Vom Herd in den Knast - Schuhbeck ist jetzt HĂ€ftling
23.08.2023 - 17:36:48 | dpa.deJahrzehntelang war Alfons Schuhbeck fester Bestandteil der MĂŒnchner Bussi-Bussi-Gesellschaft, bewirtete Promis und wurde dabei selbst einer. Er hat die Queen bekocht und Charlie Chaplin - dann fiel er tief. Jetzt sitzt der Star-Koch im GefĂ€ngnis.
Heute trat er in der Justizvollzugsanstalt Landsberg am Lech seine Haftstrafe wegen Steuerhinterziehung an, wie JVA-Leiterin Monika Groà bestÀtigt.
Schuhbecks Anwalt Tobias Pretsch will sich dazu nicht Ă€uĂern. «Wir werden uns zu Ihrer Anfrage nicht Ă€uĂern und kommentieren die Verlautbarungen der Staatsanwaltschaft nicht. Gleiches gilt fĂŒr unseren Mandanten», hatte er auch schon gesagt, nachdem die Staatsanwaltschaft MĂŒnchen I Schuhbeck in der vergangenen Woche zum Haftantritt geladen hatte.
Verurteilung wegen Steuerhinterziehung
Der Star-Koch war im Oktober vergangenen Jahres wegen Steuerhinterziehung in Millionenhöhe zu drei Jahren und zwei Monaten Haft verurteilt worden. 2,3 Millionen Euro hat Schuhbeck nach Ansicht des Landgerichts hinterzogen. Das Gericht war ĂŒberzeugt davon, dass Schuhbeck mehr als 1000 Mal in die Kasse von zwei seiner Restaurants gegriffen und so Geld hat verschwinden lassen. Dazu nutzte er ein Computerprogramm, das ein Angestellter in seinem Auftrag erstellt hatte.
Schon ab einer Million ist eine Haftstrafe nach aktueller Rechtsprechung nahezu unumgÀnglich. Doch Schuhbeck kÀmpfte weiter, legte - obwohl er vor Gericht nach einigem Zögern weitgehend gestanden hatte - Revision gegen das Urteil ein, das der Bundesgerichtshof (BGH) in Karlsruhe im Juni allerdings weitgehend bestÀtigte. Es sei «im Wesentlichen rechtskrÀftig», entschied der BGH.
Wie lange Schuhbeck nun konkret in Haft bleiben muss, ist unklar. Der Rest einer Freiheitsstrafe kann im Regelfall dann zur BewĂ€hrung ausgesetzt werden, wenn zwei Drittel der Haftstrafe verbĂŒĂt sind.
Eine Aussetzung schon nach VerbĂŒĂung der HĂ€lfte (die sogenannte «Halbstrafe») kommt nach Angaben der Staatsanwaltschaft aus dem November 2022 dann in Betracht, wenn der Verurteilte erstmals eine Freiheitsstrafe verbĂŒĂt und diese zwei Jahre nicht ĂŒbersteigt - «oder die GesamtwĂŒrdigung von Tat, Persönlichkeit der verurteilten Person und ihrer Entwicklung wĂ€hrend des Strafvollzugs ergibt, dass besondere UmstĂ€nde vorliegen», wie eine Sprecherin damals sagte. «Im Falle von Herrn Schuhbeck mĂŒsste die zustĂ€ndige Strafvollstreckungskammer besondere UmstĂ€nde erkennen.»
Wenn jemand sich selbst stellt oder auf Rechtsmittel verzichtet, seien das noch keine besonderen UmstĂ€nde, sagte sie damals. «Besondere UmstĂ€nde mĂŒssen sich aus der GesamtwĂŒrdigung von Tat, Persönlichkeit des Verurteilten und seiner Entwicklung wĂ€hrend des Strafvollzugs ergeben. Das Gesamtbild muss sich deutlich von den anderen vergleichbaren FĂ€llen abheben.» Allerdings mĂŒsse immer auch in Betracht gezogen werden, dass bei einem fortgeschritteneren Alter eines HĂ€ftlings auch eine höhere Haftempfindlichkeit vorliegen könne.
Starkoch vor den TrĂŒmmern seiner Karriere
Schuhbeck steht nach dem Urteil und nach der Insolvenz seiner Restaurants vor den TrĂŒmmern einer groĂen, langen Karriere. Geblieben sind nur noch seine GewĂŒrzlĂ€den, die von der Schuhbecks Company verwaltet werden und um die es zuletzt auch immer wieder Streit gab wegen ausgebliebener Mietzahlungen.
Inzwischen wurde auch gegen Schuhbeck selbst ein Insolvenzverfahren eröffnet. Die GlĂ€ubigerversammlung ist fĂŒr September terminiert. AuĂerdem lĂ€uft eine RĂ€umungsklage gegen ihn, weil die Miete fĂŒr seine Privatwohnung nicht fristgerecht gezahlt worden sein soll. Eine fĂŒr Anfang August geplante Gerichtsverhandlung wurde aber «auf Antrag beider Parteivertreter» auf Ende Oktober verlegt - wohl, um eine auĂergerichtliche Einigung zu erreichen.
Auch nach seiner Verurteilung und dem Verlust seiner Restaurants und Fernseh-Engagements arbeitete Schuhbeck weiter, trat im «Teatro» auf, das ihm ebenfalls nicht mehr gehört und sang dort «I can't help falling in love» oder «Sweet Caroline». Bis kurz vor seinem Haftantritt gab er noch Kochkurse in seinem GewĂŒrzladen und trug, wann immer er im Zentrum seines frĂŒheren Imperiums am MĂŒnchner Platzl gesehen wurde, seine strahlend weiĂe Kochjacke.
Stellenanzeige sorgte fĂŒr Wirbel
Kurz bevor der 74-JĂ€hrige seine Haftstrafe nun antrat, hatte eine Stellenanzeige der Justizvollzugsanstalt Landsberg am Lech Schlagzeilen gemacht. Darin suchte das GefĂ€ngnis, in dem er nun seine Strafe wegen Steuerhinterziehung verbĂŒĂen wird, einen neuen Koch.
Die Stelle könne aber nicht von Gefangenen besetzt werden, sagte der stellvertretende Leiter der JVA auf Anfrage. Zudem hĂ€tten sich bis zum Ablauf der Bewerbungsfrist vor gut einem Monat schon mehrere Interessenten fĂŒr die Stelle als Koch oder BĂ€cker gemeldet.
Als Rentner wird Schuhbeck im GefĂ€ngnis nicht arbeiten mĂŒssen - aber er könnte freiwillig in der KĂŒche helfen. Zur «Bild» sagte er nach Angaben der Zeitung erst vor kurzem: «Ich kann mich nicht hinsetzen und DĂ€umchen drehen.»
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