Vorsichtiges, Aufatmen

Vorsichtiges Aufatmen an Elbe - AufrÀumen in Flutgebieten

19.09.2024 - 14:06:59 | dpa.de

Die PegelstĂ€nde an der Elbe in Sachsen gehen langsam zurĂŒck. Im polnischen Breslau ist das Schlimmste noch nicht ĂŒberstanden. Ein Überblick.

  • Polens Regierungschef Donald Tusk nahm erneut an einer Krisensitzung teil. (Foto aktuell) - Foto: Maciej Kulczynski/PAP/dpa
  • Brandenburg rĂŒstet sich fĂŒr ein mögliches Hochwasser. (Foto aktuell) - Foto: Patrick Pleul/dpa
  • In SĂŒden und Westen Polens stehen noch immer weite Landstriche unter Wasser. (Foto aktuell) - Foto: Attila Husejnow/SOPA Images via ZUMA Press Wire/dpa
Polens Regierungschef Donald Tusk nahm erneut an einer Krisensitzung teil. (Foto aktuell) - Foto: Maciej Kulczynski/PAP/dpa Brandenburg rĂŒstet sich fĂŒr ein mögliches Hochwasser. (Foto aktuell) - Foto: Patrick Pleul/dpa In SĂŒden und Westen Polens stehen noch immer weite Landstriche unter Wasser. (Foto aktuell) - Foto: Attila Husejnow/SOPA Images via ZUMA Press Wire/dpa

 

Breslau/Dresden (dpa) - Vorsichtiges Aufatmen an der Elbe in Sachsen, banger Blick auf die Deiche der Oder im polnischen Breslau: Der Hochwasserscheitel der Elbe ist nach Angaben des Landeshochwasserzentrums am sĂ€chsischen Flussabschnitt angekommen. Am ersten Pegel Schöna an der Grenze zu Tschechien lag der Wert am Nachmittag bei etwa 6,50 Metern, bei langsam fallender Tendenz. Normal sind dort 1,58 Meter. Auch in Dresden geht der Wasserstand Zentimeter fĂŒr Zentimeter zurĂŒck. Die Hydrologen rechnen damit, dass er nach Mitternacht unter die Sechs-Meter-Marke sinkt - also unter den Wert fĂŒr die zweithöchste Alarmstufe. Am Nachmittag waren es 6,07 Meter, der Normalwert fĂŒr Dresden liegt bei 1,42 Meter. 

Gebannt ist die Gefahr in Deutschland jedoch noch nicht. Derweil laufen in Hochwassergebieten der NachbarlÀnder die AufrÀumarbeiten - und der Ruf nach EU-Mitteln zur Beseitigung der SchÀden wird lauter.

Noch ist das Hochwasser hierzulande nicht ĂŒberstanden. In Brandenburg ist ab kommender Woche bis zur Wochenmitte mit einer ernsteren Hochwasserlage an der Oder zu rechnen. Das Landesumweltamt schließt die höchste Alarmstufe vier nicht aus. Die Stadt Frankfurt (Oder) hat SchutzwĂ€nde an der Uferpromenade aufgebaut. Auch SandsĂ€cke liegen bereit. Wachdienste fĂŒr die Deiche sind organisiert - sie gehen die Schutzanlagen ab, wenn sich die Lage verschĂ€rft. In Brandenburg wird am Sonntag der Landtag neu gewĂ€hlt.

In Sachsen-Anhalt steigen die PegelstÀnde an der Elbe weiter an - bleiben aber unter den Alarmstufen. In Bayern gab es bereits am Mittwoch Entwarnung.

Lage in Mittel- und SĂŒdosteuropa

In den meisten vom Hochwasser betroffenen Regionen in Mittel- und SĂŒdosteuropa lĂ€uft das große AufrĂ€umarbeiten: Schutt und Schlamm werden von den Straßen geschoben oder aus HĂ€usern entfernt. Andere retten, was noch zu retten ist. Auch das MilitĂ€r ist mit im Einsatz.

Noch ist das Ausmaß der SchĂ€den unklar. Das Europaparlament drĂ€ngt deshalb auf mehr EU-UnterstĂŒtzung. Es sei notwendig, das EU-Katastrophenschutzverfahren mit mehr Ressourcen auszustatten, fordert eine Mehrheit des Parlaments. 

Am Nachmittag wird EU-KommissionsprĂ€sidentin Ursula von der Leyen in Breslau erwartet. Dabei dĂŒrfte es auch um die Frage von EU-Mitteln fĂŒr die betroffenen LĂ€nder gehen. Polens Regierungschef Donald Tusk hatte bereits gesagt, dass er sich um EU-Finanzmittel zur BewĂ€ltigung der HochwasserschĂ€den bemĂŒhen wolle. Der tschechische Finanzminister Zbynek Stanjura rechnet dieses Jahr mit staatlichen Mehrausgaben wegen der Katastrophe von bis zu 1,2 Milliarden Euro. 

Inzwischen stieg die Zahl der Todesopfer auf insgesamt mindestens 23. In Tschechien werden noch mindestens acht Menschen vermisst. Der britische König Charles zeigte sich erschĂŒttert: «Meine Frau und ich sind zutiefst schockiert und traurig ĂŒber die Zerstörung und VerwĂŒstung, die von den katastrophalen Überschwemmungen in Mitteleuropa hervorgerufen wurden», hieß es in einer Mitteilung des Palasts in London.

Tschechien

In Tschechien erreichte die Elbe in Usti (Aussig) unweit der Grenze zu Sachsen ihren Höchststand bei knapp ĂŒber 6,8 Metern - normal sind rund 2 Meter. Die SchutzwĂ€nde hielten den Wassermassen stand. In den Katastrophengebieten im Osten des Landes halfen Feuerwehrleute, Soldaten und GefĂ€ngnis-Insassen bei den AufrĂ€umarbeiten. Die Beseitigung der SchĂ€den könnte nach EinschĂ€tzung von PrĂ€sident Petr Pavel Jahre dauern. Eine wichtige Staatsstraße wurde wegen UnterspĂŒlung selbst fĂŒr die RettungskrĂ€fte gesperrt. Die Polizei sprach von weiteren FĂ€llen von PlĂŒnderungen.

Polen

In Polen hat die Hochwasserwelle in der Nacht die niederschlesische Stadt Breslau erreicht. Der Wasserstand betrage 6,38 Meter, sagte BĂŒrgermeister Jacek Sutryk dem Sender TVN24. Ein Pegelstand von 6,30 bis 6,40 Meter werde sich lĂ€nger halten. Normal ist ein Wasserstand von etwas mehr als 3 Metern. Die jetzige Flutwelle ist deutlich niedriger als beim Oderhochwasser 1997, als der Wasserstand 7,24 Meter erreichte.

Regierungschef Tusk warnte bei einer Sitzung des Krisenstabs davor, die Situation zu unterschĂ€tzen. «Es ist zu frĂŒh, um den Sieg ĂŒber das Hochwasser bei Breslau zu verkĂŒnden.» Man mĂŒsse die Lage weiter im Auge behalten. Das Hochwasser bei Breslau könnte laut Prognosen bis Montag anhalten - die Hoffnung ist, dass die Deiche halten. Deutschland bot Polen einen Hilfseinsatz von Soldaten in den Hochwassergebieten an. Details dazu seien aber noch nicht vereinbart, teilte das Verteidigungsministerium mit.

Österreich

In Österreich wird der Reparatur der SchĂ€den nach dem Hochwasser wohl sehr lange Zeit in Anspruch nehmen. Die MinisterprĂ€sidentin des besonders betroffenen Bundeslands Niederösterreich, Johanna Mikl-Leitner, geht inzwischen davon aus, dass der Wiederaufbau der zerstörten Regionen «nicht Tage, Wochen oder Monate, sondern Jahre dauern» werde. Sie halte dafĂŒr einen «nationalen Schulterschluss» fĂŒr notwendig, sagte sie. 

Inzwischen entspannt sich die Situation weiter, allerorts gehen die PegelstĂ€nde zurĂŒck. Rund 300 GebĂ€ude können im besonders betroffenen Niederösterreich weiter nicht betreten werden. Die Zahl lag vor wenigen Tagen noch bei 1400. 

Slowakei

In der Slowakei entspannt sich die Hochwassersituation im Westen des Landes um die Hauptstadt Bratislava, wĂ€hrend der Pegel der Donau weiter sĂŒdöstlich noch steigt. In Komarno an der ungarischen Grenze wird die Scheitelwelle fĂŒr Freitag erwartet. Dort verstĂ€rken auch NebenflĂŒsse aus dem Norden der Slowakei die Wassermassen der Donau.

Im Stadtzentrum von Bratislava hat die Donau am Mittwochabend ihren Höchststand mit ĂŒber 9,8 Metern erreicht und fĂ€llt seitdem stetig. Am Donnerstagvormittag wurden noch 9,3 Meter gemessen. Der normale Wasserstand liegt im Durchschnitt bei 3 Metern. 

Italien

In Italien hatte vor allem die Region Emilia-Romagna im Norden des Landes unter heftigem Regen zu leiden. In mehreren StĂ€dten wie Ravenna, ForlĂŹ oder Castel Bolognese stand Wasser in den Straßen, weil FlĂŒsse ĂŒber die Ufer traten. Mehrere Hundert Menschen wurden aus ihren HĂ€usern evakuiert und in Aufnahmezentren gebracht. 

Aus SicherheitsgrĂŒnden blieben in der Regionalhauptstadt Bologna und anderswo viele Schulen geschlossen. Zudem riefen die dortigen Behörden die Menschen auf, besser zu Hause zu bleiben. 

In der Lagunenstadt Venedig wurde erstmals nach den Sommerferien das System «Mose» aus stÀhlernen Barrieren zum Schutz vor Hochwasser in Betrieb genommen.

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