Buddenbrooks: Lübeck feiert 125 Jahre ohne Museumshaus
Veröffentlicht am: 13.10.2026 um 06:00 Uhr | dpa, AD HOC NEWSUmbau verschiebt Wiedereröffnung
- Das Buddenbrookhaus in der Mengstraße ist seit 2020 geschlossen und soll nach aktuellem Plan 2031 wieder öffnen.
- Der Rückbau aller nicht denkmalgeschützten Gebäudeteile soll im März 2027 beginnen.
- Die Umplanung erhöhte die erwarteten Gesamtkosten von 30 auf 42 Millionen Euro.
- Die Ausstellung «Family Affairs. 125 Jahre Buddenbrooks» startet am 29. Oktober im St.-Annen-Museum.
Zum 125. Jahrestag der Veröffentlichung von Thomas Manns «Buddenbrooks. Verfall einer Familie» feiert Lübeck den Roman mit einer Ausstellung, Lesungen und weiteren Veranstaltungen.
Roman machte Lübeck weltbekannt
Der Roman erschien am 13. Oktober 1901, als Thomas Mann 26 Jahre alt war. Das Werk erzählt den Niedergang einer Kaufmannsfamilie und gilt als literarisches Denkmal für Manns Herkunftsstadt.
«Es ist der Roman, der Lübeck weltberühmt gemacht hat», sagt Caren Heuer, Direktorin des Buddenbrookhauses. Die Jubiläumsveranstaltungen seien fast vollständig ausverkauft, Lesungen fänden in der ganzen Stadt statt.
Ausstellung weicht ins St.-Annen-Museum aus
Die Schau «Family Affairs. 125 Jahre Buddenbrooks» widmet sich familiären Bindungen, gesellschaftlichen Erwartungen und den Hoffnungen der Figuren. Im Mittelpunkt stehen unter anderem Thomas und Toni Buddenbrook.
Das Buddenbrookhaus kann dafür nicht genutzt werden. Das Gebäude ist vollständig entkernt und wird für den Rückbau vorbereitet. Der Umbau war 2023 nach einem Streit über die Neugestaltung der denkmalgeschützten Kellergewölbe gestoppt worden.
Förderung bleibt bestehen
Das Land will den Umbau weiterhin mit 19,2 Millionen Euro fördern. Die Gesamtkosten sollen wegen der Neuplanung nun 42 Millionen Euro betragen; der Bund finanziert weitere Maßnahmen während der Bauzeit.
Während der Schließung informiert der Museumsshop «Buddenbrooks am Markt» über das Projekt und dient als Ausgangspunkt für literarische Führungen. Das Gebäudemanagement der Stadt nennt 2031 als Ziel für die Wiedereröffnung, schließt weitere Verzögerungen aber nicht aus.
Roman erreicht Millionenauflage
Nach Schätzung des Verlags S. Fischer wurden von «Buddenbrooks» etwa zehn Millionen Exemplare verkauft. Thomas Mann erhielt später den Nobelpreis für Literatur.
Jubiläum ohne zentralen Erinnerungsort
Das 125-jährige Bestehen der Buddenbrooks fällt in Lübeck mit einer ungewöhnlichen Situation zusammen: Die Stadt würdigt den Roman umfassend, während das Gebäude, das Besucherinnen und Besucher unmittelbar mit Thomas Manns Werk verbinden, geschlossen bleibt. Damit verlagert sich die Vermittlung des literarischen Erbes vorübergehend in andere Häuser und in den Stadtraum.
Die Verzögerung hat nicht nur organisatorische Folgen. Der Baustopp von 2023 machte eine grundlegende Neuplanung erforderlich und ließ die veranschlagten Gesamtkosten von 30 auf 42 Millionen Euro steigen. Für ein kulturhistorisches Museum bedeutet das eine lange Unterbrechung des regulären Betriebs und erhöht den Druck, öffentliche Förderung, private Spenden und überzeugende Inhalte dauerhaft zusammenzuführen.
Literatur bleibt touristischer Anziehungspunkt
Gleichzeitig zeigt das Jubiläumsprogramm, dass die Bedeutung des Romans nicht an die Museumsöffnung gebunden ist. Lesungen, Führungen und die Ausstellung im St.-Annen-Museum machen die Geschichte der Lübecker Kaufmannsfamilie an verschiedenen Orten zugänglich. Der Museumsshop am Markt übernimmt dabei eine provisorische Informations- und Anlaufstelle.
Für Besucher bleibt die Jahreszahl 2031 der maßgebliche Planungsstand für die Wiedereröffnung, auch wenn weitere Verzögerungen nicht ausgeschlossen sind. Bis dahin dürfte entscheidend sein, ob Lübeck die Aufmerksamkeit des Jubiläums nutzt, um die Verbindung zwischen Literaturgeschichte, Stadtidentität und Kulturtourismus dauerhaft zu stärken.
