Dessau im Lonely-Planet-Ranking: Bauhaus-Stadt gehört zu den Top-Reisezielen 2027
Veröffentlicht am: 23.09.2026 um 06:00 Uhr | dpa, AD HOC NEWSDie Bauhaus-Stadt Dessau gehört im ReisefĂŒhrer âLonely Planet Best in Travel 2027â zu den 25 besten Reisezielen fĂŒr das kommende Jahr.
Dessau neben Rabat und Chengdu
Das am 23. September erscheinende Buch stellt Dessau-RoĂlau neben internationale Ziele wie Rabat, Skanör-Falsterbo in SĂŒdschweden und Chengdu in China. Eine Rangfolge gibt es nicht. Insgesamt empfiehlt der ReisefĂŒhrer 50 Ziele und Erlebnisse.
Zu den weiteren VorschlÀgen zÀhlen unter anderem der Besuch von Museen in Abu Dhabi und eine Reise auf der Route Napoléon zwischen Cannes und Grenoble.
Lob fĂŒr das Bauhaus
Die Autoren wĂŒrdigen Dessau als den Ort, an dem sich das Bauhaus in den 1920er Jahren zu einem umfassenden Gestaltungsprinzip entwickelt habe. Das Bauhaus sei eine besonders einflussreiche Designidee, die den Alltag bis heute prĂ€ge.
Das Staatliche Bauhaus wurde 1919 von Walter Gropius in Weimar gegrĂŒndet. Die Kunstschule revolutionierte neben der Architektur auch Design und Gestaltung.
BauhausgebÀude und MeisterhÀuser
Als SehenswĂŒrdigkeiten nennt der ReisefĂŒhrer vor allem das Ende 1926 eingeweihte BauhausgebĂ€ude, die Siedlung Dessau-Törten und die MeisterhĂ€user. In den Villen lebten unter anderem Gropius sowie die KĂŒnstler Paul Klee und Wassily Kandinsky.
Autor Anthony Ham beschreibt die Idee des Bauhauses als Verbindung von FunktionalitĂ€t und besserem Alltagsleben. Ein Besuch in Dessau könne sich deshalb wie eine Reise zur Quelle moderner Alltagsarchitektur anfĂŒhlen.
Politischer Streit in Sachsen-Anhalt
Die internationale WĂŒrdigung fĂ€llt in eine politische Debatte ĂŒber den Stellenwert des Bauhauses. Die AfD in Sachsen-Anhalt bezeichnet die Bauhaus-Tradition als âIrrweg der Moderneâ und will die Landeskampagne â#moderndenkenâ durch â#deutschdenkenâ ersetzen. Bauhaus-Institutionen und UnterstĂŒtzer wenden sich gegen diese Bestrebungen.
Bei der Landtagswahl am 6. September wurde die AfD in Sachsen-Anhalt und auch in Dessau-RoĂlau stĂ€rkste Partei.
ReisefĂŒhrer mit neuem Konzept
âBest in Travelâ wird im deutschsprachigen Raum vom Reiseverlag MairDumont herausgegeben. Der Verlag setzt nach eigenen Angaben auf langsameres Reisen, persönliche Begegnungen und Entdeckungen abseits der bekanntesten SehenswĂŒrdigkeiten.
Die 1973 gegrĂŒndete Marke âLonely Planetâ hat nach eigenen Angaben mehr als 150 Millionen ReisefĂŒhrer gedruckt. Deutschland war bereits in frĂŒheren Ausgaben vertreten, unter anderem 2025 mit Bayern als Top-Region und 2019 wegen des Bauhaus-JubilĂ€ums auf Platz zwei der LĂ€nderempfehlungen.
Bauhaus als internationales Kulturerbe
Die Empfehlung fĂ€llt in ein Jahr, in dem Dessau das 100-jĂ€hrige Bestehen des Bauhausstandorts besonders sichtbar macht. 1926 zog die von Walter Gropius gegrĂŒndete Kunstschule von Weimar nach Dessau. Das BauhausgebĂ€ude, die MeisterhĂ€user und die Siedlung Dessau-Törten stehen heute fĂŒr eine Architektur- und Designgeschichte, deren Einfluss weit ĂŒber Deutschland hinausreicht.
FĂŒr Reisende ist Dessau deshalb mehr als ein einzelnes Museum. Die Stadt verbindet erhaltene Bauwerke, Ausstellungen und Wohnsiedlungen mit der Frage, wie Gestaltung den Alltag prĂ€gen kann. Noch bis Januar 2027 lĂ€uft im BauhausgebĂ€ude die Ausstellung âGlas | Beton | Metallâ; im Bauhaus Museum ist bis MĂ€rz 2027 die Schau âGong | Schlag | Pfiffâ zu sehen. Damit bleibt das Thema auch nach dem JubilĂ€umsjahr prĂ€sent.
Kultur, Tourismus und politische Deutung
Die internationale Aufmerksamkeit trifft auf eine innenpolitische Auseinandersetzung in Sachsen-Anhalt. Die AfD hat nach ihrem Wahlerfolg eine stĂ€rker national ausgerichtete Kulturpolitik angekĂŒndigt und die Bauhaus-Tradition scharf kritisiert. Zugleich verweisen VerbĂ€nde auf die Bedeutung von Weltoffenheit fĂŒr Tourismus, FachkrĂ€ftegewinnung und die internationale Ausstrahlung des Landes.
Die Aufnahme in eine weltweite Reis Empfehlung kann Dessau zusĂ€tzliche Besucher bringen und die Stadt touristisch stĂ€rker positionieren. Entscheidend wird sein, ob die Aufmerksamkeit in nachhaltige Angebote, gute ZugĂ€nge zu den Bauhaus-StĂ€tten und eine offene Vermittlung ĂŒbersetzt wird. FĂŒr Besucher bedeutet das: 2026 und 2027 treffen in Dessau JubilĂ€umsprogramm, internationale Sichtbarkeit und eine politische Debatte ĂŒber den Stellenwert moderner Kultur unmittelbar aufeinander.
