Anne Carson erhält Literaturnobelpreis 2026 für erfinderisches Werk
Veröffentlicht am: 08.10.2026 um 14:48 Uhr | dpa, AD HOC NEWSDie kanadische Dichterin und Autorin Anne Carson erhält den Literaturnobelpreis 2026.
Akademie würdigt erfinderisches Werk
Die Schwedische Akademie in Stockholm begründete die Auszeichnung mit Carsons „kühnen und erfinderischen Werk, das im spielerischen Dialog mit der klassischen Tradition neue Formen für die zeitgenössische Literatur geschaffen hat“. Carson ist 76 Jahre alt.
Die Ständige Sekretärin der Akademie, Ingrid Carlberg, berichtete, sie habe kurz mit der Preisträgerin telefoniert. Carson sei sehr überrascht gewesen und habe erzählt, dass sie sich in Island aufhalte, um dem Wind zuzuhören.
Antike Stoffe in neuen Formen
Carson wurde 1950 in Toronto geboren und studierte Griechisch. Ihre Arbeit als Dichterin, Übersetzerin und Hochschullehrerin verbindet klassische Literatur mit zeitgenössischer Poesie und Prosa.
Ihr erstes eigenes Buch „Eros the Bittersweet“ erschien 1986. Das Werk verbindet Roman, Poesie und altphilologische Abhandlung. Zu ihren bekanntesten Büchern zählt außerdem „Autobiography of Red“, in dem sie den griechischen Mythos des Riesen Geryon in die Gegenwart versetzt.
Bekanntes Werk auf Deutsch erschienen
„Autobiography of Red“ gilt als Carsons wichtigstes Werk. Auf Deutsch erschien das Buch 2019 gemeinsam mit dem Nachfolger „Red Doc“ unter dem Titel „Rot. Zwei Romane in Versen“.
Der Literaturkritiker Denis Scheck nannte die Auszeichnung verdient und bezeichnete Carson als wunderbare Autorin. Als kleinen Wermutstropfen fügte er hinzu, er hätte sich auch einen geteilten Preis mit der kanadischen Schriftstellerin Margaret Atwood vorstellen können.
Verleihung am 10. Dezember
Der Verlag Matthes & Seitz Berlin, bei dem vier Lyrikwerke Carsons erschienen sind, bezeichnete die Entscheidung als überraschend, obwohl Carson in den vergangenen Jahren wiederholt als mögliche Preisträgerin gehandelt worden sei. Der Verlag S. Fischer würdigte ihre Gedichte als Literatur, die Gewissheiten über Selbst, Form, Identität und Geschlecht ins Wanken bringe.
2025 war der Literaturnobelpreis an den ungarischen Schriftsteller László Krasznahorkai gegangen. Zuletzt hatte 2013 die Kanadierin Alice Munro den Preis erhalten. Der Literaturnobelpreis ist in diesem Jahr mit zwölf Millionen schwedischen Kronen dotiert und wird traditionell am 10. Dezember, dem Todestag Alfred Nobels, überreicht.
Eine Auszeichnung für Grenzgänge
Anne Carson verbindet klassische Philologie mit zeitgenössischer Lyrik, Prosa, Drama und Essay. Die Schwedische Akademie hebt damit ein Werk hervor, das nicht nur antike Stoffe bewahrt, sondern sie in neue literarische Formen überführt. Carson arbeitet häufig mit Übersetzungen, historischen Anspielungen und unterschiedlichen Medien; gerade diese Verbindung prägt ihre internationale Bedeutung.
Carsons 1986 veröffentlichter Essay „Eros the Bittersweet“ bildete eine wichtige Grundlage ihres späteren Schreibens. Bekannt wurde sie einem breiteren Publikum besonders durch „Autobiography of Red“, einen Roman in Versen über den mythischen Geryon, sowie durch „Nox“, das Trauer und Erinnerung in einer ungewöhnlichen Buchform verarbeitet. In Deutschland sind mehrere ihrer Werke in Übersetzungen erschienen, darunter „Rot. Zwei Romane in Versen“.
Bedeutung für die Gegenwartsliteratur
Der Preis lenkt Aufmerksamkeit auf eine Literatur, die sich einfachen Gattungs- und Identitätskategorien entzieht. Carson zeigt, wie antike Mythen Fragen von Liebe, Verlust, Geschlecht und Anderssein in der Gegenwart spiegeln können. Für Leserinnen und Leser bedeutet die Auszeichnung voraussichtlich ein breiteres Interesse an einer Autorin, deren Bücher oft zwischen wissenschaftlicher Reflexion und poetischer Erzählung stehen.
Mit zwölf Millionen schwedischen Kronen ist der Literaturnobelpreis in diesem Jahr höher dotiert als zuvor. Die Verleihung findet traditionell am 10. Dezember in Stockholm statt; für den deutschen Buchmarkt dürfte die Entscheidung vor allem neue Übersetzungen, Nachauflagen und eine stärkere Auseinandersetzung mit Carsons vielfach ausgezeichnetem Werk anstoßen.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
DER SPIEGEL: „Kanadische Autorin: Nobelpreis für Literatur geht an Anne Carson“ (08.10.2026)
Der Bericht bestätige die Auszeichnung und stelle Carsons Verbindung von antiken Mythen, klassischer Philologie und modernen literarischen Formen heraus. Anders als die dpa-Meldung richte er den Schwerpunkt stärker auf einzelne Werke wie „Rot“, „The Glass Essay“ und „Nox“ sowie auf Carsons Zusammenarbeit mit Künstlern und Regisseuren.
n-tv: „Nobelpreis für Literatur geht an Kanadierin Anne Carson“ (08.10.2026)
Der Beitrag bestätige die Entscheidung der Schwedischen Akademie und übernehme deren Begründung für Carsons „kühnes und erfinderisches Werk“. Er bleibe deutlich knapper als die dpa-Darstellung und konzentriere sich auf den Nachrichtenkern, während biografische und literaturgeschichtliche Hintergründe weitgehend offenblieben.
Medienübergreifend bestehe Einigkeit über die Preisträgerin und die Begründung der Akademie. Unterschiede gebe es vor allem beim Umfang der Einordnung: Während der knappe Bericht die Bekanntgabe hervorhebe, ordne der ausführlichere Beitrag Carsons Werk und ihre Bedeutung für die Gegenwartsliteratur stärker ein.
