BrummschÀdel und Prellungen bei Stierhatz in Pamplona
07.07.2024 - 12:50:26 | dpa.deInsgesamt sechs Menschen sind bei der ersten Stierhatz des umstrittenen SanfermĂn-Festes im nordspanischen Pamplona verletzt worden. Wie seit mehr als 400 Jahren ĂŒblich waren sie zusammen mit Stieren durch die engen Gassen der Altstadt gerannt. LebensgefĂ€hrlich verletzt wurde niemand, es blieb bei einem Patienten mit SchĂ€deltrauma und fĂŒnf mit Prellungen, wie ein SanitĂ€tssprecher dem staatlichen TV-Sender RTVE sagte. In den kommenden sieben Tagen gibt es je eine weitere Hatz. FĂŒr die Stiere ist es jeweils der letzte Tag im Leben, sie sterben spĂ€ter in der Stierkampfarena.Â
Stiere sind schnellÂ
Die Stiere sehen zwar etwas plump aus, können aber schneller als Menschen laufen. Bei der Mutprobe vor allem jĂŒngerer MĂ€nner geht es darum, so nahe wie möglich an den um die 600 Kilogramm schweren Kampfbullen zu laufen, ohne von ihnen erwischt zu werden.
Dabei versuchen die LĂ€ufer auf der 875 Meter langen Strecke zur Stierkampfarena, eine Zeit lang vor den Bullen herzurennen. Irgendwann wird jeder LĂ€ufer von den Tieren ĂŒberholt und versucht dabei, ihnen auf den RĂŒcken zu klopfen. Die Hatz geht ĂŒber glattes und bisweilen nasses Kopfsteinpflaster.
Beim Laufen stÀndig nach hinten schauen
Zu den meisten StĂŒrzen kommt es, weil die LĂ€ufer in Erwartung der Stiere stĂ€ndig nach hinten schauen. Stolpert ein LĂ€ufer, fallen oft mehrere mit. Brenzlig wird das vor allem dann, wenn die Stiere nahen. Das letzte Todesopfer gab es 2009.Â
Zu den Fans der Hatz gehört der in Pamplona geborene FuĂball-Star Nico Williams (21), der am Freitag mit der spanischen Nationalmannschaft Deutschland aus der Europameisterschaft warf. «Ich feiere normalerweise jedes Jahr mit. Diesmal geht es nicht. Aber wenn wir ins Finale kommen, ist es auch völlig ok», sagte er der Sportzeitung «AS».
TierschĂŒtzer protestierenÂ
Kritik und Proteste nehmen von Jahr zu Jahr zu. Am Freitag hatten die Organisationen PETA und AnimaNaturalis in Pamplona gegen das neuntĂ€gige Fest demonstriert und die Hatz als «mittelalterliche Grausamkeit» bezeichnet. TierschĂŒtzer fordern schon lange ein Ende der StierlĂ€ufe und generell aller blutigen StierkĂ€mpfe.
Schon in den Tagen zuvor hatte es Demonstrationen gegeben, bei denen Teilnehmer Plakate mit Aufschriften wie «Folter ist weder Kunst noch Kultur» und «TierquÀlerei ist eine nationale Schande» trugen. «Wir wissen, dass es in der Gesellschaft eine Mehrheit gibt, die diese TierquÀlerei nicht nur in Pamplona, sondern in ganz Spanien ablehnt und kein Interesse daran hat, sie aufrechtzuerhalten - schon gar nicht mit unseren Steuern», sagte die AnimaNaturalis-Vorsitzende Aida Gascón.
Kritik versus Begeisterung
Bei ĂŒberzeugten Fans hat die blutige Fiesta in der Region Navarra nach wie vor Hochkonjunktur. Im vergangenen Jahr wurden nach amtlichen Angaben insgesamt 1,5 Millionen Teilnehmer gezĂ€hlt - ein Rekord. Dieses Jahr meldeten die Hotels Tage vor dem Fest eine durchschnittliche Auslastung von 90 Prozent, Ferienwohnungen waren zu normalen Preisen nicht mehr zu bekommen. Die Besucher kommen aus Spanien und aus aller Welt. FĂŒr die Stadt ist es ein MillionengeschĂ€ft.
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