Prozess: Angeklagter rÀumt Gewalttat bei Neuschwanstein ein
19.02.2024 - 10:26:23 | dpa.deFĂŒr die beiden jungen amerikanischen Frauen sollte es ein glĂŒcklicher Tag am weltberĂŒhmten MĂ€rchenschloss im AllgĂ€u werden - es wurde ein Horrortrip. Auf einem Wanderweg in der NĂ€he des Schlosses Neuschwanstein wurden sie von einem ebenfalls aus den USA stammenden Touristen aus sexuellen GrĂŒnden ĂŒberfallen und eine fast 50 Meter tiefe Schlucht hinabgestĂŒrzt. Eine 21-JĂ€hrige starb, ihre ein Jahr Ă€ltere Freundin ĂŒberlebte mit erheblichen Verletzungen.
Am Montag legte der 31 Jahre alte Angeklagte zu Beginn des Prozesses vor dem Landgericht Kempten ein umfassendes GestĂ€ndnis ab. Verteidiger Philip MĂŒller verlas eine entsprechende ErklĂ€rung, der US-Amerikaner bestĂ€tigte anschlieĂend die Richtigkeit. Weitergehende Fragen der Richter beantworte der beschuldigte Mann nicht. «Die ErklĂ€rung ist abschlieĂend», sagte der Anwalt.
«Der Angeklagte hat die unfassbare Tat begangen», hieĂ es zu dem Verbrechen an der 21-JĂ€hrigen. Die Frau wurde von dem TĂ€ter gewĂŒrgt und vergewaltigt. Auch das sexuelle Motiv wurde in der ErklĂ€rung eingerĂ€umt. Der US-Urlauber sei spontan erregt gewesen, hieĂ es darin.
Anklage: TĂ€ter lockte Opfer auf abgelegenen Wanderpfad
Der Mann und die beiden Freundinnen hatten sich laut den Ermittlungen am 14. Juni 2023 erst wenige Minuten frĂŒher kennengelernt. Die Frauen und der Mann waren getrennt voneinander in der NĂ€he der MarienbrĂŒcke in Schwangau unterwegs.
Die BrĂŒcke ist ein beliebter Treffpunkt von Neuschwanstein-Besuchern, weil man von dort einen besonders guten Blick auf das bekannteste Schloss des Bayern-Königs Ludwig II. hat. Im vergangenen Jahr hatten mehr als 850.000 Menschen aus aller Welt das Schloss besucht, vor der Corona-Pandemie kam Neuschwanstein sogar auf rund eineinhalb Millionen GĂ€ste Jahr fĂŒr Jahr.
Laut Anklage hatte der Angeklagte die beiden Frauen auf einen etwas abgelegenen Wanderpfad gelockt, um sie zu ĂŒberfallen. Er soll angegeben haben, den Frauen einen besonderen Aussichtspunkt zeigen zu wollen. Als der Mann dann ĂŒber die 21-JĂ€hrige herfiel, griff deren Begleiterin ein. Doch die damals 22-JĂ€hrige konnte ihre Freundin nicht retten, der Mann stieĂ die Ă€ltere stattdessen in die steile Pöllatschlucht. Die Frau fiel rund 50 Meter tief.
Zeugen vermuteten einvernehmlichen Sex eines Paares
Danach habe der Mann die 21-JĂ€hrige weiter gewĂŒrgt und vergewaltigt. Dabei sei der TĂ€ter von einem PĂ€rchen, das ebenfalls dort wanderte, ĂŒberrascht worden, sagte ein Kripobeamter vor Gericht aus. Die beiden Zeugen hĂ€tten die Situation allerdings nicht gleich erkannt. Sie hĂ€tten einvernehmlichen Sex eines Paares vermutet. Das PĂ€rchen griff nicht ein und ging weiter.
Danach soll der Mann von der 21-JÀhrigen abgelassen und das schwer verletzte Opfer ebenfalls den Abhang hinuntergeworfen haben. Den Hang habe der US-Amerikaner als «gefÀhrlich, aber nicht tödlich» eingestuft, sagte der Verteidiger zu dem Angriff.
TĂ€ter nach Flucht gefasst
Die beiden Frauen wurden spÀter mithilfe eines Hubschraubers aus der Schlucht geborgen, die 21-JÀhrige starb einige Stunden spÀter im Kemptener Klinikum. Der Mann wurde von Polizeibeamten nach kurzer Flucht in dem steilen GelÀnge gefasst.
Andere Touristen im Bereich der MarienbrĂŒcke hatten die Rettungsaktion und die Festnahme damals mitbekommen und aufgenommen. Videos und Fotos wurden weltweit in sozialen Netzwerken verbreitet, rund um den Globus berichteten Medien ĂŒber die Gewalttat beim MĂ€rchenschloss.
Angeklagter sitzt mit gesenktem Kopf im Gerichtssaal
Wie der fĂŒr die Ermittlungen hauptverantwortliche Kriminalpolizist in dem Prozess erlĂ€uterte, saĂ der US-Amerikaner in den Minuten nach seiner Festnahme ruhig auf der RĂŒckbank eines Streifenwagens, habe nur stoisch auf den Sitz vor ihm geblickt. Auch den ersten Verhandlungstag verfolgte der 31-JĂ€hrige fast regungslos - die meiste Zeit saĂ er mit gesenktem Kopf auf der Anklagebank.
Das Gericht hat fĂŒr den Prozess zunĂ€chst sechs Verhandlungstage geplant. Das Urteil könnte demnach Mitte MĂ€rz verkĂŒndet werden.
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