Southport und die Folgen: EinzelgÀnger oder Terrorist?
23.01.2025 - 05:12:35 | dpa.deGroĂbritannien ringt nach dem GestĂ€ndnis im Mordprozess gegen den Southport-Angreifer um Einordnung und Konsequenzen. Der 18 Jahre Angeklagte, der im Sommer drei MĂ€dchen wĂ€hrend eines Taylor-Swift-Tanzkurses getötet haben soll, stĂŒnde fĂŒr eine neue Art der Bedrohung, die terroristisch sein könnte, sagte Premierminister Keir Starmer. Es seien «EinzelgĂ€nger, AuĂenseiter, junge MĂ€nner», die verzweifelt nach Ruhm strebten.
In Liverpool wird heute (12.00 Uhr/MEZ) das StrafmaĂ verkĂŒndet. Der 18-JĂ€hrige hatte sich am Montag ĂŒberraschend in allen 16 Anklagepunkten schuldig bekannt, darunter auch des versuchten Mordes an acht weiteren Kindern sowie an zwei Erwachsenen. Ihn erwartet eine lebenslange Haftstrafe. Seit dem Prozessauftakt beschĂ€ftigt die britische Ăffentlichkeit aber vor allem auch die Frage: HĂ€tte die Tat verhindert werden können?
Ăhnlichkeiten zum Magdeburg-Anschlag
In GrundzĂŒgen ist die Debatte vergleichbar mit der in Deutschland nach dem Anschlag auf den Weihnachtsmarkt in Magdeburg mit sechs Toten und fast 300 Verletzten. Der Southport-Angeklagte, zum Tatzeitpunkt 17 Jahre alt, war in der Vergangenheit mehrfach auffĂ€llig geworden. Die Behörden kannten ihn, unternommen wurde aber nichts. Ein eindeutiger Terrorverdacht lag nicht vor. Der TĂ€ter in Magdeburg, ein aus Saudi-Arabien stammender Arzt aus Bernburg, war in den vergangenen Jahren an verschiedenen Stellen aufgefallen.Â
«Ich glaube, die FĂ€lle könnten tatsĂ€chlich sehr Ă€hnlich liegen. Nach allem, was wir bisher wissen, war der TĂ€ter von Southport zwar Behörden bekannt, aber kein eingefleischter Dschihadist, sondern jemand, dessen Motivation bestenfalls gemischt und instabil war», sagte Terrorismusexperte Peter Neumann vom King's College in London der Deutschen Presse-Agentur. «Auch wenn dieser TĂ€tertypus in GroĂbritannien bereits seit LĂ€ngerem bekannt ist, tun sich die Behörden mit solchen FĂ€llen nach wie vor schwer.»
Der Angeklagte hatte sich auch schuldig bekannt, ein biologisches Gift und ein Handbuch einer Terrororganisation besessen zu haben. Der Angreifer hatte bei der Tat am 29. Juli 2024 mit einem Messer bewaffnet den Tanzkurs gestĂŒrmt. Die MĂ€dchen im Alter von sechs, sieben und neun Jahren starben.
Es seien nicht mehr nur Gruppen mit klaren politischen Zielen, von denen die Bedrohung ausgehe, sagte Starmer. Auch begĂŒnstigt durch die VerfĂŒgbarkeit im Internet wĂŒrden die EinzeltĂ€ter zwar von traditionellen terroristischen Gruppen inspiriert. «Aber sie sind auf diese extreme Gewalt fixiert, anscheinend um ihrer selbst willen.»
Regierung lasst mögliches Behördenversagen untersuchen
Die AnkĂŒndigung des Premiers, die Terrorgesetze ĂŒberprĂŒfen lassen zu wollen, wurde nach Starmers Rede umgehend kritisiert. Die Art und Weise der Tat sei nicht neu fĂŒr das Land, hieĂ es. Als erste Reaktion auf das SchuldeingestĂ€ndnis und die vielen offenen Fragen zur Vorgeschichte des Angeklagten hatte Innenministerin Yvette Cooper bereits am Montagabend eine öffentliche Untersuchung angekĂŒndigt.
Diese teils langwierigen und teuren Untersuchungen werden in GroĂbritannien von der Regierung veranlasst und von unabhĂ€ngigen Stellen durchgefĂŒhrt. Er werde nicht zulassen, dass von einem Behördenversagen abgelenkt werde, «einem Versagen, das in diesem Fall offenkundig auf der Hand liegt», sagte Starmer.
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