Arnulf Rainer, Kreuz-Werke und Uebermalungen

Arnulf Rainer und die Kreuz-Werke zwischen Stephansdom und Retrospektive

Veröffentlicht am: 29.08.2026 um 10:41 Uhr | Redaktionelle Verantwortung: Rafael Müller, Chefredakteur AD HOC NEWS

Arnulf Rainer bleibt mit seinen Kreuz-Arbeiten und Übermalungen ein Schlüsselname der österreichischen Nachkriegskunst. Die jüngste Ausstellung im Wiener Stephansdom und die angekündigte Retrospektive in der Albertina unterstreichen die Werkserie als Kern seiner Position.

Arnulf Rainer, Kreuz-Werke und Uebermalungen, Nachkriegskunst Oesterreich, Illustration mit AI erstellt.
Arnulf Rainer, Kreuz-Werke und Uebermalungen, Nachkriegskunst Oesterreich, Illustration mit AI erstellt.

Arnulf Rainer gilt mit seinen Kreuz-Arbeiten und radikalen Uebermalungen als eine der praegenden Figuren der oesterreichischen Nachkriegskunst. In den Jahren 2025 und 2026 ru?ckten vor allem die grossen Kreuz-Serien von Kaltnadelradierungen und Kreuzen auf Holz in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit, nicht zuletzt durch die Praesentation im Wiener Stephansdom. Die Werkserie macht deutlich, wie konsequent Rainer das Motiv des Kreuzes aus der religioesen Ikonografie herausloest und in eine eigenstaendige Bildsprache u?berfu?hrt.

Die Kreuz-Serie im Stephansdom

Die Ausstellung Das Kreuz - Das Zeichen, das bleibt in der Domkirche St. Stephan in Wien zeigte von 18. Februar bis 7. Juni 2026 insgesamt 77 Arbeiten von Arnulf Rainer in Kreuzform aus der Sammlung Werner Trenker. Gezeigt wurden 70 Kaltnadelradierungen aus den Jahren 1956 bis 2014 sowie sieben grossformatige Kreuzarbeiten auf Holz, kuratiert von Pater Friedhelm Mennekes. Fu?r die oesterreichische Nachkriegskunst markierte diese dichte Praesentation einen seltenen Fokus auf ein einzelnes Motiv u?ber fast sechs Jahrzehnte Werkentwicklung.

Medienberichte betonten, dass Rainer seine Kreuz-Bilder explizit nicht religioes verstanden wissen wollte, obwohl sie im sakralen Raum des Stephansdoms haengen. Die Spannungen zwischen der intendierten autonom-kuenstlerischen Lesart und der kirchlichen Setzung als Fastenausstellung wurden in Fachpresse und Tagesmedien intensiv diskutiert und verdeutlichen die anhaltende Diskurskraft der Serie.

Retrospektive und Museumskontext

Parallel zu der Stephansdom-Schau wurde im Herbst 2025 die Ausstellung Arnulf Rainer & Art Brut im Arnulf Rainer Museum in Baden bei Wien eroeffnet, die bis 4. Oktober 2026 laeuft. Die Kooperation mit der Galerie Gugging verbindet Rainers Kreuz- und Uebermalungsarbeiten mit Art-Brut-Positionen aus dem Gugging-Kontext und macht die Naehe seiner Praxis zu randstaendigen, oft psychiatrisch konnotierten Bildwelten sichtbar. Mit der Kombination aus Kreuzmotiven und Art-Brut-Referenzen setzt das Museum einen Fokus auf die psychische und spirituelle Dimension der Uebermalungen.

Darueber hinaus hat die Albertina in Wien eine grosse Arnulf-Rainer-Schau angekuendigt, die von 13. November 2026 bis 25. April 2027 zu sehen sein wird. Laut der Albertina-Programmankuendigung soll die Ausstellung Rainers Werkentwicklung von fruehen Uebermalungen u?ber die Kreuzserien bis zu spaeten Arbeiten in einem umfassenden musealen Rahmen nachzeichnen. Damit rueckt die Institution den Ku?nstler erneut in einen Kanon, der bereits von Praesenzen in internationalen Sammlungen wie MoMA und Centre Pompidou gestuetzt wird.

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Ausstellungen und Werkserien von Arnulf Rainer im Ueberblick

Wer sich tiefer mit Arnulf Rainers Kreuz-Arbeiten, Uebermalungen und Museumsauftritten befassen moechte, findet bei AD HOC NEWS weitere Meldungen zu Ausstellungen, Auktionen und Sammlungen des Ku?nstlers.

Wie die Kreuz-Werke entstanden

Rainers Beschaeftigung mit dem Kreuz begann Mitte der 1950er Jahre mit Kaltnadelradierungen, in denen er die Form als reines Bildzeichen behandelt und von liturgischen Konnotationen loest. Die spaeteren grossformatigen Kreuzbilder auf Holz aus den 1980er und 1990er Jahren arbeiten mit dichten Schichtungen von Farbe, Kratzspuren und Uebermalungen, die das Motiv nahezu u?berdecken und nur noch schemenhaft erkennen lassen. Gerade diese Spannung zwischen klarer Grundform und radikaler Verunklaerung gilt als ein Kernstu?ck von Rainers Werkpraxis.

Die Kreuz-Serie steht zugleich in engem Dialog mit seinen Uebermalungsarbeiten von Fotografien, in denen Gesichter oder Ko?rper mit aggressiven Strichen, Verdunkelungen und farbigen U?berlagerungen bearbeitet werden. Beide Werkgruppen teilen eine Tendenz zum U?berzeichnen und zur U?berlagerung, bei der das urspruengliche Bildmotiv in einem Prozess des u?bersteigerten Sehens nahezu ausgelöscht wird. Dieser Ansatz wurde frueh als eigenstaendige Position innerhalb der gestischen Abstraktion der 1960er Jahre rezipiert.

Uebermalung, Art Brut und Institutionen

Die Kooperation zwischen dem Arnulf Rainer Museum in Baden und der Galerie Gugging fu?r Arnulf Rainer & Art Brut macht sichtbar, wie stark Rainers Praxis an jene Bildwelten anknu?pft, die historisch als Art Brut beschrieben wurden. Viele seiner Uebermalungen greifen auf Materialien, Fotografien und Motive zuru?ck, die in psychiatrischen Kontexten entstanden sind oder auf psychische Ausnahmezustande verweisen. In Baden werden Rainers Arbeiten unmittelbar neben Positionen aus Gugging gezeigt, was die gegenseitige Durchdringung von »hoher« Kunst und randstaendigen Ausdrucksformen klar markiert.

Institutionell ist Rainers Werk laengst breit verankert: Neben dem Arnulf Rainer Museum in Baden, das eine umfassende Sammlung und Dauerausstellung zu seinem Werk fu?hrt, verweisen internationale Sammlungslisten auf Bestande in oeffentlichen Museen wie MoMA in New York und Centre Pompidou in Paris. Die fu?r November 2026 geplante Albertina-Schau baut darauf auf und positioniert die Kreuzserie und die Uebermalungen explizit als zentrale Werkkomplexe. Damit unterstreichen die Institutionen, dass Rainers radikale Bildstrategien im Kanon der Nachkriegskunst einen festen Platz einnehmen.

Was die Werkpraxis ausmacht

Arnulf Rainer arbeitet vor allem in Malerei, Grafik und Fotografie, wobei die Technik der Uebermalung zum Signatur-Verfahren geworden ist. Seine wichtigsten Werkgruppen reichen von den fruehen Uebermalungen und Face Farces u?ber die großformatigen Kreuzbilder bis zu spaeten gestischen Abstraktionen, die erneut mit Verdichtungen und Ausloeschungen spielen. Das Studio- und Museumsumfeld in Wien und Baden staerkt diese Praxis, indem es Werkblöcke u?ber Jahrzehnte hinweg in seriellen Zusammenhangen praesentiert.

Aktueller Stand im Werk

Nach dem Ende der Stephansdom-Ausstellung im Juni 2026 praegen aktuell vor allem die laufende Schau Arnulf Rainer & Art Brut im Arnulf Rainer Museum in Baden und die fu?r November angekuendigte Retrospektive in der Albertina den institutionellen Blick auf die Kreuzarbeiten und Uebermalungen.

Arnulf Rainer in Eckdaten

  • Kuenstler: Arnulf Rainer
  • Medium / Gattung: Malerei, Grafik und Foto-Uebermalung (abstrakt-konzeptuell)
  • Geburtsjahr & -ort: 1929, Baden bei Wien (Oesterreich)
  • Wirkungsort(e): Wien und Baden bei Wien
  • Aktiv seit: spaete 1940er Jahre, erste Einzelausstellungen Anfang der 1950er Jahre
  • Wichtige Werkgruppen: Uebermalungen, Face Farces, Kreuz-Bilder, Art-Brut-Dialoge
  • Aktuelle/letzte Ausstellung: Das Kreuz - Das Zeichen, das bleibt, Domkirche St. Stephan, Wien, 18. Februar 2026 bis 7. Juni 2026
  • Wichtige Sammlungen: MoMA (New York), Centre Pompidou (Paris), Albertina (Wien), Arnulf Rainer Museum (Baden)
  • Auszeichnungen: zahlreiche oesterreichische Kunstpreise und Ehrungen, darunter staatliche Ehrenzeichen (historisch belegt)
  • Naechster Termin: 13. November 2026, Ausstellungseroeffnung Arnulf Rainer in der Albertina Wien

Haeufige Fragen zu Arnulf Rainer

Welche Rolle spielt Arnulf Rainers Kreuz-Serie in seiner Gesamtwerkentwicklung?
Die Kreuz-Serie begleitet Rainers Werk seit den 1950er Jahren und verdichtet sich in den grossformatigen Bildern der 1980er und 1990er Jahre; sie gilt als eine seiner zentralen Werkgruppen und wurde 2026 im Stephansdom geschlossen gezeigt.

Wo waren Arnulf Rainers Kreuz-Arbeiten juengst zu sehen?
Vom 18. Februar bis 7. Juni 2026 praesentierte die Domkirche St. Stephan in Wien in der Ausstellung Das Kreuz - Das Zeichen, das bleibt 77 Kreuz-Arbeiten aus der Sammlung Werner Trenker, darunter 70 Kaltnadelradierungen und sieben Kreuze auf Holz.

Welche kommende Ausstellung widmet sich Arnulf Rainer in einem grossen Museumsrahmen?
Die Albertina in Wien zeigt von 13. November 2026 bis 25. April 2027 eine umfassende Arnulf-Rainer-Ausstellung, die laut Programmankuendigung zentrale Werkkomplexe wie Uebermalungen und Kreuzserien museal zusammenfuert.

Werk und Studio von Arnulf Rainer im Netz

Dieser Artikel wurde a.i.-gestuetzt erstellt und redaktionell geprueft. Alle Angaben ohne Gewaehr; Auktionsresultate, Ausstellungstermine und Auszeichnungen koennen sich kurzfristig aendern.

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