Deutschland, Nordrhein-Westfalen

Bekennerbrief nach Brand - Sabotageverdacht an Bahnstrecke

Veröffentlicht: 11.07.2026 um 14:18 Uhr, dpa.de

Nach einem Feuer an der Bahnstrecke zwischen Düsseldorf und Köln taucht ein Bekennerschreiben auf. Nun wird Sabotage vermutet. Die Strecke ist inzwischen wieder freigegeben.

  • Es ist unklar, wann die Strecke wieder freigegeben wird. - Bild: Christoph Reichwein/dpa
    Es ist unklar, wann die Strecke wieder freigegeben wird. - Bild: Christoph Reichwein/dpa
  • Nach dem Brand ist die Bahnstrecke noch immer gesperrt. - Bild: Patrick Schüller/dpa
    Nach dem Brand ist die Bahnstrecke noch immer gesperrt. - Bild: Patrick Schüller/dpa
  • Sicherheitskreise vermuten einen Sabotageakt. - Bild: Sascha Thelen/dpa
    Sicherheitskreise vermuten einen Sabotageakt. - Bild: Sascha Thelen/dpa
Es ist unklar, wann die Strecke wieder freigegeben wird. - Bild: Christoph Reichwein/dpa Nach dem Brand ist die Bahnstrecke noch immer gesperrt. - Bild: Patrick Schüller/dpa Sicherheitskreise vermuten einen Sabotageakt. - Bild: Sascha Thelen/dpa

Die wichtige Bahnstrecke zwischen Düsseldorf und Köln ist vermutlich durch einen Brandanschlag lahmgelegt worden. Aus Sicherheitskreisen verlautete, es werde ein Sabotageakt vermutet. Auf der linken Plattform indymedia.org tauchte ein mutmaßliches Bekennerschreiben auf. Auch Staatsanwaltschaft und Polizei Köln teilten mit, dass die Ermittler aktuell davon ausgingen, dass der Brand vorsätzlich gelegt wurde.

Inzwischen ist die Strecke wieder freigegeben, der Zugverkehr rollt ohne Einschränkungen. Die Deutsche Bahn schloss die Reparaturarbeiten an den zahlreichen beschädigten Kabeln nach eigenen Angaben am frühen Abend ab. Fachleute hätten seit Freitag durchgehend daran gearbeitet, die Schäden so schnell wie möglich zu beheben. Die Bahn bedauerte die mit der Sperrung verbundenen Einschränkungen für die Reisenden.

Reul: Diese Menschen wollen Chaos

«Solche Taten sind kein Protest, sondern gezielte Sabotage», sagte NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) zu dem erneuten Brandanschlag. Das treffe den Alltag vieler Menschen und nehme «Kollateralschäden» billigend in Kauf.

«Diese Chaoten berufen sich darauf, eine Welt herzustellen, in der es Pflanzen, Tieren und Menschen besser gehe. Und dann verüben sie einen Brandanschlag, ausgerechnet jetzt, wo überall Trockenheit herrscht», sagte Reul. «Allein daran sieht man: Diese Menschen wollen keine bessere Welt. Diese Menschen wollen Chaos. Sie zielen darauf ab, Politik durch Gewalt zu ersetzen. Das akzeptieren wir nicht.»

Laut Brief Brandsätze in Kabelschacht deponiert

Das Schreiben wurde mit dem Namen der bereits mehrfach mit Anschlägen auf Bahnstrecken in Verbindung gebrachten Gruppe «Kommando Angry Birds» veröffentlicht. Darin schreibt die Gruppe, dass sie verantwortlich «für die Sabotage der Bahnstrecke nördlich von Leverkusen» sei. Es seien Brandsätze in einem großen Kabelschacht an der nordöstlichen Ecke der Wupperbrücke und in einem schmaleren Schacht deponiert worden. Als Motiv für den Anschlag wurde ein «Massensterben» durch die «technologische Eskalation» genannt, das aufgehalten werden müsse. 

In Sicherheitskreisen wird davon ausgegangen, dass das Schreiben echt ist, wie die Deutsche-Presse-Agentur erfuhr. Dass ein technischer Defekt den Böschungsbrand an der Bahnstrecke auslösen konnte, gelte als wenig wahrscheinlich. 

Polizei sucht Zeugen

Nach dem Brand in dem Kabelschacht bei Leverkusen-Rheindorf sucht die Kriminalpolizei nach Zeugen. Ersten Erkenntnissen zufolge hatten Techniker das Feuer an der Eisenbahnbrücke, die über die Wupper führt, in der Nähe der Solinger Straße am Freitagvormittag bemerkt und die Feuerwehr alarmiert. 

Ein Sprecher der Polizei Köln sagte auf Anfrage, es würden Ermittlungen geführt, ob das Bekennerschreiben authentisch sei. In einem solchen Bereich werde auch geprüft, ob gegebenenfalls Zusammenhänge zu anderen Delikten bestünden. Der Staatsschutz der Kölner Polizei hatte bereits am Freitag die Ermittlungen übernommen, da ein politischer Hintergrund nicht ausgeschlossen werden konnte. 

Mehrere Anschläge durch «Angry Birds»

Die linksextremistische Gruppe «Kommando Angry Birds» hatte vor etwa einem Jahr auch einen Anschlag auf die Bahnhauptstrecke zwischen Düsseldorf und Duisburg für sich reklamiert. Auch dort waren im Juli 2025 Brandsätze gezündet worden. Tagelang war die wichtige Bahnstrecke gesperrt. 

Anfang Januar dieses Jahres hatte die Gruppe sich zudem auf einen versuchten Anschlag auf ein Umspannwerk in Erkrath bei Düsseldorf bekannt. Der Anschlag schlug fehl.

Innenminister Reul hatte schon vor einem Jahr vor dem «Kommando Angry Birds» gewarnt. «Die hat in den letzten Jahren im Raum Düsseldorf schon mehrfach sabotiert», hatte er Anfang August 2025 gesagt. So seien Anschläge auf Telekommunikationsmasten in dem Ort Langenfeld/Erkrath und ein Tunnelbrand an der Autobahn 46 auf das Konto der Gruppe gegangen. Die Ermittlungen würden mit hohem Aufwand geführt, seien aber nicht ganz einfach, weil es sich nicht um eine fest gefügte Gruppe handele. 

Die Ermittlungen laufen nach Angaben der Bahn weiter. «Expertinnen und Experten der DB arbeiten mit voller Kraft an der Reparatur der immensen Schäden», hieß es in einer Mitteilung. Laut Bahn hatte am Freitagvormittag an zwei Stellen die Böschung zwischen Langenfeld und Leverkusen gebrannt. Die Feuerwehr habe die Brände zwar gelöscht. Allerdings habe das Feuer Schäden an mehreren Signalkabeln angerichtet, so dass auf dem Streckenabschnitt keine Züge fahren könnten. 

Bahn: Betriebliche Lage in NRW angespannt

Die Bahn bezeichnete «die aktuelle betriebliche Lage in NRW» als «sehr angespannt». Grund sei neben der möglichen Sabotage an der Strecke Düsseldorf - Köln auch ein erst am Freitag festgestellter Brückenschaden in Opladen bei Leverkusen. Die beschädigte Brücke liegt auf dem Korridor Hagen - Wuppertal - Köln, der nach einer Generalsanierung gerade erst wieder in Betrieb genommen worden war.

de | unterhaltung | 69744649 |

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