StÀrkstes, Erdbeben

StĂ€rkstes Erdbeben seit 25 Jahren erschĂŒttert Taiwan

03.04.2024 - 05:27:26 | dpa.de

Die EinsatzkrĂ€fte sind im Großeinsatz nach dem Erdbeben und die Zahl der Verletzten steigt. Dutzende Menschen brauchen immer noch Hilfe - auch Deutsche.

  • Anwohner retten ein Kind aus einem teilweise eingestĂŒrzten GebĂ€ude in Hualien im Osten Taiwans. - Foto: -/TVBS via AP/dpa
  • Zuletzt wurde Taiwan im September 1999 von einem Beben der StĂ€rke 7,3 getroffen. - Foto: Uncredited/TVBS via AP/dpa
Anwohner retten ein Kind aus einem teilweise eingestĂŒrzten GebĂ€ude in Hualien im Osten Taiwans. - Foto: -/TVBS via AP/dpa Zuletzt wurde Taiwan im September 1999 von einem Beben der StĂ€rke 7,3 getroffen. - Foto: Uncredited/TVBS via AP/dpa

Nach dem heftigen Erdbeben vor der OstkĂŒste Taiwans ist die Zahl der Toten auf neun gestiegen. Die Zahl der Verletzten und Eingeschlossenen nach dem Erdbeben vor der OstkĂŒste Taiwans ist nach Angaben der Behörden ebenfalls weiter gestiegen.

Mehr als 820 Menschen gelten als verletzt, zudem sind 127 in Tunneln oder GebĂ€uden eingeschlossen, wie die nationale Feuerwehr-Behörde am Nachmittag (Ortszeit) mitteilte. Auch die Zahl verschiedenster UnfĂ€lle, etwa durch SchĂ€den an GebĂ€uden oder Infrastruktur, stieg auf ĂŒber 1100.

Das Beben trat am Morgen (Ortszeit) wenige Kilometer vor der OstkĂŒste Taiwans auf. Die Wetterbehörde registrierte an der sĂŒdöstlichen KĂŒste der Insel bei der Stadt Hualien in einer Tiefe von 15,5 Kilometern eine BebenstĂ€rke von 7,2. Die Erdbebenwarte in den USA (USGS) gab eine StĂ€rke von 7,4 in dem Gebiet an. In Japan sprachen die Behörden laut Medienberichten sogar von einer StĂ€rke von 7,7.

WohnhĂ€user zum Teil eingestĂŒrzt

BrĂŒcken, Gleise, Autobahnen, öffentliche GebĂ€ude und WohnhĂ€user: Wichtige Infrastruktur wurde durch die ErschĂŒtterungen in Mitleidenschaft gezogen. Das Beben war landesweit zu spĂŒren. Besonders heftig traf es die OstkĂŒstenstadt Hualien, wo GebĂ€ude durch die heftigen ErdstĂ¶ĂŸe teils schwer beschĂ€digt wurden. Auf Fotos war zu sehen, wie mehrere HĂ€user einsackten und in Schieflage gerieten.

Laut Augenzeugen war das Beben auch in und um die Hauptstadt Taipeh deutlich zu spĂŒren. In Neu-Taipeh, das die Hauptstadt umschließt, wurden demnach drei Menschen verletzt, als ein Lagerhaus einbrach. Bewohner der Hauptstadt berichteten, dass in ihren HĂ€usern und Wohnungen EinrichtungsgegenstĂ€nde und Geschirr zu Bruch gingen. Der öffentliche Nahverkehr auf der Schiene wurde in mehreren großen StĂ€dten der Insel mit mehr als 23 Millionen Einwohnern eingestellt. Auch der Schnellzugverkehr wurde unterbrochen.

Eingeschlossene Deutsche befreit

Die beiden in Taiwan nach einem Erdbeben in einem Tunnel eingeschlossenen Deutschen sind befreit worden. Das teilte die taiwanische Feuerwehr-Behörde am Mittwochabend (Ortszeit) mit. Zuvor hatte die «Bild»-Zeitung berichtet. 

Wieder Strom in meisten Haushalten

Taiwans Energieversorger hat Berichten zufolge die Stromversorgung in den meisten Haushalten wiederhergestellt. Wie die offizielle taiwanische Nachrichtenagentur CNA berichtete, hatten laut der staatlichen Taiwan Power Company knapp 367.800 Haushalte am Mittwochnachmittag (Ortszeit) und damit 99 Prozent wieder Strom. Von den 3500 Einheiten, in denen noch keine ElektrizitÀt vorhanden war, lagen demnach rund 2400 im Kreis um die Stadt Hualien.

Tsunami-Warnungen in mehreren LĂ€ndern

Über mehrere Stunden warnten Taiwan, China, Japan und die Philippinen vor Tsunamis, ehe die Warnungen zunĂ€chst gelockert und spĂ€ter aufgehoben wurden. Im nordöstlich von Taiwan gelegenen Japan löste das Erdbeben eine Warnung vor einem drei Meter hohen Tsunami fĂŒr nahegelegene Inseln der sĂŒdwestjapanischen PrĂ€fektur Okinawa aus. Die Bewohner der betroffenen Inseln wurden aufgerufen, sich in Sicherheit zu bringen.

Auf den Philippinen gaben die Behörden ebenfalls eine Tsunami-Warnung heraus. Es wĂŒrden hohe Tsunami-Wellen erwartet, die stundenlang andauern könnten, teilte das nationale Institut fĂŒr Vulkanologie und Seismologie mit. Menschen in mehreren Provinzen des Inselstaates wurden aufgefordert, sich in Sicherheit zu bringen und die KĂŒstenregionen zu verlassen.

China bietet Hilfe an

Im Nachbarland China, das Taiwan als abtrĂŒnnige Provinz betrachtet, war das Erbeben ein Hauptthema in den Nachrichten des Staatsfernsehens. Die chinesischen Behörden seien ĂŒber die Lage sehr besorgt, sagte die Sprecherin des chinesischen BĂŒros fĂŒr Taiwan-Angelegenheiten, Zhu Fenglian, in Peking. Das Festland beobachte die Situation und sei bereit, Katastrophenhilfe anzubieten.

Ob Taiwan die Hilfe Chinas annehmen wird, ist offen. Zwischen den beiden Staaten gibt es immer wieder Spannungen wegen Pekings Gebietsanspruch, obwohl in Taiwan seit Jahrzehnten eine unabhÀngige und demokratisch gewÀhlte Regierung an der Macht ist.

EU-RatsprÀsident Michel bietet Hilfe an

Auch EU-RatsprĂ€sident Charles Michel hat Hilfe der EuropĂ€ischen Union angeboten. «Allen, die vom Erdbeben im Taiwan betroffen sind, gilt meine aufrichtige Anteilnahme», teilte er am Mittwoch auf der Plattform X (frĂŒher Twitter) mit. «Und den Familien der Opfer mein Beileid.» Die EU sei bereit, jede erforderliche Hilfe zu leisten.

Produktionsstopp bei wichtigem Chiphersteller

Das Beben hatte auch Auswirkungen auf die Wirtschaft: Taiwans wichtiger Halbleiter-Hersteller TSMC etwa hielt die Produktion an, wie die Behörde des Industrieparks der Stadt Hsinchu mitteilte. Die Firma evakuierte laut Berichten Arbeiter wĂ€hrend des Bebens aus der Produktion. Auch andere Betriebe stoppten die Arbeit vorĂŒbergehend. Der staatseigene Energieversorger berichtete von mehr als 308.000 Haushalten in Taiwan, bei denen mit dem Beben der Strom ausfiel. Zehntausende waren auch danach zeitweilig noch ohne Strom.

Zuletzt wurde Taiwan im September 1999 von einem Beben der StÀrke 7,3 getroffen. Damals kamen mehr als 2400 Menschen ums Leben. Taiwan liegt in einer erdbebengefÀhrdeten Zone auf der Grenze der Eurasischen Platte und der Philippinischen Meeresplatte.

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