Rosalie Thomass kritisiert Gewalt-Darstellung in Krimis
Veröffentlicht am: 30.09.2026 um 08:54 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
«Tatort»- und «Polizeiruf»-Schauspielerin Rosalie Thomass hat die Darstellung von Gewalt gegen Frauen in Fernsehkrimis kritisiert.
Kritik an Bildern von Frauen als Opfer
«Die geschĂ€ndete, blonde, dekorative, nackte Frauenleiche im GebĂŒsch oder in der Böschung am Fluss - kann ich dir gar nicht sagen, wie lange ich mich da schon drĂŒber aufrege», sagte die 39-JĂ€hrige im Podcast «Zwischen den Zeilen» von Fernsehmoderatorin Bettina Böttinger.
Thomass schloss sich damit Böttingers Kritik an. Die Moderatorin sagte, sie habe am «Tatort» und am «Polizeiruf» in den vergangenen Jahren das Motiv der verfolgten, gequÀlten oder ermordeten Frau oft gestört.
Thomass kritisiert «Male Gaze»
Thomass sagte, sie rege sich darĂŒber «seit vielen, vielen Jahren» auf. Die Begeisterung fĂŒr True Crime, also fĂŒr reale KriminalfĂ€lle, könne sie nicht nachvollziehen. In der RealitĂ€t gebe es «jeden zweiten oder dritten Tag einen Feminizid».
Das eigentliche Problem sei fĂŒr sie der «Male Gaze», also der mĂ€nnliche Blick. Wenn die Darstellung einer blutĂŒberströmten, zerstochenen Frau nicht hinterfragt werde, finde man dies irgendwann normal, sagte Thomass.
Neue Ermittlerin im Franken-Tatort
Thomass ist ab Oktober als Emilia Rathgeber im Franken-«Tatort» zu sehen. Sie spielt die neue Kollegin von Felix Voss, dargestellt von Fabian Hinrichs.
In ihrem ersten gemeinsamen Fall «Gottesgarten» werden die Ermittler am 25. Oktober zu einem NĂŒrnberger Stundenhotel gerufen. Dort ist ein TravestiekĂŒnstler erstochen aufgefunden worden. Bei Szenen mit sexualisierter Gewalt könne man laut Thomass prĂŒfen, ob diese ĂŒberhaupt nötig seien oder ob sich das Geschehen ĂŒber den Ton erzĂ€hlen lasse.
Was Femizid bedeutet
Wenn Frauen aufgrund ihres Geschlechts getötet werden, spricht man von einem Femizid. Als hÀufigste Form gilt die Tötung von Frauen durch Partner oder Ex-Partner.
Gewalt gegen Frauen als gesellschaftliches Thema
Thomassâ Kritik trifft auf eine Debatte, die ĂŒber einzelne Krimihandlungen hinausweist. Wenn Frauen in fiktionalen Stoffen wiederholt vor allem als sexualisierte Opfer erscheinen, kann dies etablierte ErzĂ€hlmuster bestĂ€tigen: Die Perspektive richtet sich dann stĂ€rker auf die Inszenierung des Verbrechens als auf die betroffene Person, ihre Lebensgeschichte oder die Folgen der Tat.
Der Begriff Femizid bezeichnet die Tötung einer Frau aufgrund ihres Geschlechts. Besonders hĂ€ufig geht es um Taten im sozialen Nahbereich, etwa durch Partner oder frĂŒhere Partner. Damit unterscheidet sich das reale Gewaltgeschehen von vielen Krimiplots, die spektakulĂ€re unbekannte TĂ€ter, zufĂ€llige Opfer und besonders drastische Tatorte bevorzugen.
Relevanz fĂŒr Fernsehen und Publikum
Die Diskussion betrifft deshalb nicht nur einzelne Szenen, sondern auch die Verantwortung von Drehbuch, Regie und Sendern. Gewalt kann erzĂ€hlt werden, ohne sie auszustellen: durch die Folgen fĂŒr Angehörige und Ermittler, durch GerĂ€usche, Andeutungen oder die konsequente Perspektive der Betroffenen. FĂŒr Zuschauerinnen und Zuschauer ist die Frage relevant, ob Spannung aus der AufklĂ€rung eines Falls entsteht oder aus der Ă€sthetischen Darstellung des Leids.
