Einen Wal AufpÀppeln in einer Station - ist das realistisch?
01.05.2026 - 03:23:38 | dpa.deDie private Initiative zum Transport des wochenlang gestrandeten Buckelwals hat einen Plan B fĂŒr den Fall ins Spiel gebracht, dass das Tier doch zu schwach sein sollte, um demnĂ€chst freigelassen zu werden. Es gebe Auffangstationen zum AufpĂ€ppeln von Walen, hatte die RechtsanwĂ€ltin der privaten Rettungsinitiative, Constanze von der Meden, gesagt. Doch wĂ€re das ein realistischer Plan?
Zwar gebe es in Europa verschiedene Auffangstationen fĂŒr Kleinwale, erklĂ€rte die Tierschutzorganisation Whale and Dolphin Conservation (WDC). Aber: «Auffangstationen, die KapazitĂ€ten fĂŒr die Aufnahme eines Wals dieser GröĂe, geschweige denn Erfahrungen mit dem "AufpĂ€ppeln" von Buckelwalen hat, sind uns weder in Europa noch weltweit bekannt.» Allgemein wĂŒrden GroĂwale nicht unter menschliche Obhut gebracht.
Zwei Drittel der Zeit im Flachwasser
Der Wal war am Dienstag vor der Ostsee-Insel Poel in einen Lastkahn bugsiert worden, der dann an einen Schlepper gekoppelt Richtung Nordsee startete. Nach der langen Liegezeit sei fraglich, ob der Wal noch normal schwimmen und tauchen könne, hatte der Walforscher und Meeresbiologe Fabian Ritter erklÀrt. Auch die Frage nach der Nahrungsaufnahme stelle sich wegen der in seinem Maul gefundenen Netzteile. Der vier bis sechs Jahre alte Walbulle war Anfang MÀrz erstmals in der Ostsee gesehen worden. In den etwa 60 Tagen bis zum Transport lag er rund zwei Drittel der Zeit in Flachwasserzonen.
WDC sei generell der Ansicht, dass Wale und Delfine ein Recht auf Freiheit hĂ€tten, hieĂ es von der Organisation weiter. Aber: «Wir unterstĂŒtzen Auffangstationen fĂŒr wildlebende Wale und Delfine, die in freier Natur allein nicht mehr ĂŒberlebensfĂ€hig sind, ausdrĂŒcklich nicht.» Die Erfahrung zeige, dass eine anschlieĂende Auswilderung in den meisten bekannten FĂ€llen nicht möglich sei - den Tieren werde ein Leben in Gefangenschaft auferlegt. «In Gefangenschaft leiden Wale und Delfine erwiesenermaĂen psychisch wie physisch.» Ohnehin sei davon auszugehen, dass der geschwĂ€chte Buckelwal auch in einer Auffangstation keine langfristigen Ăberlebenschancen hĂ€tte.
Gibt es rechtliche Risiken?
WDC bereite derzeit groĂe Sorge, wie die ZustĂ€ndigkeit fĂŒr den Buckelwal auĂerhalb der deutschen HoheitsgewĂ€sser geregelt sei, hieĂ es weiter. «Wer entscheidet nun, ob der Transport weiterhin zulĂ€ssig ist?» Zu den relevanten Organisationen, die in internationalen GewĂ€ssern involviert werden könnten, gehöre die Internationale Walfangkommission (IWC) - und die habe sich bereits gegen den Transport ausgesprochen. «Die Missachtung ihrer Empfehlungen kann politisch und rechtlich problematisch sein.»
Auch die Bonner Konvention zum Schutz wandernder Tierarten verpflichte Staaten, GefĂ€hrdungen zu minimieren - und gelte auch fĂŒr GroĂwale im europĂ€ischen Raum, wie WDC betont. Letztlich greife auch die sogenannte Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie der EU, die absichtliche Störungen vor allem geschwĂ€chter Tiere verbiete und MeeressĂ€uger unter strengen Schutz stelle.
So schÀtzen die Börsenprofis Aktien ein!
So schÀtzen die Börsenprofis Aktien ein!
