DĂ€nemark, Deutschland

Einen Wal aufpÀppeln in einer Station - ist das realistisch?

01.05.2026 - 08:45:37 | dpa.de

Der zur Nordsee geschipperte Wal soll ins tiefe Wasser gebracht werden - wenn er nicht zu schwach ist. FĂŒr diesen Fall hat die Privatinitiative einen Plan B ins Spiel gebracht. Was bedeutet das?

Der Wal liegt in einer Ecke des Lastkahns. - Foto: Christoph Reichwein/dpa
Der Wal liegt in einer Ecke des Lastkahns. - Foto: Christoph Reichwein/dpa

Die private Initiative zum Transport des wochenlang gestrandeten Buckelwals hat einen Plan B fĂŒr den Fall ins Spiel gebracht, dass das Tier doch zu schwach sein sollte, um demnĂ€chst freigelassen zu werden. Es gebe Auffangstationen zum AufpĂ€ppeln von Walen, hatte die RechtsanwĂ€ltin der privaten Rettungsinitiative, Constanze von der Meden, gesagt. Doch wĂ€re das ein realistischer Plan?

Zwar gebe es in Europa verschiedene Auffangstationen fĂŒr Kleinwale, erklĂ€rte die Tierschutzorganisation Whale and Dolphin Conservation (WDC). Aber: «Auffangstationen, die KapazitĂ€ten fĂŒr die Aufnahme eines Wals dieser GrĂ¶ĂŸe, geschweige denn Erfahrungen mit dem "AufpĂ€ppeln" von Buckelwalen hat, sind uns weder in Europa noch weltweit bekannt.» Allgemein wĂŒrden Großwale nicht unter menschliche Obhut gebracht.

Zwei Drittel der Zeit im Flachwasser

Der Wal war am Dienstag vor der Ostsee-Insel Poel in einen Lastkahn bugsiert worden, der dann an einen Schlepper gekoppelt Richtung Nordsee startete. Nach der langen Liegezeit sei fraglich, ob der Wal noch normal schwimmen und tauchen könne, hatte der Walforscher und Meeresbiologe Fabian Ritter erklÀrt. Auch die Frage nach der Nahrungsaufnahme stelle sich wegen der in seinem Maul gefundenen Netzteile. Der vier bis sechs Jahre alte Walbulle war Anfang MÀrz erstmals in der Ostsee gesehen worden. In den etwa 60 Tagen bis zum Transport lag er rund zwei Drittel der Zeit in Flachwasserzonen.

WDC sei generell der Ansicht, dass Wale und Delfine ein Recht auf Freiheit hĂ€tten, hieß es von der Organisation weiter. Aber: «Wir unterstĂŒtzen Auffangstationen fĂŒr wildlebende Wale und Delfine, die in freier Natur allein nicht mehr ĂŒberlebensfĂ€hig sind, ausdrĂŒcklich nicht.» Die Erfahrung zeige, dass eine anschließende Auswilderung in den meisten bekannten FĂ€llen nicht möglich sei - den Tieren werde ein Leben in Gefangenschaft auferlegt. «In Gefangenschaft leiden Wale und Delfine erwiesenermaßen psychisch wie physisch.» Ohnehin sei davon auszugehen, dass der geschwĂ€chte Buckelwal auch in einer Auffangstation keine langfristigen Überlebenschancen hĂ€tte.

Gibt es rechtliche Risiken?

WDC bereite derzeit große Sorge, wie die ZustĂ€ndigkeit fĂŒr den Buckelwal außerhalb der deutschen HoheitsgewĂ€sser geregelt sei, hieß es weiter. «Wer entscheidet nun, ob der Transport weiterhin zulĂ€ssig ist?» Zu den relevanten Organisationen, die in internationalen GewĂ€ssern involviert werden könnten, gehöre die Internationale Walfangkommission (IWC) - und die habe sich bereits gegen den Transport ausgesprochen. «Die Missachtung ihrer Empfehlungen kann politisch und rechtlich problematisch sein.»

Auch die Bonner Konvention zum Schutz wandernder Tierarten verpflichte Staaten, GefĂ€hrdungen zu minimieren - und gelte auch fĂŒr Großwale im europĂ€ischen Raum, wie WDC betont. Letztlich greife auch die sogenannte Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie der EU, die absichtliche Störungen vor allem geschwĂ€chter Tiere verbiete und MeeressĂ€uger unter strengen Schutz stelle.

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