Wolf Biermann, Benjamin Netanjahu

Wolf Biermann wirft Netanjahu Antisemitismus und Kriegsverbrechen vor

Veröffentlicht am: 05.10.2026 um 11:49 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Wolf Biermann erhebt schwere Vorwürfe gegen die israelische Regierung und Ministerpräsident Benjamin Netanjahu. Anlass sind die Veröffentlichung seiner Tagebücher und ein Interview mit der Deutschen Presse-Agentur.

  • Wolf Biermann äußert sich anlässlich der Veröffentlichung seiner Tagebücher kritisch zur israelischen Regierung. - Bild: Marcus Brandt/dpa
    Wolf Biermann äußert sich anlässlich der Veröffentlichung seiner Tagebücher kritisch zur israelischen Regierung. - Bild: Marcus Brandt/dpa
  • Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu steht im Mittelpunkt von Biermanns scharfer Kritik an der Politik Israels. (Archivbild) - Bild: Ronen Zvulun/Pool Reuters/dpa
    Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu steht im Mittelpunkt von Biermanns scharfer Kritik an der Politik Israels. (Archivbild) - Bild: Ronen Zvulun/Pool Reuters/dpa
Wolf Biermann äußert sich anlässlich der Veröffentlichung seiner Tagebücher kritisch zur israelischen Regierung. - Bild: Marcus Brandt/dpa Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu steht im Mittelpunkt von Biermanns scharfer Kritik an der Politik Israels. (Archivbild) - Bild: Ronen Zvulun/Pool Reuters/dpa

Der Liedermacher Wolf Biermann hat der israelischen Regierung und Ministerpräsident Benjamin Netanjahu vorgeworfen, im Gazastreifen Kriegsverbrechen zu begehen und Israel in einen „brutalen Unterdrückerstaat“ zu verwandeln.

Scharfe Kritik an Netanjahu

„Was sie jetzt in Israel im Gazastreifen machen, ist natürlich kein Genozid, aber es ist ein Kriegsverbrechen. Ohne Wenn und Aber! Das tut vielen Menschen auf der Welt weh. Aber mir doppelt und dreifach“, sagte Biermann der Deutschen Presse-Agentur. Der 89-Jährige hat jüdische Wurzeln; seine Familie wurde im Holocaust ermordet.

Mit Blick auf Netanjahu und dessen Regierung sagte Biermann, die „schlimmsten und gefährlichsten Antisemiten“ lebten „im Moment in Israel“. Die politische Führung sei dabei, das Land „in einen reaktionären, brutalen Unterdrückerstaat zu verwandeln“.

Hoffnung auf demokratisches Israel verloren

Seine Hoffnung auf ein demokratisches und menschliches Israel sei dahin, sagte Biermann. Mit Bezug auf Johann Wolfgang von Goethes „Faust II“ sprach er von „Lemuren“ in Israel. In dem Drama sind Lemuren Totengeister, die dem Teufel dienen.

Tagebücher und neue Veröffentlichungen

Biermann stellt am 7. Oktober auf der Frankfurter Buchmesse unter dem Titel „Ihr löscht das Feuer mit Benzin“ Auszüge aus seinen Tagebuchaufzeichnungen vor. Darin geht es vor allem um seine Zeit in der DDR sowie um die Jahre nach seiner Ausbürgerung bis zum Fall der Mauer 1989.

Biermann wird am 15. November 90 Jahre alt. Am 16. November jährt sich seine Ausbürgerung aus der DDR zum 50. Mal.

Mehrere Projekte zum Jubiläum

Zu diesem Anlass erscheinen neben den Tagebüchern ein Lyrikband und eine neu aufgelegte Ausgabe eines Kinderbuchs. Außerdem veröffentlicht Biermann zwei neue Musikalben und geht auf Tournee.

Am 29. Oktober soll zudem der biografische Dokumentarfilm „Biermann“ von Regisseur Jens Meurer Premiere feiern.

Kritik im Schatten des Gaza-Kriegs

Biermanns Äußerungen fallen in eine Phase, in der der Krieg im Gazastreifen die internationale Debatte über Israels Vorgehen prägt. Der Angriff der Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023 und die anschließende israelische Militäroperation haben eine anhaltende humanitäre und politische Krise ausgelöst. Die Bewertung des israelischen Vorgehens reicht von der Betonung des Selbstverteidigungsrechts bis zu schweren Vorwürfen wegen möglicher Verstöße gegen das humanitäre Völkerrecht.

Begriffe mit besonderem Gewicht

Die von Biermann gezogene Verbindung zwischen israelischer Regierung und Antisemitismus ist politisch und historisch besonders scharf. Seine jüdische Familiengeschichte und die Ermordung seiner Angehörigen im Holocaust bilden den persönlichen Hintergrund seiner Kritik, ersetzen aber keine rechtliche Bewertung der Vorgänge in Gaza. Der Begriff Genozid ist Gegenstand internationaler juristischer Verfahren und politischer Auseinandersetzungen; Biermann grenzt ihn in seinen Äußerungen ausdrücklich vom Vorwurf eines Kriegsverbrechens ab.

Bedeutung für die deutsche Debatte

Die Wortmeldung dürfte vor allem deshalb Aufmerksamkeit erhalten, weil Biermann seit seiner Ausbürgerung aus der DDR 1976 als prominenter Kritiker autoritärer Herrschaft gilt und seine Stimme in deutschen Debatten großes Gewicht hat. Zugleich zeigt der Vorgang, wie stark der Gaza-Krieg auch Kultur, Erinnerungspolitik und den innerdeutschen Streit über Antisemitismus berührt. Für Leser ist entscheidend, zwischen persönlicher politischer Bewertung, völkerrechtlichen Vorwürfen und gerichtlichen Feststellungen zu unterscheiden. Biermanns bevorstehende Veröffentlichungen und Auftritte geben seiner Kritik zusätzliche öffentliche Reichweite.

Disclaimer...

de | unterhaltung | 70231864 |