Traumhaus, Süddeutschland

Der Lichtstreifen unter der Tür und das Fernglas im Schnee

Veröffentlicht am: 19.10.2026 um 09:49 Uhr | Redaktionelle Verantwortung: Rafael Müller, Chefredakteur AD HOC NEWS
Im goldenen Nachmittagslicht lag der letzte Schnee zwischen den Reben, während ich dem Hang folgte - leise und ohne Ziel. Dann sah ich einen Lichtstreifen unter einer Tür und fragte mich, wer dahinter gewartet hatte.
Lichtgewitter beim Live-Event: Eindrucksvolle Strahlenbündel tauchen die Show in intensives Rot, während die Menge mitfiebert., Illustration mit AI erstellt.
Der Schnee knirschte unter meinen Schuhen, obwohl die Luft schon nach feuchter Erde und jungen Blättern roch. Über den Reben lag goldenes Nachmittagslicht, dünn wie Honig auf einem alten Tisch. Ich hatte mein Fernglas um den Hals hängen und hielt es doch fest, als könnte es mir den Weg weisen. Am Rand des Hangs bewegte sich ein schwarzer Vogel über die kahlen Zweige. Ich blieb stehen, hob das Fernglas und sah durch die runden Gläser nur einen flimmernden Streifen Himmel. Darunter zeichnete sich zwischen den Stämmen eine dunkle Silhouette ab. Erst als der Wind den letzten Schnee vom Dach eines Hauses strich, wusste ich, wonach ich suchte.

Spuren im schmelzenden Schnee

Ich schrieb später in mein Tagebuch, dass der Weg zum Haus nicht wirklich ein Weg gewesen sei. Er bestand aus nassen Steinen, schmalen Grasrändern und einer Spur, die im Vorfrühling immer wieder verschwand. Die Vorbergzone mit Reben lag unter mir wie ein gefaltetes Tuch, an dessen Kanten sich das Licht sammelte.

Eine Frau hatte mir von diesem Hang erzählt, ohne ihn genau zu benennen. Sie habe hier früher gewohnt, sagte sie, und dabei so lange auf ihre Hände gesehen, als lägen dort noch die Dinge, die sie zurückgelassen hatte. In ihrer Tasche steckte ein altes Fernglas. Sie gab es mir nicht, sondern legte es auf den Tisch und schob es langsam zu mir herüber.

Von dem Haus erwähnte sie kaum etwas. Nur einen Raum mit einem Fenster zum Tal, einen knarrenden Boden und eine Tür, die sie nie bei hellem Tag geöffnet habe. Warum, schrieb ich mir damals an den Rand der Seite. Die Frau antwortete nicht. Sie strich mit dem Daumen über das Fernglas, bis die Metallfassung matt glänzte.

Nun lag das Fernglas an meiner Brust, warm von meiner Hand. Durch die Gläser suchte ich die Fassade ab, doch die Zweige teilten sie in Stücke. Ein dunkler Giebel, eine helle Fläche, eine schmale Linie am Rand. Nichts davon blieb lange sichtbar, weil sich das Licht mit jeder Wolke veränderte.

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Der Streifen unter der Tür

Hinter einer niedrigen Mauer begann der Boden trockener zu werden. Dort lagen Rebenstöcke mit dunklen Knospen, und zwischen ihnen schimmerte der Schnee wie zerbrochenes Glas. Ich ging nicht geradeaus, sondern folgte den Stellen, an denen das Licht auf dem Gras lag.

Die Terrasse zeigte sich zuerst nur als schmale Kante über dem Hang. Kein Tisch stand dort, kein Stuhl, keine Spur, die einen Aufenthalt verraten hätte. Trotzdem wirkte die Fläche nicht verlassen. Im Holz steckte ein kleiner heller Splitter, und darunter lag ein Blatt, das der Wind nicht fortgetragen hatte.

Was im Glas erschien

Ich setzte mich auf die niedrige Mauer und hob das Fernglas erneut. Nun sah ich einen Vorhang, der sich hinter einer Scheibe bewegte. Vielleicht war es nur ein Schatten der Zweige. Vielleicht auch eine Hand, die den Stoff zurückzog und gleich wieder losließ.

Unter einer Tür am seitlichen Ende der Terrasse lag ein Lichtstreifen. Er war schmal, gelb und so ruhig, dass ich den Atem anhielt. Der Streifen berührte den Schnee nicht, doch sein Schein legte sich auf die nassen Steine und machte aus jedem eine kleine glänzende Fläche.

Die Frau bleibt im Flur

In meinem Tagebuch steht, dass ich an diesem Punkt an die Frau dachte. Nicht an ihr Gesicht, sondern an die Art, wie sie das Fernglas auf den Tisch gelegt hatte. Als hätte sie gewusst, dass jemand später durch dieselben Gläser sehen und dabei etwas anderes entdecken würde.

Ich ging bis an die Terrassenkante. Von dort reichte der Blick über die Vorbergzone mit Reben, über kahle Äste und die letzten weißen Inseln des Schnees. Hinter mir summte etwas im Haus, vielleicht eine Leitung, vielleicht ein Gerät, das niemand mehr ausgeschaltet hatte.

Die Tür blieb geschlossen. Ich legte das Fernglas auf die Mauer und wartete, bis das goldene Licht aus den Reben wich. Im schmalen Streifen unter der Tür erschien ein Schatten. Dann war er fort.

Ich schrieb nur einen Satz. Wer hatte dort auf mich gewartet?

Die Tür blieb zu.

Wie nah das Haus im Video an dem liegt, das ich mir an diesem Nachmittag gebaut habe, zeigt sich in einer Minute.

Das Haus im Video

Zum Video auf Instagram

Die Geschichte oben ist frei erzählt. Das echte Haus zeigt das Video von SALUTI Immobilien, in Kooperation mit Brumani Immobilien - brumani.de

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