Winter, Russland

«Schnee-Apokalypse» in Russland – Tote auf Kamtschatka

Veröffentlicht am: 19.01.2026 um 14:13 Uhr | dpa.de

Der harte russische Winter wird seinem Ruf gerecht. Die Hauptstadt Moskau und besonders die fernöstliche Halbinsel Kamtschatka kÀmpfen mit Schneemassen. Es gibt auch Tote und andere schwere Folgen.

  • Die Behörden auf der fernöstlichen Halbinsel Kamtschatka rechnen noch mit tagelangen EinsĂ€tzen, um dem Schneechaos Herr zu werden.  - Bild: -/Government of Kamchatka Territory via XinHua/dpa
    Die Behörden auf der fernöstlichen Halbinsel Kamtschatka rechnen noch mit tagelangen EinsÀtzen, um dem Schneechaos Herr zu werden. - Bild: -/Government of Kamchatka Territory via XinHua/dpa
  • Auch in der russischen Hauptstadt tĂŒrmen sich stellenweise nach Rekord-NiederschlĂ€gen in diesem Winter die Schneemengen.  - Bild: Ulf Mauder/dpa
    Auch in der russischen Hauptstadt tĂŒrmen sich stellenweise nach Rekord-NiederschlĂ€gen in diesem Winter die Schneemengen. - Bild: Ulf Mauder/dpa
Die Behörden auf der fernöstlichen Halbinsel Kamtschatka rechnen noch mit tagelangen EinsĂ€tzen, um dem Schneechaos Herr zu werden.  - Bild: -/Government of Kamchatka Territory via XinHua/dpa Auch in der russischen Hauptstadt tĂŒrmen sich stellenweise nach Rekord-NiederschlĂ€gen in diesem Winter die Schneemengen.  - Bild: Ulf Mauder/dpa

Eisige Temperaturen und Schneemassen mit teils tödlichen Folgen prĂ€gen derzeit weite Teile Russlands. Die auch oft von starken Erdbeben und Tsunami-Gefahr erschĂŒtterte fernöstliche Halbinsel Kamatschatka erlebt gerade einen Jahrhundertwinter. 

Seit Tagen gilt in der Pazifikregion der Ausnahmezustand. Russische Medien berichten von einer «Schnee-Apokalypse» mit eingeschneiten HÀusern und Autos, VersorgungsengpÀssen und auch Opfern. In der Hauptstadt Petropawlowsk-Kamtschatski wurden laut Behörden zwei MÀnner von Schneemassen, die von DÀchern zu Boden krachten, erschlagen.

Meteorologen sprechen von den schwersten SchneefÀllen seit etwa 30 Jahren. Binnen weniger Tage fiel so viel Schnee wie sonst in Monaten. Auch Studenten und Soldaten sind im Einsatz, um Menschen in Not zu helfen. Teils sind Bewohner von den Schneemassen eingesperrt gewesen; besonders Àltere Menschen konnten sich nicht selbst befreien.

Helfer schaufeln eingeschneite HĂ€user frei

Die tagelangen NiederschlĂ€ge vorige Woche brachten stellenweise bis zu fĂŒnf Meter hohe Schneeverwehungen an HĂ€usern, wie Medien berichten und Videos zeigen. «Nicht alle können solch eine Situation alleine durchstehen», sagt der Student Pawel Scherebkin in einem Video des lokalen Nachrichtenportals «Kamtschatka Sergodnja», wĂ€hrend er die Wege zu HĂ€usern freischaufelt. Aber tĂ€glich kĂ€men mehr Helfer hinzu. «Wir kommen mit den Folgen des Zyklons klar.» 

Wissenschaftlern zufolge sind die extremen Bedingungen auf wiederkehrende Zyklone ĂŒber dem Pazifik zurĂŒckzufĂŒhren, die große Mengen an Feuchtigkeit mit sich bringen. Durch die kalte Luft und die komplexen geografischen Gegebenheiten Kamtschatkas verwandelt sich diese Feuchtigkeit in reichlich schweren Schnee.

Die Bewohner Kamtschatkas gelten russlandweit als besonders hartgesotten und geduldig, was die Extreme der auch bei Touristen beliebten Halbinsel mit ihren vielen aktiven Vulkanen angeht. 2023 legte sich ĂŒber den ohnehin hohen Schnee auch noch eine Decke aus Asche nach dem Ausbruch des Riesenvulkans Schiwelutsch. Es war damals der laut Vulkanologen grĂ¶ĂŸte Ascheregen seit 60 Jahren.

In sozialen Netzwerken kursieren Dutzende Videos von den teils bedrohlichen ZustÀnden. Zu sehen ist da eine Frau, die ihr Fenster öffnet und sich mit einem Eimer durch den Schnee grÀbt, die eisige Masse kippt sie in die Badewanne. In einem anderen Clip sitzen zwei MÀnner in einem Auto unter einem meterhohen Schneeteppich. Sie haben sich einen langen Tunnel zu dem Fahrzeug gegraben. 

Viel zu sehen sind auch GebĂ€ude, an denen nicht nur der Eingang, sondern auch die ersten Etagen eingeschneit sind. Teils verließen Menschen ihre Wohnungen ĂŒber das Fenster, wenn sie sich nicht selbst befreien konnten von den Massen, wie örtliche Medien berichteten.

Gouverneur rÀumt VersorgungsengpÀsse ein

Gouverneur Wladimir Solodow ordnete bei einer Krisensitzung nach Klagen ĂŒber Chaos und VersorgungsengpĂ€sse an, schleunigst wichtige Straßen und Kreuzungen freizurĂ€umen. Die Lage sei kritisch, sagte er. Es mĂŒssten HauseingĂ€nge zugĂ€nglich gemacht und der MĂŒll abtransportiert werden - viele Container sind wegen der Schneemassen nicht nutzbar. Auch Ampeln und Verkehrsschilder mĂŒssen demnach frei geschippt werden. Er rechnet damit, dass die Arbeiten noch Tage dauern.

In seinem Telegram-Kanal zeigt sich Solodow bei einem Besuch in einem Supermarkt; seit Tagen gebe es vor allem Probleme mit Obst und GemĂŒse, weil keine Lieferautos fahren könnten oder GewĂ€chshĂ€user eingeschneit seien, heißt es. Der Politiker muss sich Berichte ĂŒber HamsterkĂ€ufe anhören. Teils hĂ€tten Leute 120 Brötchen auf einmal gekauft, um sie dann anderswo gewinnbringend weiterzuverkaufen, habe ihm der Leiter des Supermarkts erzĂ€hlt.

Gezeigt wird aber auch, dass es Eier, Milch und in der hauseigenen BĂ€ckerei gebackenes Brot gebe. Es ist der Versuch einer Antwort auf die ebenfalls kursierenden Videos von leeren Regalen und vielen Klagen von Bewohnern in entlegenen Orten, dass es nichts mehr zu essen gebe. Solodow wies an, die Versorgung mit Brot, Milch und Eiern sowie Treibstoff ĂŒberall sicherzustellen - und drohte Verantwortlichen mit «Konsequenzen», sollten sie versagen.

«Der vorĂŒbergehende Mangel an einigen Waren in einigen GeschĂ€ften ist ausschließlich auf den Zustand der Infrastruktur zurĂŒckzufĂŒhren», sagte der Gouverneur. Betroffen seien kleine LĂ€den. Sobald die Zufahrten und EingĂ€nge freigeschaufelt seien, seien auch wieder Lieferungen möglich. Die Produktion der Lebensmittel laufe jedenfalls ununterbrochen.

Schneechaos verbreitet in Russland - auch Moskau kÀmpft

Die Lage bleibt aber gespannt bei tiefen Minustemperaturen. Schulen sind geschlossen und haben teils auf Fernunterricht umgestellt. RĂ€umfahrzeuge fahren rund um die Uhr EinsĂ€tze, um die letzten Straßen freizubekommen. 

Die Stadtverwaltung von Petropawlowsk-Kamtschatski forderte Eltern auf, ihre Kinder nicht auf die Straßen zu lassen. Die Warnung lautet, sie könnten von Schneemassen von DĂ€chern oder riesigen Eiszapfen erschlagen werden. Solodow kritisierte, dass es bisher oft keine Warnschilder gebe. «Das geht gar nicht», sagte er. Das Problem gibt es fast ĂŒberall in Russland. Immer wieder gibt es deshalb TodesfĂ€lle.

Auch in der Hauptstadt Moskau, die ebenfalls Rekordmengen an Niederschlag verzeichnete, sind bis heute EinsatzkrĂ€fte auf DĂ€chern unterwegs, um den Schnee wegzuschaufeln. Am 9. Januar sprachen Meteorologen von einem der heftigsten SchneestĂŒrme in den vergangenen 146 Jahren der Wetterbeobachtung. 

FĂŒr die SchneerĂ€umarbeiten auf den DĂ€chern sind ganze BĂŒrgersteige gesperrt. In der Stadt fahren ĂŒberall Lastwagen, um die Schneemassen an sichere Orte zu transportieren. Sogar am Roten Platz, dem Machtzentrum des Riesenreichs, tĂŒrmen sich Berge von Schnee an der Kremlmauer und an der Basiliuskathedrale. Der Abtransport lĂ€sst auf sich warten. 

Entspannung ist nicht in Sicht. FĂŒr die kommende Woche kĂŒndigen Meteorologen fĂŒr die Hauptstadt auch noch Temperaturen von um die minus 20 Grad Celsius an.

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