Neue Ausgabe: MilitĂ€rgeschichte. Zeitschrift fĂŒr historische Bildung 4/ 2026
Veröffentlicht am: 14.10.2026 um 10:55 Uhr | presseportal, AD HOC NEWS
Fantasy und MilitÀr
Wie kam es dazu, dass der "Ork" im aktuellen Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine eine so prominente Rolle einnehmen konnte? Wie wurden die russischen Invasoren zu "Orks" und warum tauchen sie in deren Gestalt inzwischen selbst auf Werbeplakaten der ukrainischen Armee auf? Wie kam es dazu, dass der Google-Ăbersetzer "Russland" bei der Ăbersetzung ins Ukrainische zu "Mordor" machte? Und wie hĂ€ngen Krieg, MilitĂ€r und Fantasy-Literatur ĂŒberhaupt miteinander zusammen?
Diesen Fragen geht Nils Birk in seinem Beitrag nach und analysiert, wie Geschichten Kriege prĂ€gen. Ausgehend von Tolkiens "Herr der Ringe" zeigt er auf, wie Mythen, Narrative und vor allem die Figur des "Orks" den Sprung in die RealitĂ€t vollzogen und dem ukrainischen Verteidigungskampf eine eigene Bildsprache verleihen. Aber auch weit darĂŒber hinaus prĂ€gen die Tolkien'schen Fantasiewelten die Sprache moderner KriegfĂŒhrung.
Die Schlacht bei Hastings
König Charles III., der britische Premierminister Andy Burnham und der französische PrĂ€sident Emmanuel Macron stehen im Herbst 2026 staunend vor einem einzigartigen historischen Artefakt: dem Teppich von Bayeux - einer historischen Bildquelle, welche die Geschichte beider LĂ€nder untrennbar verbindet. Auf dem Teppich festgehalten ist die Schlacht bei Hastings. Vor 960 Jahren, im Oktober 1066, brach der normannische Herzog Wilhelm der Eroberer von der französischen KĂŒste nach England auf und es gelang ihm, den englischen König Harald II. vernichtend zu schlagen. Nicht nur militĂ€rhistorisch ist diese Schlacht von besonderer Bedeutung, wie Martin Hofbauer aufzeigt. Wilhelm der Eroberer wurde anschlieĂend zum englischen König gekrönt. Normannische Kultur und Herrschaftsvorstellungen hatten langfristig einen prĂ€genden Einfluss in England.
Der Suezkrieg
Ăbersteht ein BĂŒndnis militĂ€rische AlleingĂ€nge eines oder mehrerer seiner Partner? Schiffsblockaden im Nahen Osten? Die Kooperation einzelner VerbĂŒndeter mit gegnerischen Staaten? Was sich wie den gestrigen Nachrichten entnommen anhört, liegt in diesem Fall bereits 70 Jahre zurĂŒck: all diese Aspekte finden sich im Suezkrieg von 1956. Der Ă€gyptische PrĂ€sident Gamal Abdel Nasser verstaatlichte damals den Suezkanal.
Dagegen vorgehen wollten Briten und Franzosen in einer geheimen Allianz mit Israel. MilitĂ€risch war das BĂŒndnis erfolgreich, doch Nasser wehrte sich mit anderen Mitteln. Er versenkte mehrere Schiffe im Suezkanal und gefĂ€hrdete dadurch die Ălversorgung Mitteleuropas. AuĂerdem hatten die Alliierten nicht mit dem Widerstand der USA gerechnet, die in die PlĂ€ne ihrer VerbĂŒndeten nicht eingeweiht waren. In der Folge kooperierten die USA in den Vereinten Nationen mit ihrem Erzfeind, der Sowjetunion, um das Vorgehen der eigenen BĂŒndnispartner zu stoppen. Ein militĂ€rhistorischer Krimi, dem Winfried Heinemann in seinem Beitrag auf die Spur geht.
Zivilverteidigung im Kalten Krieg
Die Einrichtung neuer SchutzrĂ€ume, die Neuauflage einer bundesweiten Warn-App, regelmĂ€Ăige Sirenenproben am 6. September eines jeden Jahres, 100 Milliarden fĂŒr die Bundeswehr, aber auch 100 Millionen fĂŒr die Zivilverteidigung. Noch nie wurde so viel fĂŒr Verteidigung - die militĂ€rische wie die zivile - getan, wie seit dem russischen Ăberfall auf die Ukraine 2022. Noch nie seit Ende des Kalten Krieges. Denn vor 1989/90 war die Bedrohungslage ebenfalls hoch. Die Bundesrepublik bereitete MaĂnahmen fĂŒr einen möglichen Angriff des Warschauer Paktes vor. Dass, damals wie heute, die zivilen und die militĂ€rischen Anteile der Verteidigung unabdingbar miteinander zusammenhĂ€ngen und sogar voneinander abhĂ€ngig sind, zeigt Cornelia Juliane Grosse in ihrem Beitrag fĂŒr die Rubrik "Im Blickpunkt". Schlaglichtartig zeichnet sie ein Bild der umfĂ€nglichen MaĂnahmen der Zivilverteidigung, zu der weit mehr gehört als Sirenentests und SchutzraumplĂ€tze.
SFOR
Anfang der 1990er-Jahre war der Westbalkan eine Krisenregion. In den Jugoslawienkriegen kĂ€mpften ab 1991 die Volksgruppen der Region um UnabhĂ€ngigkeit, staatliche EigenstĂ€ndigkeit und ethnische Vorherrschaft. Die blutige Auseinandersetzung wurde 1995 durch das Dayton-Abkommen eingehegt. Im UN-Auftrag und NATO-gefĂŒhrt wurden zuerst die internationale IFOR (Implementation Force) und anschlieĂend die SFOR (Stabilisation Force) eingesetzt, die mit einem robusten Mandat ausgestattet das Ende der Kampfhandlungen erzwingen und die Lage stabilisieren sollten. Inwieweit es gelang, diesen Auftrag umzusetzen, und wie sich die Bundeswehr an dem Einsatz beteiligte, beleuchtet Agilolf Kesselring in seinem Beitrag.
Munition im Meer
Die Ostsee ist vermeintlich ein ruhiges BinnengewĂ€sser, in dem - abgesehen von dem ein oder anderen Wal - nur selten etwas AuĂergewöhnliches auftaucht. Doch so ruhig die Ostsee oberflĂ€chlich scheinen mag, wird es doch unruhiger, wirft man einen Blick unter die WasseroberflĂ€che. Dies tun Christian Jentzsch und Uwe Wichert in ihrem Beitrag. Sie zeigen auf, wie die Ostsee zu einem Sammelbecken fĂŒr Munitionsaltlasten wurde, die dort auch heute noch massenhaft unter der OberflĂ€che lagern. Es ist ein gefĂ€hrliches Erbe, das auch ĂŒber 80 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges noch in den Tiefen der Ostsee schlummert und einer Beseitigung weitgehend harrt.
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