Nachhaltigkeit, Arzneimittel

Tiergesundheit gestalten - Innovation, Sicherheit und Nachhaltigkeit im Fokus

08.05.2026 - 10:40:46 | presseportal.de

Bonn - Politisches Umfeld im Wandel: Zwischen Unsicherheit, Neuausrichtung und Handlungsdruck

Tiergesundheit gestalten - Innovation, Sicherheit und Nachhaltigkeit im Fokus - Foto: presseportal.de
Tiergesundheit gestalten - Innovation, Sicherheit und Nachhaltigkeit im Fokus - Foto: presseportal.de

Das politische Umfeld war durch die Regierungsneubildung mit komplexen Koalitionsverhandlungen und einem Reformwillen mit angezogener Handbremse geprĂ€gt. Dringend benötigte und durchgreifende strukturelle Reformen waren nicht erkennbar. In der neuen Legislaturperiode wurden bereits in der vorherigen Legislatur begonnene Gesetzesinitiativen wieder aufgegriffen, darunter insbesondere Änderungen am Tierarzneimittelgesetz (TAMG). Die Neuordnung der ZustĂ€ndigkeiten im fĂŒr die Branche wichtigen Bundesministerium fĂŒr Landwirtschaft, ErnĂ€hrung und Heimat (BMLEH) sollen Impulse zu weniger BĂŒrokratie und Verbesserungen im Export setzen.

Auf internationaler Ebene beeinflusste die US-PrĂ€sidentschaft weiterhin maßgeblich die geopolitische Lage. Anhaltende Unsicherheiten in Bezug auf Handelspolitik und internationale Konflikte wirkten sich auch auf die Rahmenbedingungen fĂŒr die Tiergesundheitsbranche und die fĂŒr sie in vielen Facetten bedeutende chemische Industrie aus.

Vor diesem Hintergrund ist die Branche gefordert, internationale Entwicklungen aufmerksam zu verfolgen und sich an verÀnderte Rahmenbedingungen anzupassen, obwohl sie sich zugleich in einem wirtschaftlich herausfordernden Umfeld bewegt, in dem verlÀssliche Rahmenbedingungen und ein investitionsfreundliches Klima dringend erforderlich wÀren.

Zugleich gewann das Thema Versorgungssicherheit zunehmend an politischer Bedeutung. Sowohl im Bereich der Arzneimittel als auch bei Lebensmitteln und ErnÀhrung wird die Sicherstellung stabiler Lieferketten aufgrund zunehmender internationaler Krisen verstÀrkt als sicherheitsrelevant betrachtet.

Überbordende BĂŒrokratie, steigende Kosten, AusbrĂŒche von neuen und alten Tierseuchen sowie steigende gesellschaftliche Erwartungen mit Blick auf Tierwohl, Klima- und Umweltschutz prĂ€gen den Alltag. FĂŒr die Tiergesundheitsindustrie als forschungsintensive und hochregulierte Branche werden jedoch die Schaffung innovationsfreundlicher und verlĂ€sslicher Rahmenbedingungen mit einem klaren Bekenntnis zum Innovationsstandort Deutschland dringend benötigt.

Darauf aufbauend können die Tiergesundheitsunternehmen Forschung und Entwicklung vorantreiben, um das Produktportfolio an Tierarzneimitteln, Impfstoffen und weiteren Lösungen fĂŒr die Praxis stetig weiterzuentwickeln.

Das ist insbesondere dann wichtig, wenn innovative Impfstoffe oder Diagnostika schnell verfĂŒgbar sein sollen, wenn Zulassungsprozesse praxistauglicher gestaltet werden oder wenn es um ein realistisches Tiergesundheitsmanagement geht, das alle therapeutischen Optionen zur VerfĂŒgung hat.

Insbesondere Gesundheitslösungen fĂŒr kleine Indikationsgebiete geraten zunehmend unter den Druck der bĂŒrokratischen Lasten.

Die Überwindung nationaler Sonderwege und eine konsequente 1:1-Umsetzung von EU-Recht, die Ermöglichung digitaler Packungsbeilagen (eLeaflet), die Möglichkeit, in begrĂŒndeten FĂ€llen Ware mit nicht-deutschsprachiger Kennzeichnung in den Markt zu bringen, der Abbau doppelter Meldepflichten - etwa im Bereich Antibiotika - sowie eine Flexibilisierung von Arbeitszeitenregelungen waren Forderungen der Branche.

Auch im Jahr 2025 blieb die Tierseuchensituation angespannt. Es kam zu AusbrĂŒchen der Maul- und Klauenseuche, ab Herbst zu einem massiven Seuchenzug der hochpathogenen aviĂ€ren Influenza (HPAI) sowie zu anhaltenden FĂ€llen von Afrikanischer Schweinepest (ASP) und Blauzungenkrankheit (BTV). Im europĂ€ischen Umfeld traten zudem Lumpy Skin Disease (LSD), Newcastle Disease (ND) und Epizootische HĂ€morrhagie (EHD) auf. Diese Entwicklung machte deutlich, dass eine strategische Neuausrichtung der TierseuchenbekĂ€mpfung mit stĂ€rkerem Fokus auf PrĂ€vention notwendig ist, da die Tötung großer TierbestĂ€nde wirtschaftlich und gesellschaftlich zunehmend nicht tragbar ist und die "social licence to operate" gefĂ€hrdet.

Entwicklung des Tierarzneimittelmarktes

Auch in 2025 lag der Gesamtumsatz (MAT) wie im Vorjahr ĂŒber einer Milliarde. Das VerhĂ€ltnis von Kleintier- zu Nutztiersegment bliebt mit 60,6% zu 39,4% weitgehend unverĂ€ndert zum Vorjahr.

Der Tierarzneimittelmarkt in Deutschland wuchs in 2025 als SchÀtzung auf den Gesamtmarkt um 4,7% auf 1.098 Mio. EUR. Auf die TeilmÀrkte entfielen mit 485.7 Mio. EUR (+4,9) 44,2% auf Pharmazeutische SpezialitÀten, 24,1 % auf Impfstoffe mit 264.8 Mio. EUR (+11,3%), mit 199.7 Mio. EUR (+0,3%) auf Antiparasitika 18,1 % sowie auf Antiinfektiva 13,4% mit 147.8 Mio. EUR (-0,5%).

Im Segment der SpezialitÀten machten Therapeutika zur Schmerzkontrolle mit 129,1 Mio. EUR (+4,3%), gegen Hauterkrankungen 65,4 Mio. EUR (+8,0%) sowie gegen Herz-Kreislauferkrankungen 37,4 Mio. EUR (+8,2%) aus.

Das Marktwachstum wurde getragen durch die positiven Entwicklungen in der PrĂ€vention, besonders im Nutztiersegment. Einfluss nahm die Seuchensituation im Rinderbereich. Pferdehalter zeigten sich sensibel gegenĂŒber dem zunehmenden Vorkommen des West-Nil-Virus. Insgesamt gestiegene Kosten der Pferdehaltung wirken sich jedoch dĂ€mpfend auf das Pferdesegment aus.

Die regelmĂ€ĂŸige Gesundheitsvorbeuge und FĂŒrsorge, insbesondere fĂŒr das Ă€ltere Haustier trugen wesentlich zur Entwicklung im Kleintiersegment bei. Krankheitsvorbeuge durch Impfung und regelmĂ€ĂŸige Parasitenkontrolle zeigten sich stabil.

Die Entwicklung des Antiinfektiva-Segmentes weist darauf hin, dass in der veterinÀrmedizinischen Versorgung die Prinzipien der verantwortungsvollen Anwendung mit etablierten Anwendungsvorgaben und kontinuierlichem Monitoring tief verankert sind.

In 2025 beeintrĂ€chtigten Schwierigkeiten des Bezugs von Ausgangsstoffen von Lieferanten außerhalb Europas die Liefersituation in den verschiedenen Segmenten.

Der Tiergesundheitsmarkt kann auf eine stetig positive Entwicklung in vier Jahrzehnten der Marktbeobachtung blicken. Um die regelmĂ€ĂŸige Versorgung der Tiere und die notwendigen Innovationen sicherzustellen, bleibt es fĂŒr die veterinĂ€rpharmazeutische Industrie wichtig, die WettbewerbsfĂ€higkeit der Industrie in Deutschland und Europa deutlich zu stĂ€rken.

Abdruck Text und Foto (nur in Verbindung mit dieser Meldung) honorarfrei bei Quellenangabe.

Weitere Informationen:

Bundesverband fĂŒr Tiergesundheit e.V.
Martin Lohmann, Koblenzer Str. 121-123, 53177 Bonn,
Tel. 0228 / 31 82 96, E-Mail bft@bft-online.de, www.bft-online.de

Original-Content von: Bundesverband fĂŒr Tiergesundheit e.V. ĂŒbermittelt durch news aktuell

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