Traumhaus, SĂŒddeutschland

Der Geruch von geschnittenem Holz bleibt im Regen

Veröffentlicht am: 18.10.2026 um 09:49 Uhr | Redaktionelle Verantwortung: Rafael MĂŒller, Chefredakteur AD HOC NEWS
Regen zieht ĂŒber die HĂ€nge, wĂ€hrend der Geruch von geschnittenem Holz durch die Dunkelheit wandert. Zwei Geschwister folgen ihm bis zu einem Haus, dessen innere TĂŒr noch geschlossen bleibt.
Qual der Wahl: Dicht an dicht reihen sich zahlreiche E-Gitarren auf, festgehalten in stimmungsvollem Schwarzweiß im Musikladen., Illustration mit AI erstellt.
Der Regen schlĂ€gt schrĂ€g gegen die Scheibe, als du den Atem anhĂ€ltst. Hinter dem Glas taumeln helle Tropfen im Wind, und irgendwo unter dem Dach knarrt ein Balken. Der Föhntag hat die Luft am Nachmittag trocken und warm gemacht, doch nun liegt KĂŒhle auf den Wegen. Neben deinen Schuhen steht ein alter Schlitten, obwohl weit und breit kein Schnee zu sehen ist. Deine Schwester hat ihn entdeckt, als ihr aus dem Wagen gestiegen seid. Ihr habt euch lange nicht gesehen, und zwischen euch steht zunĂ€chst mehr als der nasse Abend. Sie streicht mit den Fingern ĂŒber das Holz des Schlittens, als könnte sie darin eine Nachricht lesen. Dann kommt der Geruch von geschnittenem Holz aus der Dunkelheit, frisch und herb, und erst dahinter erkennst du die dunkle Silhouette des Hauses.

Der Wind ĂŒber den HĂ€ngen

Ihr geht nicht den geraden Weg. Der Pfad zieht sich zwischen feuchten Rebstöcken entlang, deren BlĂ€tter im Regen glĂ€nzen, wĂ€hrend der Wind vom Föhntag noch immer ĂŒber die FrĂ€nkischen WeinhĂ€nge streicht. Er trĂ€gt den Geruch von Erde, nassem Gras und geschnittenem Holz heran, der bald stĂ€rker wird, bald fast verschwindet.

Deine Schwester geht ein paar Schritte voraus. Sie spricht nicht ĂŒber die Jahre, in denen ihr euch nur aus kurzen Nachrichten kanntet, und du fragst nicht, warum sie dich ausgerechnet hierher gebeten hat. An einer niedrigen Mauer bleibt sie stehen und zeigt auf einen schmalen Streifen Licht, der unter einem Fenster hervorkriecht.

Das Haus bleibt im Regen eine Ansammlung dunkler FlĂ€chen. Eine Dachkante fĂ€ngt das fahle Leuchten des Himmels auf, daneben bewegt sich ein Zweig ĂŒber eine Wand. Nichts daran drĂ€ngt sich auf, und doch wirkt jede Linie so gesetzt, als hĂ€tte jemand gewartet, bis ihr beide den Hang hinaufkommt.

Spuren im nassen Holz

Vor der Terrasse verliert sich der Weg unter einer Schicht aus BlÀttern. Du hörst Wasser aus einer Rinne tropfen und darunter ein leises Scharren, vielleicht von einem Tier, vielleicht von etwas, das der Wind verschiebt. Deine Schwester hebt den Schlitten an und stellt ihn unter das Vordach, sorgfÀltig, als gehöre er zu einer Ordnung, die nur sie kennt.

Auf der Terrasse liegen schmale HolzspĂ€ne neben einer Bank. Der Geruch ist hier so deutlich, dass du ihn beinahe schmecken kannst. Deine Schwester fĂ€hrt ĂŒber die Kante der Bank und zieht die Hand wieder zurĂŒck, als hĂ€tte sie eine raue Stelle erwartet, die nicht dort ist.

Durch eine Scheibe fĂ€llt warmes Licht auf den Boden. Du siehst keinen Raum, nur einen Ausschnitt: eine helle FlĂ€che, den Schatten einer Lampe und etwas Rundes, das sich bewegt, wenn der Wind am Fenster rĂŒttelt. Aus dem Inneren kommt ein gedĂ€mpftes Klopfen, dann Stille.

Was hinter dem Fenster wartet

Ihr steht nebeneinander, ohne euch zu berĂŒhren. FrĂŒher habt ihr euch bei jedem GerĂ€usch umgedreht, heute lauscht jeder von euch in eine andere Richtung. Sie blickt zum Fenster, du zum Schlitten, dessen Kufen im Regen einen schmalen Glanz tragen.

Am Rand der Terrasse hĂ€ngt ein StĂŒck Schnur, daran ein kleiner Holzspan. Er dreht sich im Wind und stĂ¶ĂŸt bei jeder Bewegung gegen einen Pfosten. Du erinnerst dich an den Geruch der Werkstatt eures Großvaters, an SĂ€gemehl auf den Ärmeln und an die Art, wie deine Schwester damals behauptete, ein Schlitten könne auch ohne Schnee den Berg hinunterfinden.

Sie lĂ€chelt kurz. Dann verschwindet das LĂ€cheln wieder, weil hinter dem Fenster ein Schatten stehen bleibt. Er ist zu still fĂŒr einen Vorhang und zu undeutlich fĂŒr eine Person. Du willst fragen, wer dort wartet, doch der Regen wird lauter.

Die ungeöffnete TĂŒr

Neben dem Fenster beginnt eine TĂŒr, die im Dunkeln kaum von der Wand zu unterscheiden ist. Kein Griff glĂ€nzt, kein Licht fĂ€llt durch den Spalt. Deine Schwester legt die Hand auf das Holz, ohne es zu öffnen.

Der Geruch von geschnittenem Holz liegt zwischen euch. Er macht den nassen Abend vertraut und fremd zugleich. Vielleicht gehört der Schlitten zu dieser TĂŒr, vielleicht nur zu einer Erinnerung, die ihr beide anders bewahrt habt.

Deine Schwester sieht dich an. Du hörst den Wind, den Regen und das leise Klopfen aus dem Haus. Dann nimmt sie die Hand vom Holz.

Die TĂŒr bleibt zu.

Wie nah das Haus im Video an dem liegt, das du dir gerade gebaut hast, zeigt sich in einer Minute.

Das Haus im Video

Zum Video auf Instagram

Die Geschichte oben ist frei erzÀhlt. Das echte Haus zeigt das Video von SALUTI Immobilien, in Kooperation mit Brumani Immobilien - brumani.de

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