Aale-Dieter (86) denkt noch lange nicht ans Aufhören
17.10.2025 - 05:00:25 | dpa.de
Marktschreier kĂ€mpfen ĂŒberall um ihr wirtschaftliches Ăberleben. Doch der legendĂ€re Aale-Dieter auf dem Hamburger Fischmarkt denkt auch mit 86 Jahren noch nicht ans Aufhören. Er wolle das «bis zum Ende» machen, sagt Aale-Dieter, der mit bĂŒrgerlichen Namen Dieter Bruhn heiĂt, der Deutschen Presse-Agentur. Seit 66 Jahren verkauft er jeden Sonntag gerĂ€ucherte Aale auf dem Fischmarkt im Hamburger Stadtteil Altona. Sein Motto: «Wer rastet, der rostet.»
WĂ€hrend einige Feiernde noch auf St. Paulis Partymeile unterwegs sind, beginnt er teils vor dem Morgengrauen ganz in der NĂ€he am Ufer der Elbe bereits mit seiner Arbeit. Die Zahl seiner Kunden habe nicht abgenommen, sagt er. Aber die Kundschaft habe sich verĂ€ndert - ein Grund dafĂŒr seien unter anderem auch die gestiegenen Preise fĂŒr die Aale. «Vor 30 Jahren hat der Aal noch rund die HĂ€lfte gekostet.»
Sehr gerne schĂ€kert er mit den Kunden. Die Bezeichnung Marktschreier findet er fĂŒr sich nicht unbedingt passend. Er sei eher ein Unterhalter, sagt der VerkĂ€ufer. «Als Baby habe ich in der Kinderkarre geschrien - aber das ist vorbei, heute unterhalte ich die Leute so ein bisschen.»
Immer mehr Hamburger Marktschreier hören auf
Auf dem mehr als 300 Jahre alten Markt fehlt es aber immer mehr an den typischen Marktschreiern, die hier mit flotten SprĂŒchen ihre Waren anpreisen und so fĂŒr die besondere AtmosphĂ€re sorgen. Andere Medien berichten davon, dass die Zahl der Schreier auf dem Fischmarkt nur noch bei sechs bis sieben liegt â nach ungefĂ€hr 15 vor Corona. Die HĂ€ndlerzahl des Fischmarktes ist den Berichten zufolge demnach von 120 vor Corona auf nun etwa 80 bis 100 Marktbeschicker gesunken.Â
Die Zahl der Marktschreier nimmt ab, sagt Dieter Egert, Vorstandsmitglied des Landesverbands des Ambulanten Gewerbes und der Schausteller Hamburg. «Es sind Marktschreier weggestorben oder weggeblieben.» Zum Beispiel Nudel-Olli aus Leipzig hatte zuletzt gefehlt - aber auch einige FischhĂ€ndler. Die GrĂŒnde dafĂŒr seien demnach oft, das Schreier aus AltersgrĂŒnden ausscheiden. Es fehle der Nachwuchs und das Interesse auf dem Markt zu sein, sagt der Sprecher.Â
Das könnte Folgen haben: «Der Fischmarkt ohne Marktschreier wÀre eine lahme Ente.» Auch die Anzahl der HÀndler, die mit ihrem Stand auf dem Markt stehen, habe abgenommen - das habe sich besonders nach der Corona-Pandemie bemerkbar gemacht.
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