂŒr die Passagiere eine Traumreise mit zahlreichen Natur-Expeditionen bis nach Kap Verde. Als ein NiederlĂ€nder am 11. April stirbt, ist das zunĂ€chst ein Einzelfall. Seine Frau verlĂ€sst das Schiff, um mit ihrem toten Mann in die Niederlande zurĂŒckzukehren. Doch auch sie stirbt gut zwei Wochen spĂ€ter in Johannesburg. Am selben Tag wird ein britischer Passagier an Bord schwer krank. Er liegt nun auf der Intensivstation in SĂŒdafrika. 

SpÀtestens ab dem 2. Mai herrscht Alarmstufe eins. Dann stirbt die deutsche Frau an Bord. Und zwei Crewmitglieder sind erkrankt. 

Ab jetzt gelten fĂŒr die noch verbleibenden 87 Passagiere und 61 Besatzungsmitglieder Regeln, wie man sie aus der Corona-Zeit kennt. Abstand halten und HĂ€nde desinfizieren, sagte etwa die belgische Helene (61) der belgischen Zeitung «Het Laatste Nieuws»: «Die UmstĂ€nde sind ziemlich gut. Wir machen uns natĂŒrlich Sorgen um unsere kranken Passagiere.»

Die Stimmung an Bord ist nach Angaben der Reederei gut. Doch einem jungen amerikanischen YouTuber wurde die Unsicherheit doch zu viel. Er stellte in seinen Account ein emotionales Video. «Die Unsicherheit ist nun am schwersten. Wir können nur hoffen, dass wir wieder sicher nach Hause kommen.»

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