Zwei Drittel der jungen Menschen haben digitale sexualisierte Gewalt, sexuelle Beleidigungen oder BelÀstigung erlebt
27.03.2026 - 11:53:55 | presseportal.de
Viele junge Menschen in Deutschland machen Erfahrungen mit sexualisierter Gewalt: Rund zwei Drittel (64 %) der 5.855 befragten Jugendlichen und jungen Erwachsenen haben mindestens eine Form sexualisierter Gewalt ohne Körperkontakt erlebt, knapp ein Drittel (29 %) berichtet zudem von mindestens einer Erfahrung mit sexualisierter Gewalt mit Körperkontakt. Das zeigt eine aktuelle Sonderauswertung der 10. Welle der JugendsexualitĂ€tsstudie des Bundesinstituts fĂŒr Ăffentliche Gesundheit (BIĂG). Zu den Formen ohne Körperkontakt zĂ€hlen z. B. das gezielte Anbahnen sexueller Kontakte mit MinderjĂ€hrigen im Internet (Cybergrooming), sexualisierte Beleidigungen oder das Zusenden sexueller Bilder oder Filme. Zu den Formen mit Körperkontakt zĂ€hlen ungewollte bzw. erzwungene körperliche BerĂŒhrungen oder sexuelle Handlungen. Junge Frauen sind davon doppelt so hĂ€ufig betroffen wie junge MĂ€nner.
Die Daten zeigen auĂerdem, dass Jugendliche sexualisierte Gewalt hĂ€ufig durch Gleichaltrige erfahren (sexualisierte Peer-Gewalt) - und dies nicht selten in Anwesenheit oder mit Kenntnis anderer Gleichaltriger. Die meisten Betroffenen vertrauen sich nach der ersten körperlichen Gewalterfahrung mindestens einer anderen Person an. Hier spielen vor allem Freundinnen und Freunde eine wichtige Rolle (51 %), doch auch die Eltern sind relevante Vertrauenspersonen (33 %).
Insgesamt bestĂ€tigen die Ergebnisse der 10. Trendwelle der JugendsexualitĂ€tsstudie in weiten Teilen nationale und internationale Untersuchungen. Demnach sind Jugendliche in verschiedenster Form mit sexualisierter Gewalt konfrontiert: Sie sind hĂ€ufig betroffen, sie können aber auch selbst die ĂŒbergriffige und gewaltausĂŒbende Person sein. Des Weiteren sind junge Menschen auch sogenannte Bystander, das heiĂt, sie sind in der Situation anwesend, mitwissend oder werden im Nachgang von anderen Gleichaltrigen ins Vertrauen gezogen. Die Befunde belegen, dass das Jugendalter eine Phase erhöhten Risikos fĂŒr sexualisierte Gewalt (unter Gleichaltrigen) ist und Beobachtende und Mitwissende sowohl vor, wĂ€hrend als auch nach Situationen sexualisierter Gewalt eine wichtige Rolle spielen. MaĂnahmen zur PrĂ€vention von sexualisierter Gewalt sollten daher sowohl die Perspektive der Betroffenen, der BedrĂ€ngenden als auch derjenigen Jugendlichen, die bei Ăbergriffen dabei sind oder davon erfahren, berĂŒcksichtigen.
Mechthild Paul, Abteilungsleiterin SexualaufklĂ€rung, VerhĂŒtung, Familienplanung und stellvertretende Leiterin des Bundesinstituts fĂŒr Ăffentliche Gesundheit: "Unsere JugendsexualitĂ€tsstudie zeigt sehr klar: Viele junge Menschen erleben sexualisierte Gewalt unter Gleichaltrigen, online genauso wie offline. Deshalb ist es wichtig, dass sie lernen, Ăbergriffe zu erkennen und klar zu benennen. Gleichzeitig mĂŒssen wir sie darin bestĂ€rken, in riskanten Situationen sich und andere zu schĂŒtzen sowie Betroffenen zur Seite zu stehen. DafĂŒr brauchen junge Menschen sexuelle Bildung in Schule und Elternhaus sowie kompetente Ansprechpersonen in ihrem direkten Lebensumfeld. Mit dem Gesetz zur StĂ€rkung der Strukturen gegen sexualisierte Gewalt an Kindern und Jugendlichen hat das Bundesinstitut fĂŒr Ăffentliche Gesundheit seit Anfang 2026 den gesetzlichen Auftrag, PrĂ€vention und Schutz bundesweit auszubauen. Daran arbeiten wir jetzt: Auf der Grundlage dieser Erkenntnisse werden wir zielgruppenspezifische MaĂnahmen zur PrĂ€vention sexualisierter Gewalt entwickeln, die an den LebensrealitĂ€ten der jungen Menschen ansetzen."
Die Ergebnisse im Ăberblick:
Sexualisierte Gewalt ohne Körperkontakt
Sexualisierte Gewalt mit Körperkontakt
Versenden und Erhalten von intimen Fotos oder Videos gegen den Willen
Sexualisierte Gewalt im Beisein bzw. mit Kenntnis von anderen Personen (Bystander)
Weitere Studienergebnisse und Informationen zur Studie finden Sie hier:
Dinger, L., SchÀfer-Pels, A., Scharmanski, S. Sexualisierte Gewalterfahrungen, Bystander-Perspektiven und Disclosure junger Menschen - Ergebnisse aus der 10. Welle der JugendsexualitÀtsstudie. Bundesgesundheitsblatt (2026). https://doi.org/10.1007/s00103-026-04212-y
Informationen zur Studie:
Das Bundesinstitut fĂŒr Ăffentliche Gesundheit (BIĂG, ehemals Bundeszentrale fĂŒr gesundheitliche AufklĂ€rung, BZgA) fĂŒhrt regelmĂ€Ăig die reprĂ€sentative Wiederholungsbefragung "JugendsexualitĂ€t" durch. Die aktuelle Studie ist die zehnte Befragungswelle und schlieĂt methodisch an die VorgĂ€ngerstudien von 1980 bis 2019 an. Datengrundlage sind 5.855 bundesweit gefĂŒhrte Interviews. Der Erhebungszeitraum lag zwischen Februar und Juli 2025. Befragt wurden 3.514 Jugendliche im Alter von 14 bis 17 Jahren und 2.341 junge Erwachsene im Alter von 18 bis 25 Jahren. FĂŒr die Studie werden seit 1998 auch Daten zu Erfahrungen sexualisierter Gewalt erhoben, ein Zeitvergleich ist jedoch aufgrund methodischer Anpassungen nicht möglich.
Hilfsangebot fĂŒr betroffene Personen von sexualisierter Gewalt, Angehörige, FachkrĂ€fte und alle Interessierten:
Hilfe-Telefon Sexueller Missbrauch (0800 22 55 530)
Datenbank fĂŒr Fortbildungsangebote zu sexualisierter Gewalt in Kindheit und Jugend: www.fortbildungsnetz-sg.de
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Seit dem 13. Februar 2025 ist die Bundeszentrale fĂŒr gesundheitliche AufklĂ€rung (BZgA) das Bundesinstitut fĂŒr Ăffentliche Gesundheit (BIĂG). Das Bundesinstitut fĂŒr Ăffentliche Gesundheit ist eine Fachbehörde im GeschĂ€ftsbereich des Bundesministeriums fĂŒr Gesundheit.
Pressekontakt:
Bundesinstitut fĂŒr Ăffentliche Gesundheit (BIĂG)
Maarweg 149-161, 50825 Köln
Tel. 0221 8992-332
E-Mail: pressestelle@bioeg.de
www.bioeg.de
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